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Ausgezeichnetes Kostüm

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Der Österreichische Filmpreis 2012


Der Österreichische Filmpreis für das beste Kostümbild ging am 31.Jänner 2012 an Martina List für ihre Leistungen in der österreichisch-luxemburgischen Spielfilm Produktion 'Mein bester Feind' unter der Regie von Wolfgang Murnberger. AUSTRIANFASHION.NET hat sich bei den für das Jahr 2012 nominierten KostümbildnerInnen umgehört.


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Martina List widmet den Preis ihrem Bruder Niki © eSeL


„Eigentlich habe ich immer viel zu wenig Vorbereitungszeit“, kommentiert Kostümbildnerin Martina List die häufig knappe Vorbereitungsphase von Filmen. Im Falle von „Mein bester Feind“ war das ähnlich: 60 bis 70 Darsteller rund um Moritz Bleibtreu und Georg Friedrich einzukleiden und daneben 600 Komparsen auszustatten, ist schließlich kein Pappenstil. Noch dazu der historische Kontext Zweiter Welkrieg: „Das Recherchieren der Uniformen, der vielen unterschiedlichen Ränge und Positionen.“ Woran orientiert sich die Kostümbildnerin da in ihrer Recherche? „Ich habe sehr viele Unterlagen zu Hause und arbeite aber mit einem Experten vom Heeresgeschichtlichen Museum zusammen, der sich mit dieser Zeit sehr gut auskennt. Daneben statte ich der Nationalbibliothek Besuche ab, gehe in Büchereien, borge Filme aus und spreche viel mit Zeitzeugen – ich empfinde das als besonders hilfreich.“


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Davon abgesehen haut Martina List mit über 25 Jahren Berufserfahrung so schnell nichts um. Doch wie landete die ausgebildete Damen- und Herrenkleidermacherin beim Film? Schuld war wohl der Bruder: „Mein Bruder Niki List hat Anfang der 1980er den Film „Malaria“ gedreht: Da war ganz klar, dass die Schwester für den kreativen Kostümteil herhalten muss. Der Film hat 1983 aus dem Stand heraus den Max Ophüls-Preis gewonnen. Darauf folgte „Müllers Büro“, der bei der Berlinale ein großer Erfolg war. Ab dem Zeitpunkt wollten mir bis dahin fremde Regisseure mit mir zusammen arbeiten.“ Mittlerweile weiß die soeben beim Österreichischen Filmpreis für das „Beste Kostüm“ Ausgezeichnete: „Man muss sich in die Ideen von Regisseuren hineindenken und diese dann umsetzen können. Ich erlebe es fast immer so, dass Vorstellungen vom Kostüm nicht ausformuliert werden können. Anhand meiner Zeichnungen oder Vorschläge bei den Kostümproben arbeiten wir uns an das Endergebnis heran.“
Ein richtig tolles Kostümbild sei das in Ariane Mnouchkine`s „Molière“ von 1978, schwärmt List: „Der Dreck von der Straße, das lebt alles - man hat das Gefühl, man riecht die Atmosphäre förmlich. Ich mag keine behübschten historischen Filme, wo man merkt, dass das Kostüm frisch geschneidert ist.“


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Margit Salzinger © Kurt Hörbst

Dem schließt sich die Kostümbildnerin Margit Salzinger an: „Das Kostüm wird in der Regel bearbeitet, damit es lebendig aussieht. Bloß nicht zu perfekt, das Leben ist ja schließlich auch nicht perfekt.“ Mit ihrem Kostüm für Elisabeth Scharangs Film „Vielleicht in einem anderen Leben“, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges im April 1945 angesiedelt ist, beweist sie Feingefühl für Personen und Charaktere. „Ich habe vor allem mit Farben gearbeitet. Die Darstellerin der Zsuzsa Breuer habe ich in Pastelltöne gekleidet, die Bäuerin in Grautöne und ein schwarzes Kopftuch.“ „Die jüdische Flüchtlingsgruppe, die im Zentrum des Films steht, habe ich versucht, elegant darzustellen. Das Kostüm gibt ihnen quasi eine Geschichte.“ Um sich dem Kostüm anzunähern, müsse man in die Zeit und deren Mode hineinschauen, erklärt Salzinger. Dann bespreche sie mit der Regisseurin das Drehbuch, mache Vorschläge. In den Fundi - von Prag bis Wien - kämen ihr vor Ort in der Regel die meisten Ideen. Zum Schluss stellt sie Rolle für Rolle die Outfits zusammen.


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Was aber macht eine gute Kostümbildnerin denn nun aus? „Man muss gut beobachten und schauen können“, sagt Salzinger. Hinter den Kulissen geht die Arbeit allerdings noch viel weiter: Ein großer Teil geht auf die Organisation und Recherche drauf. Und dann: Transporte, Transporte, Transporte. Vor allem im Ausland müsse man immer neue Garderoben einrichten: „Das schafft man alleine auch nicht, da braucht man Assistenz.“



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Alfred Mayerhofer © Kurt Hörbst

Alfred Mayerhofer, der als Quereinsteiger beim Kostüm landete, gibt ebenfalls zu bedenken: „Viele fangen an im Kostümbereich, vergessen aber, dass das ein arbeitsintensiver Beruf ist.
Dementsprechend viele hörten auch wieder auf. Denn: „Man ist viel unterwegs, hat parallel wenig Zeit für anderes.“ Er ergänzt: „Weil ich viel arbeite, will ich Spaß haben bei der Arbeit. Deshalb ist es wichtig, mit den Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen ich gerne meine Zeit verbringe.“
Zwischen den beiden Kostümbildnerinnen, die sich mit dem historischen Kostüm der 1940er Jahre auseinandersetzten, fällt seine Arbeit mit der Verfilmung von Thomas Glavinic-Roman „Wie man leben soll“ quasi aus dem Zeitrahmen: „Es ging darum, den Zeitgeist der 80er und 90er Jahre und das Gefühl des Studentischen einzufangen. Das ist uns, glaube ich, auch recht authentisch gelungen - zumindest bei den Zuschauern scheinen entsprechende Erinnerungen hoch gekommen zu sein“, erzählt Mayerhofer, dem der Regisseur David Schalko bei seiner Zeitreise in die 1990er weitestgehend freie Hand gelassen hat. Seine Handschrift: „Ich arbeite sehr viel fürs Theater, meine Bilder sind sehr klar, theatralisch und ironisch. Ich mag Farben, das macht Lust zuzuschauen.“ Die Ausstattung von „Wie man leben soll“ war umfangreich: Ungefähr 100 Darsteller und 800 Komparsen, die für unterschiedliche Zeitschienen verschiedener Kostüme bedurften.


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Mayerhofers Vorgehensweise: „Ich recherchiere, überlege, wie man das umsetzt. Sehr wichtig ist die Besetzung, denn die sagt schon viel über die Charaktere aus.“ Der Kostümbildner reist viel und sucht sich in den vielen Fundi von Deutschland über Frankreich bis Italien und England Kleidungsstücke und Accessoires zusammen. Daneben stöbert er auf Flohmärkten und in Second Hand-Läden. In Sachen Kostüm sei Kino freier und künstlerischer, Fernsehen oft langweiliger. Mit einigen Ausnahmen, schiebt Mayerhofer hinterher: Bald gebe es die Fernsehserie Braunschlag von David Schalko zu sehen, die „ ist sehr lustig geworden.“

 

Text: Anne Feldkamp lebt als Modejournalistin und Kunsthistorikerin in Wien. Mehr zu lesen von ihr gibt es auf ihrem Modeblog Blica.
 











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  Comments (2)
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Written by hut ab, on 04-02-12 06:42
sehr interessante stories!! Danke!! und wenn man eine ahnung vom österr. film hat, weiss man, wie schwierig es meist ist/ finanziell 7 etwas tolles zu zaubern!
Written by petra, on 11-02-12 02:25
und wenn es endlich wieder österr. filme gäbe, die ästhetisch und einfach schön sind, statt die "österr. seele" und deren morbidität und hässlichkeit hervorzukehren, täten sich die ausstatter auch leichter. denn 08/15 gibt es rund um uns genug. wir wollen verzaubert werden!

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