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Mono-Label-Shops

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Im internationalen Modemarkttreiben genießen österreichische Designer einen
ausgezeichneten Ruf. Diese Tatsache wurde zuletzt auch auf dieser Plattform
thematisiert. Doch was geschieht vor Ort?

Es ist an der Zeit für einen Lokalaugenschein in der äußerst lebendigen und sich stetig vergrößernden Wiener Szene.
Eine Grand Tour durch hier ansässige Monolabel-Shops unternahm die Critical Shopperin Cordula Biersack für austrianfashion.net. Ein Résumé ihres Rundganges.


Shop-Stopp Schadekgasse 4, Wien VI: Modus Vivendi

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Den Shop neben dem Haus des Meeres gibt es bereits seit 1992. Das Atelier einen Stock darüber besteht allerdings schon seit 1988. Mit dem Augenblick, in dem ich den Eingang passiere, bin ich in einer eigenen Welt: Herbst mit seinen schönsten Farben. Bei Vanillekipferln erklärt Shop- und PR-Managerin Doris Strasser die Philosophie der Designer Charlotte Jakoubek und Monika Bacher folgendermaßen: Kleidung sei ein individuelles Heim, das man tagtäglich mit sich herum trage. Man solle sich in erster Linie in seinen Sachen wohl und geborgen fühlen. Sie dreht sich im Kreis, deutet auf die Pumphose, die sie trägt, und erklärt vergnügt: "Schau, die Sachen schmeicheln!"
Die Strick-Kollektion besteht nur aus Einzelstücken. Auf meine Frage, ob es auch Maßanfertigungen gebe, bekomme ich ein deutliches "Na klar!" zur Antwort. "Angepasste Individualität" ist für Modus Vivendi eine Selbstverständlichkeit.
Der Kunde hat Mitspracherecht. Modus Vivendi tauscht mit dem Label Matrix Einzelstücke, die im Shop verkauft werden. Die Schuhe, die es zu kaufen gibt, sind von Rosa Mosa. Quasi ein Bannertausch auf modischer Ebene. Cleveres Marketing. Die Kaschmir-Aktion von Modus Vivendi ist auch ein Grund dafür, dass man nichts, was man in der geräumigen Umkleidekabine einmal angezogen hat, wieder zurück hängen möchte. Schon gar nicht bei Außentemperaturen im Sturzflug.


Shop-Stopp Lindengasse 20, Wien VII: Wabisabi

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Stefanie Wippel, die Designerin von Wabisabi, ist selbst anwesend und erzählt mir stolz, dass sie ihren eigenen Shop nun seit Februar 2007 betreibe. Ich frage sie, ob sie Wert darauf lege, als "Jungdesignerin" bezeichnet zu werden – aber das ist ihr völlig egal. Es geht schließlich um die Mode an sich. Der Shop der jungen Frau ist sehr hell und schlicht. Am liebsten würde ich im Shop außer den Kleidungsstücken an sich gar keine Dekoration sehen. Die schlichte Eleganz des hohen Raumes spricht für sich. Wabisabis Kunden sind meist Laufkunden. Zwar hat das Label auf der Blickfang-Messe ausgestellt, aber die meisten Leute kommen, weil der Shop so günstig gelegen ist - sie sind neugierig. Auch die Homepage der Stadt Wien, die den Shop erwähnt, lockt immer wieder Touristen in die Lindengasse. Prima Werbung, die weitere PR unnötig macht.
Als eine Kundin den Raum betritt - sie kommt offenbar nicht zum ersten Mal -, halte ich mich zurück und beobachte, wie Stefanie Wippel gemeinsam mit der Kundin überlegt, was getan werden muss, damit die Hose richtig sitzt. Mit einer Nadel im Mund erzählt sie weiter. Die meisten Kunden seien Künstler. Architekten, Musiker und eben alle, die sich gerne "anders" anziehen. Die meisten müssen irgendwann einmal mit ihren Klamotten auf eine Bühne.
In der Lindengasse hat man es nett, sagt die Designerin. Kollegen kennen einander und leihen sich schon einmal ein Auto, wenn Not am Mann ist.


Shop-Stopp Lindengasse 25, Wien VII: Sandra Gilles – la petite boutique

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Gegenüber in la petite boutique erzählt mir Sandra Gilles, dass PR auch in ihrem Falle total unnötig sei. Die Straße sei einfach ein Knaller. Zwar wird Sandra Gilles nächstes Jahr in einem französischen Reiseführer erwähnt werden, aber bisher kam die Werbung von ganz alleine. "Bisher habe ich noch gar nichts dafür tun müssen!", meint sie. "Die kommen alle von selbst hier vorbei." Auffällig ist der Shop tatsächlich, so entzückend ist er. Hier ist ein Stilmix am Start, halt dein Geld fest! Modernes und Altes; 70er Lampen, barocke Raumteiler, Plüschsessel und ganz normale Glastische. Sandra Gilles mag kalte Räume nicht, ihr Shop solle eine Seele haben, sagt sie. Es stehen dutzende farblich sortierte Nähgarnrollen und eine sehr dekorative Nähmaschine mitten im Raum. Die Kunden sollen auch sehen können, dass alles echt ist und nicht aus China kommt, erklärt die Shop-Managerin, Designerin, Näherin, Finanzmanagerin, Verkäuferin und Dekorateurin.
Ja, Sandra Gilles hat viele Jobs, ist aber auch nur ein Mensch. Deshalb wünscht sie sich mehr Unterstützung. Eine steuerliche Beratungsstelle für Designer wäre schön, sagt sie. Und Sponsoring für Angestellte, nur für ein paar Monate wären ihr eine sehr große Hilfe; ein paar Stunden pro Woche würden schon genügen. Leben kann sie von ihrem Shop noch nicht. Doch wenn sich die Dinge so weiter entwickeln wie bisher, wird es in zwei bis drei Jahren so weit sein.


Shop-Stopp Margaretenstraße 39, Wien IV: Elfenkleid

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Das Geschäft von Elfenkleid in der Margaretenstraße gibt es seit Oktober 2003. Unbehandelte Naturdielen und weiße Rundbögen an den Decken geben einem fast das Gefühl, als wäre man im Freien auf einer Veranda. Designerin Anette Prechtl hat ihre Kollegin Sandra Thaler auf der Modeschule kennen gelernt. Sie erzählt, dass beide es nicht leicht hatten, als sie ganz neu im Geschäft anfingen. Aus der Not heraus - es gab in Wien kaum Möglichkeiten für Designer, einen guten Job zu finden - haben sie beschlossen, sich selbständig zu machen. Mit Erfolg. Inzwischen verkauft sich Elfenkleid in den USA, Asien und Deutschland. Eine Kollektion der beiden wird im Art-Up im 1. Wiener Gemeindebezirk verkauft. Besonders stolz sind die Designerinnen auf ihre traumhafte Hochzeitskollektion. Sie bildet sozusagen ein weiteres Standbein der Firma. Da der Shop nicht im eigentlichen Sinne auf einer Einkaufsmeile liegt, sind Shows wie in den Ringstraßengalerien oder im Mumok sehr wichtig für Elfenkleid.
Anette Prechtl hält viel von den regelmäßig stattfindenden Designer-Meetings. Dort finde in den einzelnen Gruppierungen ein informativer netter Austausch statt, sagt sie. Die städtische Förderung strebe gegen Null, was es den Künstlern gerade in der Anfangsphase unerträglich schwer mache. Ohne ein gewisses Grundkapital könne man gleich aufgeben. Anette Prechtl und Sandra Thaler haben sich aber nicht unterkriegen lassen.


Shop-Stopp Schönbrunnerstraße 65, Wien V: Pia Mia

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Pia Mia in der Schönbrunnerstraße gewinnt mächtig durch einen echten Holzofen im Shop. Dass man mit Pia Mia Klarheit, Ruhe und Wärme assoziiert, ist gar nicht überraschend. Hier wird mit echtem Holz geheizt, das den Shop dekorativ ziert. Susanne Dziadek hat vor drei Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester das Label Pia Mia gegründet. Die ist aber inzwischen ausgestiegen und nun regelt alles, was nicht direkt mit den Kleidern zu tun hat, Freund Andreas Pohnitzer. Als der sich mit einer Leiter unter dem Arm kurz nach oben verabschiedet, um etwas für mich zu kopieren, wird mir erst klar, wie groß das Erlebnisland Pia Mia eigentlich ist. Der zweite Raum ist zwar jetzt schon sehr hübsch gestaltet, doch da werde noch eine Überraschung entstehen, verrät die Designerin. Bislang haben Susanne und Andy ihre Fühler auch nach Budapest und Kufstein ausgestreckt. Dass Susannes Kollektionen immer wieder vorgeführt werden, ist ihnen ein großes Anliegen. Im Fluc, im Museumsquartier, im Modepalast und auf der Blickfang waren die Sachen schon auf dem Laufsteg. Und es geht sicher noch weiter.



Cordula Biersack

Fotos: Cordula Biersack, Ulli Koscher für Modus Vivendi

Artwork: Lea Zeitman, Basel / CH
Image realisiert mit Processing
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Modus Vivendi

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Elfenkleid
Pia Mia

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  Comments (1)
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Written by Cornelia Lorenz, on 14-01-08 17:32
Ein sehr interessanter und gut geschriebener Artikel! Man bekommt große Lust, in Wien schoppen zu gehen.

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