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Die Plantaschenpioniere

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FREITAG Taschen: Der neueste Coup 

 


Von der praktischen Tasche aus gebrauchten LKW-Planen zum Designobjekt:
Die Taschen und Accessoires der Schweizer Marke FREITAG sind mittlerweile begehrte Lifestyle-Produkte.
Anne Feldkamp hat sich für AUSTRIANFASHION.NET die neue Produktionsstätte des Schweizer Taschenherstellers FREITAG in Zürich genauer angesehen.


Eine große luftige Halle im neu errichteten Gewerbehaus Noerd in Zürichs Stadtteil Oerlikon, dem letzten echten Industriequartier der Stadt. Die Brüder Daniel und Markus Freitag, die man besten Gewissens als so was wie die Schweizer Planentaschenpioniere bezeichnen kann, haben zum Rundgang durch die neue Produktionsstätte geladen: Zwischen meterhohen, mit Planen befüllten Regalen werden zur Ankunft Hörnlinudeln mit Apfelmus serviert – das Brüderpaar ist endgültig sesshaft geworden.

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Daniel und Markus Freitag, ©Roland Tännler

Statt der alten Maag-Zahnradfabrik neben dem neu errichteten Prime Tower in Zürichs Westen, nun also ein Neubau in der Industriebrache. Das bedeutet erst einmal mehr Platz, kann aber als ein neuerliches Bekenntnis zum Produktionsstandort Zürich bezeichnet werden.
Zwar habe man eigentlich wieder eine leer stehende Fabrikhalle gesucht, aber: „Zürich ist aufgeräumt, saniert und teuer. Wir hätten dafür die Stadt verlassen und nach Winterthur gehen müssen - was wir nicht wollten. So entstand die Idee, ein Gewerbehaus der anderen Art selber zu bauen.“

Am neuen Standort fühlen sich die Freitags sichtlich wohl. „Zürich hat sich zum Dienstleistungsplatz gewandelt, wir hingegen betreiben eine Manufaktur und fühlen uns dem bodenständigen Gewerbe verbunden.“ Dementsprechend spannend findet Markus Freitag die neue Nachbarschaft. Während nämlich die eine Hälfte des Gebäudes von Freitag genutzt wird, teilt sich die andere die Agentur Aroma mit Vertretern der Kreativ-Szene.
Die Entscheidung für den Neubau scheint sich immerhin gelohnt zu haben: Auf nunmehr 7500 Quadratmetern entwickeln, fertigen und lagern die Freitags ihr Rohmaterial, Berge von gebrauchten LKW-Planen, nach Farben sortiert. Nackter Recycling-Beton knüpft an den alten Standort Zahnradfabrik an, hier trifft Industriecharme auf sorgsam inszeniertes Regionalbewusstsein.

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Gebrauchte LKW-Planen, ©Roland Tännler

Und ganz nebenbei spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in der Freitag-Fabrik: An allen Ecken und Enden spart man an Wärme, Wasser und Energie. Die Zürcher Architekten Anette Spillmann und Harald Echsle, die bereits den aus Containern bestehenden Flagshipstore in Zürich entwickelt haben, waren diesmal für den Innenausbau verantwortlich, das Gesamtkonzept entwickelte der Winterthurer Architekt Beat Rothen. Während internationale Modelabels wie Prada Prestigebauten von internationalen Architektenstars bauen lassen, sagt Markus Freitag: „Wir nennen gerne die Namen unserer Architekten, aber sie stellen sich, wie wir, eigentlich lieber hinter das Produkt. Wir brauchen ein Gegenüber, das sich nicht nur selber verwirklichen möchte, sondern uns hilft, unsere Identität zu finden.“

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Biopoint in der neuen Produktionsstätte, ©Roland Tännler

Anette Spillmann und Harald Echsle habe man als Nachbarn auf dem alten Fabrikareal kennen gelernt und zu ihnen eine Beziehung aufgebaut. So etwas scheint den Freitag-Brüdern Daniel und Markus generell wichtig zu sein. Während des Rundganges durch das neue Haus wird auf langjährige Mitarbeiter und deren Kompetenzen verwiesen. Nebenbei verstehen sie, sich und ihre Taschen zu verkaufen und beweisen dabei einen langen Atem.
1993 begannen die beiden Grafikdesigner aus der eigenen Wohnung heraus Taschen zu entwickeln, die praktisch genug zum Fahrradfahren sind. Mittlerweile hat man sich zu einem überschaubaren Planentaschenimperium entwickelt, zuletzt wurden Flagshipstores in Wien und New York eröffnet, demnächst ist Tokio an der Reihe.

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Freitag Flagshipstore, Neubaugasse 26, Wien ©Mahir Siddgi

Zur Expansionsstrategie des Unternehmens gesellt sich der richtige Riecher der beiden Macher für den Zeitgeist. Die Idee mit der Umhängetasche aus Planenmaterial wurde schließlich vielfach adaptiert, vielleicht ein Grund dafür, dass das Freitag-Konzept nicht stehen geblieben ist:
Seit 2010 gibt es für die erwachsenere Klientel schickere, cleanere und teurere Taschenmodelle. Die Reference Bags haben mit den bunten Umhängetaschen nur mehr das Ausgangsmaterial gemein. Gleichzeitig wird eine kaufkräftige Klientel anvisiert: im Frühjahr präsentierte Freitag die Reference Bags im Mailänder Concept Store Corso Como neben internationalen Modelabels.

Doch warum sind die Taschen denn nun trotz zunehmender Konkurrenz in den letzten Jahren noch immer so erfolgreich? Markus Freitag sucht nach Erklärungen: „Hinter den Taschen versteckt sich eine Haltung. Die Kunden bekennen sich damit zu einem bestimmten Stil, einer Lebenseinstellung. Das ist wohl der Grund, warum uns viele Leute als Kunden lange treu bleiben und diese Werte in ihr jeweiliges Umfeld weiter tragen.“ Hinzu komme, dass die Planentasche zu jeder Zeit ihre Berechtigung gehabt habe: „In den 90ern gab es diese Recyclingbewegung, aus der wir kommen, wir stillen das Bedürfnis nach Unikaten, die im echten Used-Look daherkommen.“ Hier wird tatsächlich nichts auf gebraucht getrimmt, was nicht in Gebrauch war.

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links: The Back-to-School Backpack, rechts: FREITAG Diary, ©Peter Würmli

Die alten LKW-Planen sind das A und O im Hause Freitag und deren Beschaffung einem ausgeklügelten System unterworfen. Besondere Herausforderung ist dabei, seltene Farben aufzuspüren. Nach der Lieferung werden die Planen nach Farben sortiert, von Ösen befreit und im Keller in riesigen Waschmaschinen mit dem zuvor aufgefangenen Regenwasser gereinigt.
Der Zuschnitt erfolgt je nach Modell im Gewerbehaus, genäht werden die Taschen zwar auswärts in Portugal, Frankreich, Spanien und Tunesien, die Tasche wird nichtsdestotrotz als Schweizer Qualitätsprodukt verstanden: Jeroen van Rooijen, Stilexperte der neuen Zürcher Zeitung, bezeichnete sie vor einigen Jahren als „eine der großartigen Erfindungen dieses Landes, praktisch und universell wie das Schweizer Taschenmesser.“ Genauso stand die Planentasche aber auch „immer wieder mal auf der in- und out-Liste“, bemerkt Markus Freitag und grinst gelassen. Denn von solchen Meldungen lassen sich die beiden Brüder sicherlich nicht aus der Ruhe bringen.  


www.freitag.ch

 

Text: Anne Feldkamp lebt als Modejournalistin und Kunsthistorikerin in Wien. Mehr zu lesen von ihr gibt es auf ihrem Modeblog Blica.

Startbild: @Roland Tännler



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