Search
NEWSLETTER SIGN UP

CONTRIBUTE
Keep us informed about your current projects in Austria and beyond,
your group initiatives, collaborations, networks and research.
We welcome your contributions!

  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
>   

 


Print

send link
Schmuck mit Anspruch

Image
Schmuckmacher Thomas Hauser im Interview


Die Ballsaison ist im vollen Gange. Da herrscht bei gut betuchten Damen unmittelbarer Bedarf an edlen und schönen Schmuckstücken. Sind bei Ihnen just Anfragen eingelangt, die Sie in der Ausfertigung besonders reizen?

TH: Das gut betucht gefällt mir nicht so recht – auch ist es mir lieber die Damen "betuchen" sich erst nachdem sie den richtigen Schmuck gewählt haben. Zu Smaragd Chandeliers findet sich schneller der richtige Stoff, als Edelsteine im Ton einer kadettblauen Robe. Meine Kundinnen wissen das und gehen mit dem Schmuck zum Schneider. Aber zurück zu Ihrer Frage: Nachdem ich auftragsbezogen arbeite und keine Stangenware habe, aus der man sich passend zum Kleid schnell etwas aussuchen kann, gibt es keine "justen" Anfragen die ich just bedienen kann… Ballsaison ist bei mir das ganze Jahr. Ich arbeite mit edlen Materialien oder genuinen Edelsteinen, daher haben die Stücke natürlich ihren Preis. Aber auch ein simpler Goldohrring an dem keine Steine vom Schmuckstück ablenken, kann voll ins Schwarze treffen ohne ein Vermögen zu kosten. Es gibt für jedes Budget den perfekten Schmuck. Der Wunsch nach individuellen und in der Fertigung qualitativ hochwertigen Schmuckstücken besteht nicht nur bei "gut betuchten Damen".



Image
Ring: Diamant Platin



Sie sind international als Schmuckdesigner anerkannt. Gibt es Aufträge die für Sie ländertypisch sind?

TH: Ich bewege mich nicht in nationalen Schemas. Ich mache keinen Schmuck für Völker. Zu mir kommen nicht "die Russen" oder "die Chinesen". Zu mir kommen Menschen natürlich mit unterschiedlich uniformierten kulturellen Hintergründen, aber vordergründig mit individuellen Ansprüchen und Vorstellungen. Diese gilt es zu treffen. Bei ländertypischen Zuordnungen spielt man mit Stereotypen. Das verstellt die Sicht, das steht schnell im Weg.


Sie designen die Schmuckstücke für Ihre Kunden individuell. Kommen diese bei Ihnen im Atelier vorbei oder besuchen Sie diese Kunden vor Ort?

TH: Also ich designe Schmuckstücke nicht nur, ich realisiere sie auch. Ich sehe mich grundsätzlich mehr als Schmuckmacher, denn als Schmuckdesigner. Im Anfang ist es wesentlich, dass ich mir von der zukünftigen Trägerin bzw. dem Träger ein Bild mache. Es gilt zu erfassen was Personen bewegt, sie ausmacht, ihnen Freude macht – wie sie ticken. Es ist zielführender einen Ring für eine Hand zu machen, die ich gesehen habe oder Ohrringe für eine Frau, von der ich eine Ahnung habe wie sie sich bewegt. Das erfahre ich durch eine persönliche Begegnung mit dem Beschenkten oder durch die Schilderungen des Schenkenden. Dazu folge ich gerne der Einladung des Kunden in sein privates Umfeld oder zu einem persönlichen Treffen auf "neutralem Boden". Hinter den "heiligen Mauern" meines Ateliers allerdings wird gearbeitet, da pflege ich keine Kundenempfänge.
Meine Aufgabe ist also in einem ersten Treffen den Wunsch des Kunden zu ermitteln und der Übersetzung desselben in ein Schmuckstück. Manche Kunden haben sehr präzise Vorstellungen und wissen klar was sie wollen, die meisten jedoch brauchen Unterstützung darin eine Vorstellung zu formulieren. Dies geschieht mittels drei Entwürfen als Vorleistung und Kommunikationsbasis beim Folgetermin. Jener, der trifft wird weiterentwickelt und je nach Komplexität mit dem Kunden ausgeführt.



Image



Wie lange arbeiten Sie an einem Schmuckstück oder anders gefragt: Wie lange arbeitet es in Ihnen?

TH: Der Unterschied liegt einmal darin ob es sich um ein Unikat handelt, das erst entwickelt werden muss oder um ein Stück aus meinen, zum Teil modular basierten Kollektionen. Deren Design steht zwar, kann aber auf Grund dessen Versatilität entsprechend des Kundenwunsches passend gefertigt werden. Hierbei geht es um Material -und Edelsteinwünsche und insbesondere um die Abstimmung der Proportionen des Schmuckstücks auf die Anatomie des Kunden. Es gibt Arbeiten, die sich in wenigen Stunden realisieren lassen und andere für die man Monate und ja auch Jahre vorsehen muss. Ich erinnere mich, in Paris habe ich mehrmals an verschiedenen Objets d‘Art zwischen 6 und 8 Monaten gearbeitet, in New York zwei Jahre an einem Rubin Diamant Collier. Andere Projekte bleiben dann auch in den Laden liegen und müssen aufgeschoben oder schlimmer unterbrochen werden bis die Natur die "Betriebsmittel" herausrückt; manchmal muss man sich die Steine mit Ausdauer und Geduld auf der ganzen Welt zusammen tragen oder darauf warten bis ein Korallenfischer aus Torre del Greco anruft und sagt: ich glaube, ich habe was ihr sucht.


Schmuck für Männer erfreut sich wachsender Nachfrage. Wer sind für Sie die "schwierigeren Kunden": Männer oder Frauen und warum?

TH: Wieder kommt es auf das Individuum an und es ist wie immer wenig gültig zu verallgemeinern. Tendenziell jedoch, kommen Frauen schneller zum Punkt und Männer brauchen hier länger. Männer lassen sich gern in die Entwicklung einer Arbeit hineinziehen und finden Freude darin. Frauen wissen oft konkreter was sie sich wünschen. Das ist hilfreich und beschleunigt den Prozess anfänglich enorm. Dafür sind Frauen dann vielleicht etwas ungeduldiger. Also am ehesten gibt es Rhythmusunterschiede, diachrone Momenta bei den Geschlechtern.



Image



Sie haben für die ganz Großen der Branche gearbeitet: Cartier, Boucheron, Tiffany und Chaumet. Im Auftrag von Calvin Klein oder Donna Karan haben Sie Schmuck und Accessoires entwickelt. Haben Sie diesen Trend zum Schmuck für Männer kommen sehen und wie äußert sich dieser?

TH: Das mit den Trends und dem Erkennen derselben ist so eine Sache. Auch sind "künstlerische" Fünfjahrespläne in der Modeindustrie eher selten. Designer justieren ihre Sensorik auf Bedürfnisse und Befindlichkeiten gesellschaftlicher Veränderungen. Sie setzen Trends nicht wirklich, sondern bemerken sie zuerst. Gute Designer definieren diese Trends indem sie soziokulturelle Dynamiken einer Gesellschaft diagnostizieren, sie aufnehmen und in Formen- und Farbensprache übersetzen. Lustigerweise war meine allererste Kollektion 1998 in New York tatsächlich für Männer. Das bedeutete allerdings damals eine Konzentration auf nur knapp zehn Prozent des Schmuckmarktes. Eine fragwürdige Wahl, wenn einem an der Wahrnehmung des gesamten Schmuckpublikums liegt. Die Uhr war gewöhnlich das einzig legitime Schmuckstück für den Mann. Der Rest des Angebots ließ den Mann mit Schmuck schnell lächerlich aussehen. Das hat sich gewandelt, mehr und mehr Designer nehmen sich dem Thema an, das Marktvolumen liegt mittlerweile bei zwanzig Prozent und wird weiter steigen.


Welchen Auftrag wünschen Sie sich für die Zukunft? Gibt es einen "Traumauftrag"?

TH: Allgemein wünsche ich mir Aufträge mit hohem Anspruch an der Qualität im Schmuck. Mit Ansprüchen die in der Kleidungsindustrie selbstverständlich sind. Kein Mensch nimmt es mehr hin, dass sein maßgeschneidertes Kostüm zwickt, kratzt oder sonst nicht passt. Beim Schmuck ist dieser Anspruch leider nicht selbstverständlich. Kunden kaufen um ein Vermögen Diamant Ohrstecker die vom Ohr kippen oder sonst in einem ungünstigen Winkel zum Gesicht stehen, Armbänder die klimpern, Colliers die schnüren und tragen Ringe an Fingern die nie dafür vorgesehen waren. "Der Kunde sieht’s eh nicht", darf nicht die Kardinalmaxime hinter vorgehaltener Hand bleiben...
Zum "Traumauftrag" fällt mir aktuell ein: Ein Freund von mir sagt, wenn er sich neu verliebt, dann wünscht er sich eine Arbeit von mir. Auf diesen Auftrag freue ich mich.


www.atelierallure.com



Text: Rainer Hawlik lebt als Autor und Copywriter in Wien und fungiert als Textchef bei AUSTRIANFASHION.NET

Alle Bilder beigestellt
Startbild: Ohrringe, Diamant/Smaragd Platin






Bookmark this page!
bookmarks.ag del.icio.us Digg.com Facebook Furl Google Live Slashdot SOFTigg StumbleUpon Technorati Mister Wong Yahoo Yigg



  Be first to comment this article
RSS comments

Write Comment
  • Please keep the topic of messages relevant to the subject of the article.
  • Personal verbal attacks will be deleted.
  • Please don't use comments to plug your web site. Such material will be removed.
  • Just ensure to *Refresh* your browser for a new security code to be displayed prior to clicking on the 'Send' button.
  • Keep in mind that the above process only applies if you simply entered the wrong security code.
Name:
Comment:

Code:* Code