Search
NEWSLETTER SIGN UP

CONTRIBUTE
Keep us informed about your current projects in Austria and beyond,
your group initiatives, collaborations, networks and research.
We welcome your contributions!

  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
>   

 


Print

send link
Körper in Kostümen

Image
Ute Neuber über ihr Schaffen und ihre aktuelle Performance 


Wenn Ute Neuber von ihren Arbeiten spricht, tut sie das ohne Wenn und Aber und mit ansteckender Begeisterung. Sie stellt sich, die Kleidung und deren Verwandlung im Rahmen ihrer Performances zur Diskussion oder verzaubert mit der unkonventionellen Inszenierung von Kostümen.

Ebendies spiegelt auch der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 31.Oktober 2011 im Theatermuseum Wien zu sehen ist: “Verkleiden, Verwandeln, Verführen”. Die Ausstellung zeigt Bühnenkostüme aus der Sammlung des Österreichischen Theatermuseums – einigen von ihnen hat Ute Neuber mit Einfühlungsvermögen und handwerklichem Geschick neuen Atem eingehaucht.

Image
Ute Neuber und ein "auf Sicht" gebauter Assistenzkörper 

Auf den ersten Blick ist Ute Neuber eine zierliche aber überaus präsente Person, der es leicht fällt, das Gegenüber für ihre Sache zu begeistern. Sie hat extra für das Gespräch auf einem Tisch am Fenster einige Stoffe drapiert - Kleiderbausätze sind es, wie sich später herausstellen wird. Daneben steht eine Assistenzpuppe, die im Gegensatz zu Neubers anderen Kostümkörpern, die unter dem jeweiligen Kostüm verschwinden, "auf Sicht" gebaut ist, denn sie ist selbst Teil der Performance "Kleiderbausatz", die am 5. Mai 2011 im Theatermuseum Wien stattfinden wird.

Image
Kleiderbausatz

Zehn Jahren ist es her, als Ute Neuber erstmalig vom Kurator Christian Sturm für eine Ausstellung im Theatermuseum damit beauftragt wurde, Bewegung in die üblicherweise statische Darstellung von Kostümen zu bringen. "Ich werde von Ausstellungsarchitekten beauftragt, wenn die Kostümkörper nicht statisch aufgespießt, wie auf einer Schneiderpuppe stehen sollen, sondern weil eine Bewegungsdynamik gewünscht wird.", sagt Neuber. Denn Ute Neuber weiß um das Geheimnis, die Kostüme zum Leben zu erwecken. Sie ließ das Walzerpaar in der Strauss-Ausstellung übers Parkett schweben und die Tutus aus Schwanensee zur Erinnerung an Rudolf Nurejev in den Vitrinen tanzen.

Image
Kleiderbausätze

Ute Neuber baut Körper in Kostüme und lässt diese wie agierende Personen den Raum einnehmen. Anfangs schwebten Neubers Kostümkörper hängend im Raum, für die aktuelle Ausstellung des Theatermuseums hat sie erstmalig die Materialien Braunpappe und Schaumstoff mit Aludraht verstärkt, um auch schweren Kostümen Halt zu geben. Denn es gilt: Je dichter das Gerüst, desto stabiler ist der Körperbau. Die Arbeit beginnt im Kostüm mit der Anpassung eines Taillenreifs, es folgen Schulterstreifen und Querverbindungen entsprechend der eingetragenen Form des Kleidungsstücks. Das daraus entstehende Gerüst wird mit Schaumstoff gefüttert und ist letztendlich für den Betrachter unsichtbar.

Image
"Schwanensee", Wiener Staatsoper, 1964, Siegfried Rudolf Nureyev (Siegfried) und Odile Margot Fonteyn (Odette)

Der Körperbau und die Kostümprobe geschehen parallel zueinander. Dafür passt Ute Neuber immer wieder den Körper in das Kostüm ein und feilt an den Details. "Ich baue den Körper in das Kostüm hinein, den ich aus dem Kostüm herauslese," erklärt Neuber. Auf diese Weise erspürt sie den Körper des Schauspielers, auf dessen Form das Kostüm ursprünglich maßgeschneidert wurde. "Ein Kostüm transportiert immer die Zeit, in der es spielen soll und die Zeit, in der es tatsächlich spielt, denn der zeitgenössischen Silhouette kann sich kein Kostümbildner entziehen," fügt sie ergänzend hinzu.

Image
"Der Schwierige", Inszenierung Salzburger Festspiele 1991, Kostüme: Karl Lagerfeld; Figur: Statistenrolle Mädchen

Ute Neuber spricht ausführlich und bildhaft über ihr umfangreiches Schaffen, das sich über zwanzig Jahre erstreckt und sich in ihrer künstlerischen Arbeit zu einem großen Ganzen fügt. Intuitiv bewegt sie sich stets auf experimentellem Terrain. Dabei bietet ihr die handwerkliche Ausbildung die Basis, um sich leichtfüssig in unkonventionelle Höhen aufzuschwingen: "Dem experimentellen Tun waren in der Goldschmiederei eindeutig Grenzen gesetzt. Von meinem damaligen Blickwinkel nicht weiter interessant, war es jedoch eine gute handwerkliche Grundlage, die ich mir so sicher nicht selber ausgesucht hätte," resümiert Neuber ihre erste Ausbildung. Es folgten Einblicke in das Modistenhandwerk an der Modeschule in Hetzendorf und einige Semester im Bereich Produktgestaltung Metall an der Universität für Angewandte Kunst, wo sie heute in der Lehre tätig ist.

Image
"Der Rosenkavalier", Wien 1911, Kostüme nach Entwürfen von Alfred Roller; Figuren: Sophie, Baron Ochs v. Lerchenau, Herr v. Faninal

"Während meiner Studienzeit an der Angewandten bildete sich ein ständiger Dialog im Finden von Vereinbarungen zwischen mir und den gestellten Anforderungen," so Neuber. Dies überträgt sie nun selbst als Pädagogin in der Textilklasse: "Es ist mir wichtig, die Diskussion zu suchen, denn es geht immer um Angebote - wieso wird etwas formuliert, was steckt für ein Inhalt dahinter und die Suche nach einer besseren Antwort auf die Inhalte. Da fängt für mich die Vermittlung an."

Diese Haltung spiegelt sich in Neubers künstlerischer Arbeit wider. Ihr Erfahrungsbereich baut sich im Umgang mit Material und prozesshaftem, körperlichen Erleben auf: "Mein Blick und das Sich- Selbst-Beobachtende hat immer einen Platz in meiner Arbeit.” erkennt sie, "Mittlerweile bin ich auf einem Stand, wo es darum geht, was ich erfahre und beobachte und das unmittelbar zu vermitteln."

Image
"Der Schwierige", Inszenierung Salzburger Festspiele 1991, Kostüme: Karl Lagerfeld. Figuren: Hans Karl Bühl (Karlhein Hackl),  Helene Altenwyl (Julia Stemberger) und Mädchen (Statistenrolle)


Dabei steht für Neuber die Erschaffung von Zugängen für die Betrachter im Vordergrund. "Da das materielle Umsetzen für mich sehr wichtig ist, habe ich die Erfahrung, dass über das Material der Reiz und die Neugier größer werden, als direkt eine ablehnende Haltung einzunehmen.", sagt Neuber.

Image
Assistenzkörper "auf Sicht gebaut"

Auch die anstehende Performance "Kleiderbausatz" im Theatermuseum Wien schließt sich hier an. Im Rahmen der Performance am 5. Mai 2011 wird Ute Neuber ein Rokoko-Kostüm verfremden, in Einzelteile zerlegen und diese "Kleiderbausätze" am eigenen Körper zu etwas Neuen zusammensetzen. Sie wird Prozesse sichtbar machen die im Theater hinter den Kulissen stattfinden oder im Privaten von jedem Einzelnen persönlich ausgehandelt werden: "Im Umgang mit sich selbst und Bekleidung weiß der Einzelne sehr viel - man hat sein Repertoire, seine Flexibilität und seine Kenntnis, auch wenn man deswegen nicht als Fachmann bezeichnet wird.", analysiert Neuber, "Diese Kenntnis weitet man auch auf andere aus - man checkt andere ab und denkt sich seinen Teil dazu. Ich trete in einen Dialog mit dem Erkenntnisvermögen jedes Einzelnen und mache Angebote in Bezug auf das Thema Kleidung und unseren Umgang damit, um zu erforschen, ob es eine bessere Antwort gibt und diese zu verhandeln."




Text & Bilder: Carmen Rüter lebt in Wien und schreibt ihren beliebten Blog m.e.t.r.o.n.o.m. 


KLEIDERBAUSATZ*
Performance von Ute Neuber
am 5. Mai 2011 um 19.30h

Image



Bookmark this page!
bookmarks.ag del.icio.us Digg.com Facebook Furl Google Live Slashdot SOFTigg StumbleUpon Technorati Mister Wong Yahoo Yigg



  Be first to comment this article
RSS comments

Write Comment
  • Please keep the topic of messages relevant to the subject of the article.
  • Personal verbal attacks will be deleted.
  • Please don't use comments to plug your web site. Such material will be removed.
  • Just ensure to *Refresh* your browser for a new security code to be displayed prior to clicking on the 'Send' button.
  • Keep in mind that the above process only applies if you simply entered the wrong security code.
Name:
Comment:

Code:* Code