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Verwischte Grenzen

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Über die Ausstellung Petar Petrov. Maßanfertigung



Die Kunsthalle Wien thematisiert das Thema Mode im Herbst in drei Ausstellungen. Im Project Space, dem urbanen Schaufenster der Kunsthalle Wien am Karlsplatz, ist bis zum 3. Dezember eine Arbeit des Modedesigners Petar Petrov zu sehen.
AUSTRIANFASHION.NET hat sich mit Petar Petrov und dem Industriedesigner Tino Valentinitsch über die Installation unterhalten.


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© Christoph Pirnbacher


In der Ausstellung Petar Petrov. Maßanfertigung, setzt sich der Modedesigner Petar Petrov nicht mit der Mode allein auseinander, vielmehr wird hier mit den Grenzen von Räumlichkeit experimentiert. "Es war mein Hauptanliegen, nicht konkret mit Mode zu arbeiten, sondern das Ganze in eine andere Richtung zu drehen", beschreibt Petrov seinen Ansatz, der gemeinsam mit der Musikerin Anja Plaschg (Soap&Skin) und dem Industriedesigner Tino Valentinitsch im Project Space der Kunsthalle Wien umgesetzt wurde.

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© Christoph Pirnbacher

Ausgehend von der Grundidee, einen Raum im Raum zu entwerfen, beschreibt Petrov die Installation als "(...) einen atmenden Raum, in dem sich abhängig vom Verhalten der Besucher die Situation durch den Einsatz von Musik und Licht verändert."
Betritt man den abgedunkelten Project Space, fällt der Blick unmittelbar auf ein ausgeleuchtetes Ensemble bestehend aus Mobiliar und Kleidungsstücken und einer Videoprojektion: ein Bett, ein Hocker mit Schreibfläche, eine Kleiderstange, ein anthrazitgrauer Leinenanzug, ein schwarzes Paar klassische Herrenschuhe.
Inspiriert von Elementen aus dem Modebereich und der Fotografie wurde ein Display-System entwickelt. Ein Stativkopf diente als Basis für den Entwurf eines Kleiderbügels, der "(...) in einer Kombination aus Handwerk und Technologie hergestellt wurde. Virtuell generiert und in späterer Folge vom österreichischen Design-Doyen Carl Auböck abgegossen und mit hartgeschäumten Teilen kombiniert", erklärt Tino Valentinitsch, der als Industrie-Designer für international anerkannten Modehäuser arbeitet.

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Die Installation weist alle wesentlichen Elemte einer Modepräsentation auf: Musik und Kleidung kommen hier zusammen, es gibt ein Bühnenbild und die Besucher tragen zum Erlebnischarakter bei. Petrov ist sich offenbar der Relevanz der Präsentation, des Kontextes und der passenden Szenerie für den Erfolg seines Labels bewusst - geht es doch längst nicht mehr um die schlichte Präsentation von Mode: Jede Kollektion verlangt nach einer passenden Inszenierung.
Auf internationalem Parkett beeindrucken beispielsweise die opulenten Inszenierungen von Chanel in Paris, haben sie sich doch durch das Zusammenspiel der exklusiven Kulisse, perfekt arrangiertem Sound und entsprechender Choreographie ins Gedächtnis eingeprägt. Ein derartig stimmiges Arrangement erzeugt eine außergewöhnliche Atmosphäre, um die Idee der Kollektion und die Philosophie des Labels zu transportieren und für Einkäufer, Presse und Endkunden attraktiv zu machen.


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Eine gelungene Inszenierung hängt unmittelbar mit der Räumlichkeit zusammen. Diese definiert sich als geometrischer Raum mit einem gewissen Grundriss und Volumen, ist aber als performativer Raum aufzufassen, sobald dort Handlungen oder Interaktionen geschehen. Im Project Space experimentiert Petrov mit dem performativen Element:
Die Bewegungen im Raum werden direkt erfahrbar, wenn sich sowohl die Lichtverhältnisse als auch der Soundteppich verändern. Je näher man an das Ensemble herantritt, umso sensationeller werden die akustischen und visuellen Effekte. "Dabei möchte ich mich in meiner Arbeit nicht auf eine Aussage festlegen. Die betrachtende Person soll selber ihre Schlüsse ziehen", sagt Petrov. Die Art, wie sich die Besucher im Raum bewegen, hat somit auch Auswirkungen auf die Raumerfahrung aller anderen, sich im Raum befindlichen Personen und  "(...) hängt mit den Bereichen, in denen man sich bewegt, zusammen. Zurückhaltende Besucher, die lieber aus der Distanz schauen, werden die Situation anders erleben, als neugierige Menschen, die ganz nah herankommen."

Die Installation spielt mit der Atmosphäre, die als Eigenschaft des Raumes zwar nicht an einen Ort gebunden, aber dennoch räumlich bestimmt ist. Sie ist das erste, was ein Betrachter beim Betreten wahrnimmt. "Wir haben einen Raum geschaffen, der eigentlich überall sein könnte", beschreibt Petrov die Situation, die er als "kalt, trocken und unheimlich" arrangiert wissen möchte.

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Ebenso bestimmend, wie die Form und Materialität für die Atmosphäre eines Raums sind, vermögen auch Laute, Klänge oder Musik ein atmosphärisches Wirkpotential zu entfalten. Sie vermitteln das Raumgefühl, denn unser Gleichgewichtssinn sitzt im Ohr.
"Anja Plaschg hat verschiedene Klangfragmente beigetragen, auch aus ihrem neuen Album. Man kann sich verschiedene Tonspuren vorstellen, die sowohl gleichzeitig hörbar sein können aber auch einzeln", schildert Petrov.
In Petrovs Installation wird der Betrachter zum Akteur auf der Bühne, bespielt sie und wird gleichzeitig selbst zum betrachteten Objekt. Dafür sorgt ein Live-Stream, der ganz im Sinn einer Erweiterung, auch den virtuellen Raum bespielt. "Wir haben ständig neue Ideen zu interaktiven Gestaltungsmöglichkeiten entwickelt", beschreibt Petrov,"auch der Einsatz von zeitgenössischen Mitteln stand im Vordergrund. Anstelle eines konventionellen Katalogs haben wir jetzt eine Homepage mit Live-Stream."

Betrachtet man Mode nicht nur als Gebrauchsgegenstand, sondern als Kommunikationsmittel, so sind an ihr auch immer gesellschaftliche Strömungen ablesbar. Die Installation spiegelt nicht nur den allgegenwärtigen Interaktionsgedanken, der sich bereits mit dem Aufkommen des Web 2.0. etablierte und sich in Projekten zur Mitbestimmung im modischen Entwurf erfolgreich durchgesetzt hat, sondern auch ein Raumverständnis, das sich von der traditionellen Auffassung eines Raums als Behälter und Naturgegebenheit löst und zu einem Verständnis von Raum als Resultat und Bedingung sozialer Prozesse wandelt.

Text und Fotos (wenn nicht anders angegeben): Carmen Rüter




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  Comments (1)
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Written by michaela, on 13-11-11 23:32
danke für die hintergrund-infos, war beim opening und danach noch ein zweites mal und fand die installation zwar gut produziert aber ansonsten fad. böse zungen könnten behaupten, das sei als kunst getarnte pr.

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