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Ride for a Change

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Die Clean Clothes Kampagne


Die Clean Clothes Kampagne (CKK) hat zehn internationale Unternehmen aus dem Bereich Boarderwear zur sozialen Nachhaltigkeit und den Produktionsbedingungen befragt. AUSTRIANFASHION.NET war beim Pressegespräch "Ride for a Change – für eine faire Produktion von Snow-, Skate-, und Surf-Bekleidung" vor Ort und berichtet über die Ergebnisse der Kampagne, die Situation in den asiatischen Zulieferbetrieben, mangelhafte Sozialstandards und Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Asien und Österreich.


Wenn das Weihnachtsgeschäft mit Sportartikeln auf Hochtouren läuft, wird gern vergessen, dass für die Herstellung sogenannter Boarderwear Menschen in Produktionsländern wie China, Indien und Vietnam ausgebeutet werden. Hungerlöhne, extreme Arbeitszeiten und gesundheitsschädliche Bedingungen sind nur einige der Missstände, die von der Clean Clothes Kampagne zum Anlass genommen wurden, mit der Aktion „Ride for a Change“ Bewusstsein zu schaffen.


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©Clean Clothes Kampagne


„230 Arbeitsstunden im Monat sind keine Seltenheit“, meinte die chinesische Arbeitsrechtsexpertin May Wong bei der Präsentation von „Ride for a Change“ am 24. November in Wien. Die langen Arbeitszeiten seien aber nur eines von vielen Schlüsselproblemen in den asiatischen Zulieferbetrieben, betonte Wong, die als Koordinatorin der NGO Globalization Monitor in Hong Kong und für die Asia Floor Wage Alliance tätig ist. „Die Menschen, die einen Großteil der Bekleidung nähen, der hier in den Geschäften landet, werden ausgebeutet. Sie arbeiten 14 bis 16 Stunden am Tag, denn nur so können sie genug verdienen, um irgendwie über die Runden zu kommen. In vielen Fabriken ist die Arbeit gesundheitsgefährdend, es gibt keinen Versicherungsschutz und oft nicht einmal einen Arbeitsvertrag“, kritisierte sie. Dadurch hätten die NäherInnen, vorwiegend Frauen, keine Möglichkeit sich zur Wehr zu setzen und sich auf ihre Rechte zu berufen. 


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©Markus Sepperer


Obwohl durch die Aufklärung von Globalization Monitor, die seit 1999 über die negativen Auswirkungen der Globalisierung informiert, und die Asia Floor Wage Alliance, einer Vernetzung von Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen in asiatischen Produktionsländern, schon einiges in Bewegung gekommen ist, sei das viel zu wenig. Deshalb müsse die Diskussion auch verstärkt in Europa laufen. „Wir fordern, dass internationale Unternehmen, die ihre Produktion nach China oder in andere asiatische Länder auslagern, den FabriksarbeiterInnen Existenz sichernde Löhne bezahlen und die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte May Wong. Die von der Asia Floor Wage Alliance neu berechneten asiatischen Grundlöhne für die Bekleidungsindustrie bei einer 48-Stunden-Arbeitswoche betragen beispielsweise für China EUR 191, für Indien EUR 121 und für Kambodscha EUR 115. Das sind Mindeststandards, um Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen, Gesundheitsvorsorge und Bildung für eine ganze Familie abzudecken.


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©Clean Clothes Kampagne


Doch jene, die für die Gewährleistung dieser Löhne und die Aufhebung der fortlaufenden Verletzung von Arbeitsrechten der Näherinnen direkt verantwortlich sind, nämlich die internationalen Markenfirmen, haben bisher kein Ohr gerührt. Nachdem die Clean Clothes Kampagne (CCK) im Rahmen einer mehrmonatigen Recherche zehn dieser namhaften Firmen – Billabong, Burton, Carhartt, DC Shoes, Etnies, Nikita, Nitro, O’Neill, Quicksilver und Rip Curl - hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung unter die Lupe genommen hat, liegen Ergebnisse vor, die erschüttern. Nicht nur, dass kein einziges Unternehmen auf die versandten Fragebögen und die folgende Nachfrage per Email reagiert hat, es zeigte sich, dass „das Thema soziale Unternehmensverantwortung noch überhaupt nicht in der Branche angekommen ist“, erklärte Alexander Pfeffer, CCK-Projektleiter, bei der Präsentation der Aktion.

Die Evaluierung anhand öffentlicher Firmen-Informationen brachte zum Vorschein, dass keines der zehn Unternehmen einen Sozialbericht veröffentlicht, sich zur Zahlung eines Existenz sichernden Lohns verpflichtet oder seine Produktionsstandorte offen legt. Sechs von zehn Firmen, nämlich Burton, Carhatt, Etnies, Nikita, Nitro und Rip Curl haben darüber hinaus nicht einmal einen Verhaltenskodex. Das bedeutet, dass sie sich nicht explizit gegen Ausbeutung aussprechen, dieser also quasi zustimmen, wie Pfeffer ausführte.


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©Markus Sepperer


Ein Verhaltenskodex ist die klar definierte Zielsetzung eines Unternehmens, um die sozialen Komponenten nachhaltigen Wirtschaftens durchzusetzen. Der in Anlehnung an die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entstandene Verhaltenskodex schließt Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung aus und gewährleistet Organisationsfreiheit, das Recht auf einen Existenzlohn, eine maximal 48-Stunden-Woche plus maximal 12 freiwilligen Überstunden sowie Gesundheits- und Sicherheitsrechte. Nur durch die verbindliche Geltung solcher Formulierungen können die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben verbessert werden.

Darüber hinaus müssen alle Beteiligten, sowohl die Geschäftspartner als auch die ArbeiterInnen, über die Kodizes informiert und deren Einhaltung durch unabhängige Audits kontrolliert werden. Ein großes Problem dabei ist, dass die Kontrollen meistens angekündigt sind und die ArbeiterInnen unter enormen Druck stehen, im Falle von geäußerter Kritik, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Deshalb wäre ein weiterer notwendiger Schritt, die Organisationsfreiheit und die kollektiven Vertragsverhandlungen zu fördern. Obwohl das Recht auf Verhandlung für bessere Arbeitsbedingungen einen international verbindlichen Menschenrechtsstandard darstellt, wird es in Ländern wie China, Indien oder Vietnam allzu oft verwehrt. ArbeiterInnen, die sich gewerkschaftlich organisieren, müssen damit rechnen, bedroht, belästigt, diskriminiert oder eben entlassen zu werden. Um dies zu verhindern, könnten die betroffenen Unternehmen ihre wirtschaftliche Macht dazu nützen, die Rechte der ArbeiterInnen zu stärken.


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©Clean Clothes Kampagne


Mit der Aktion „Ride of a Change“ will Clean Clothes die gesamte Boarder-Branche dazu bringen, die Verantwortung für ihre Zulieferketten zu übernehmen, ihre Kodizes so weit zu verändern, dass sie humanen Standards entsprechen und damit die menschenunwürdigen Zustände in den Produktionsstätten zu beheben. Mit Straßenaktionen in Wien, Linz, Graz und Innsbruck soll darüber hinaus durch Aufklärung der KonsumentInnen der Druck auf die Unternehmen verstärkt werden. Außerdem kann auf der Website www.cleanclothes.at eine Petition unterzeichnet und in einem Facebook-Spiel ein Statement für faire Arbeitsbedingungen abgegeben werden. Die gesammelten Unterschriften werden dann im Frühling den zehn befragten Unternehmen übergeben.

„Wir hoffen sehr, dass die Branche in Bewegung kommt und in Zukunft nicht nur für Coolness und Lifestyle, sondern auch für faire Arbeitsbedingungen steht“, meinte Alexander Pfeffer abschließend.



Text: Dagmar Buchta lebt als freie Autorin in Wien und Ungarn

 

 

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