Search
NEWSLETTER SIGN UP

CONTRIBUTE
Keep us informed about your current projects in Austria and beyond,
your group initiatives, collaborations, networks and research.
We welcome your contributions!

  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
>   

 


Print

send link
Mehr als Mode

Image
Österreichische Fotografinnen im Visier



Der Traum vieler junger Kreativer ist es, sich auf internationalem Parkett zu behaupten. AUSTRIANFASHION.NET hat vier talentierte österreichische Fotografinnen getroffen, deren Namen längst über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind.

 
„Mancher denkt vielleicht, da ich selbst als Model gearbeitet habe und oft - aber nicht ausschließlich - Models fotografiere, die ich kenne, dass es mir darum geht, ein paar mehr oder weniger private Schnappschüsse zu machen, die möglichst authentisch und persönlich sind. Das ist ein Missverständnis.“ Hanna Putz, in London lebende Fotografin, räumt gleich mal mit Klischees auf: Die Fotografien, die sie macht, kämen nicht einfach zufällig durch eine nahe Beziehung und ein entspanntes Verhältnis zu den Modellen zustande. „Es geht schon um ein bewusst herbeigeführtes Gestalten von Bildern.“

Image
Ich habe keine Zeit , 2009, Colour Pigment Print, Mounted on aluminium backing
50 x 70 cm, Edition: 6 + 3 A.P. © Hanna Putz


Image
Untitled (a.m. 1), 2011, Colour Pigment Print, Mounted on aluminium backing
50 x 70 cm, Edition: 6 + 3 A.P. © Hanna Putz


Die Bilder der 1987 in Wien geborenen Fotografin haben dennoch etwas Beiläufiges, ob sie nun ein junges Paar mit Kleinkind – der Mann bekleidet und dem Kind zugewandt, die Frau nackt - oder aber einen unbekleideten weiblichen Körper im Hotelzimmerambiente inszeniert. Diese beiden Arbeiten sind noch bis 22.Jänner in der Kunsthalle Wien in der Ausstellung „No fashion, please!“ zu sehen, deren Kurator Peter Weiermair attestiert der dort gezeigten Modefotografie, wie der einer Hanna Putz, grenzüberschreitende Tendenzen: „Es geht um Akt, es geht um Portrait, die Mode, die Bekleidung spielt oft keine Rolle.“ Die Arbeiten, die Hanna Putz wiederum schätzt, nämlich die von Roni Horn, Philip Lorca Di Corcia, Taryn Simon oder Rineke Dijkstra, sind ebenfalls im Kunstbetrieb präsent. Ihre eigenen Erfahrungen im Modebusiness als Model möchte die Fotografin aber nicht missen: „Es ist von Vorteil zu wissen, wie es sich anfühlt, vor der Kamera zu stehen, wenn man jemanden fotografiert“, sagt sie. Außerdem sammele man Erfahrungen, wie die Arbeit im Team funktioniere und welche Dinge man bei einer Arbeit für ein Modemagazin, im Gegensatz zu persönlichen Arbeiten, beachten müsse.



Image
Mädchenportrai, 2011 © Nicole Maria Winkler

Nicole Maria Winkler, die in London am London College of Fashion Modefotografie studiert hat, sagt über sich: „Ich bin keiner dieser Fotografen, die Privatleben und Arbeit wirklich mixen. Ich denke eher in Ideen und Projekten, habe nicht jeden Tag meine Kamera überall mit.“ Obwohl sie im Moment fast ausschließlich an Modeprojekten arbeitet, bezeichnet sich die 24jährige Niederösterreicherin nicht als reine Modefotografin.

Image
Männerportrait für TANK Magazine, Volume 7, Issue 3 (aktuelle Ausgabe), 2011
© Nicole Maria Winkler

Über ihre Fotoarbeiten meint sie: „Ich fotografiere analog und digital, in meiner Arbeit ist mir eine gewisse Natürlichkeit wichtig. Ich mag keine über-retouchierten Bilder. Die Lichtsetzung soll genau und gut sein, dann muss danach nicht stundenlang in Photoshop aufgeräumt werden.“ In Wien ist sie ab und zu, um Shootings zu machen, mit ihrer Wahlheimat London hingegen verbindet sie „eine gewisse Hass-Liebe“: „Natürlich beeinflusst die Stadt meinen Stil, es gibt so viele gute Leute, mit denen man hier zusammenarbeiten kann. Der Markt ist groß, die Konkurrenz aber auch.“ Ihre persönliche Präferenz, die Modefotografie betreffend: „Ich mag Modefotografie, bei der die Kleider nicht oberste Priorität sind. Ich finde Mode gut, aber mindestens genauso interessant finde ich Casting, Konzept und Location.“ Auftragsarbeiten seien immer Kompromisse, freie Arbeiten hingegen dazu da, neue Dinge zu versuchen.




Image
Valeria, 2011 © Rosa Rendl

Rosa Rendl zog es nach ihrem Studium in Hetzendorf zum Master in Modefotografie ebenfalls in die englische Hauptstadt an der Themse: „Es war ein ganz natürlicher Schritt für mich weiter zu ziehen, da ich das Gefühl hatte, in Wien an Grenzen zu stoßen.“ Zum Fotografieren kommt sie aber gerne zurück: „Mit dem Abstand wurde mir auch bewusst, dass Wien vieles bieten kann, was in London nicht verfügbar ist.“

Image
Untitled, 2011 © Rosa Rendl

Als Modefotografin bezeichnet sie sich nicht, obwohl ihr Medium die Fotografie ist und die, so gut wie immer, die Mode zum Inhalt hat: „Ich mag den Begriff trotzdem nicht besonders gerne. Vermutlich deshalb weil es andere Variabeln - wie Komposition, Farbe, der abgebildete Mensch und die von ihm vermittelte Emotion - sind, die das Foto meiner Ansicht nach ausdrucksstark und wertvoll machen.“ Ihren Stil zu beschreiben, findet sie schwer: „Jemand hat meine Fotos einmal als klaustrophobisch bezeichnet, damit kann ich mich identifizieren. Klaustrophob wahrscheinlich im Sinne von in-sich-selbst-gefangen-sein. Ich glaube das trifft auf den Ausdruck vieler der Models in meinen Bildern zu.“ Bewundernswert findet sie einen Fotografen wie Walter Pfeiffer, der mit Mitte 60 immer noch Modefotografie macht: „So sehe ich mich auch, ich habe diese skurrile Vision, auch im hohen Alter noch Editorials zu fotografieren. Ich bin jetzt schon gespannt darauf, wie sich die Sichtweisen verändern werden.“




Image
**FINDINGS IN THE SPUME OF FORMER DAYS, Model: Ana Sofia Santos
Lissabon/Portugal
©Helga Traxler


Helga Traxler ist gerade erst aus New York, wo sie für den Stylisten John Tan Fotos gemacht hat, nach Linz zurückgekehrt. Hier will sie ihr Masterstudium in Fotografie abschließen, danach kann sie sich vorstellen, wieder nach New York zu gehen. Was sie dort gelernt hat?  „Egal ob Mann oder Frau, es ist schwer, sich im Modebusiness zu behaupten.“ Ihr Rezept, sich gegenüber der Konkurrenz zu halten: „Man muss seinen eigenen Stil haben, sich durchsetzen, darf nicht stehen bleiben – und Kontakte zu machen, ist natürlich auch nicht unwichtig.“ In ihrer aktuellen Bilderserie legt sie mehrere Bildebenen übereinander, ihre eigenen Portraits mit eingescannten Portraits aus Modemagazinen der 50er und 60er Jahre zum Beispiel: „Das Thema der Überlagerung bleibt für mich nach wie vor spannend, weil es einfach mehr zeigt als „nur die Oberfläche.“ Überhaupt ginge es ihr in ihren Bildern darum, die Story dahinter zu erzählen. Oder anders gesagt: „Ich will in meinen Bildern mehr als nur Mode, die verkauft werden soll, an einem Model arrangieren.“

Image
**FINDINGS IN THE SPUME OF FORMER DAYS, Model: Ana Sofia Santos
Lissabon/Portugal
©Helga Traxler



Damit könnte sie ebenso wie Putz, Winkler oder Rendl den Zeitgeist treffen. Der Kurator Peter Weiermair beobachtet zumindest eine Tendenz, die genuine Modefotografie zu transzendieren und „das hat auch mit der Auftragslage zu tun - in die Kunst zu wechseln.“


Text: Anne Feldkamp, Kunsthistorikerin. Mehr von ihr gibt es auf ihrem Blog Blica.




Bookmark this page!
bookmarks.ag del.icio.us Digg.com Facebook Furl Google Live Slashdot SOFTigg StumbleUpon Technorati Mister Wong Yahoo Yigg



  Comments (1)
RSS comments
Written by Inga, on 08-12-11 18:06
Liked Hannas pictures at Kunsthalle Wien so much. Silent and intense - in such a loud world.

Write Comment
  • Please keep the topic of messages relevant to the subject of the article.
  • Personal verbal attacks will be deleted.
  • Please don't use comments to plug your web site. Such material will be removed.
  • Just ensure to *Refresh* your browser for a new security code to be displayed prior to clicking on the 'Send' button.
  • Keep in mind that the above process only applies if you simply entered the wrong security code.
Name:
Comment:

Code:* Code