Search
NEWSLETTER SIGN UP

CONTRIBUTE
Keep us informed about your current projects in Austria and beyond,
your group initiatives, collaborations, networks and research.
We welcome your contributions!

  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
>   

 


Print

send link
Nachwuchs Adieu?!

Image
Studierende für Pluralität in der Modeausbildung

Der Mode-Studiengang in Wien-Hetzendorf steht vor dem Aus. Vor fünf Jahren von der ehemaligen Direktorin Gerda Buxbaum ins Leben gerufen, gab die Stadt Wien, vertreten durch die Magistratsabteilung 13, im September 2011 bekannt, dass der Bachelor eingestellt werden soll. (s. auch The Gap vom 14.09.2011: Kein Mode-Bakk mehr in Hetzendorf?
Die Entscheidung sorgte für allgemeines Unverständnis - sowohl Studierende als auch Lehrende setzen sich seitdem für eine universitäre Ausbildung in Hetzendorf ein: Die Initiative Hetzendorf brennt umfasst Protestaktionen, wie eine identitätsstiftende Protestparty, ein Spendenkonto für weitere Aktionen und Gespräche, die erst kürzlich mit Verantwortungsträgern aus der Wirtschaft und Politik stattfanden. Dabei ist die Motivation der InitiatorInnen ungebrochen; unermüdlich werden Zeit, Energie und finanzielle Mittel investiert, damit auch zukünftig junge Talente das Sprungbrett der universitären Ausbildung zum Mode-BA (Bachelor of Arts) nutzen können.

Doch die Zeit rennt - spätestens im Juli sollten Entscheidungen getroffen sein, denn um den  Studiengangs fortzusetzen, bedarf es rechtzeitiger Aufnahmeprüfungen für die kommenden StudienanfängerInnen.
AUSTRIANFASHION.NET hat bei den Initiatorinnen der Protestbewegung "Hetzendorf brennt", Louise Witt-Dörring und Sophie Skach, nachgefragt.



Image
Logo © Alexander Spang


Vor nurmehr fünf Jahren wurde der Studiengang in Hetzendorf durch die damalige Direktorin Gerda Buxbaum initiiert. Plötzlich ist ein unerwartetes Ende in Sicht. Welchen Verlust bringt diese Maßnahme mit sich?

SK: Gerade in den letzten Jahren wurden vermehrt Institutionen etabliert, die Mode als Teilbranche der Kreativindustrie fördern. Wirtschaftlich betrachtet: Es gibt departure und seit ein paar Jahren die Fashion Week, die Design Weeks oder Unit f mit dem Festival for Fashion and Photography - all diese Veranstaltungen und Fördereinrichtungen bereichern und unterstützen die Modebranche.

LWD: Und sie gehen teilweise von der Stadt Wien aus. Das macht die Situation auch so absurd: Die Mode wird extrem gefördert, es gibt unzählige Förderprogramme und nun wird eine Ausbildung, die qualifizierte AbsolventInnen hervorbringt, nach so kurzer Zeit wieder abgeschafft.

Welche Aspekte machen die Ausbildung aus Eurer Perspektive so attraktiv und erhaltenswert?

SK: Es ist ein markantes Merkmal dieses Studiengangs, dass zwei elementare Komponenten mit gleicher Gewichtung unterrichtet werden: Einerseits das Handwerkliche, wo wir ganz individuell betreut und gefördert werden. Hier steht uns eine Ausstattung zur Verfügung, die in Europa nahezu einzigartig ist. Andererseits gibt es einen Fokus auf Design. Diese Kombination ist selten an nur einem einzigen Institut zu finden. Das macht sich sowohl im nationalen als auch im internationalen Rahmen bemerkbar. Zum Vergleich: In Wien haben die Ausbildungsstätten in der Herbststraße, der Spengergasse oder Michelbeuern einen Schwerpunkt auf technischen und handwerklichen Verfahren. Die Angewandte hat jedoch einen stärkeren Schwerpunkt auf Design.

LWD: Hetzendorf ist mittlerweile international renommiert. Über Jahrzehnte hinweg wurde ein riesiger Pool an Kooperationen aufgebaut, beispielsweise mit dem BUNKA College in Tokio, der bekanntesten Universität für Mode in Japan. Es findet jährlich ein Studenten-Austausch statt.
Wir zeigen dort unsere Abschlusskollektionen auf der Fashion Week und umgekehrt präsentieren ausgewählte Studierende bei unserer Show.
Es sind damit alle Möglichkeiten gegeben, um auch weiterhin die Fühler auszustrecken.

Auf welche Art und Weise wurdet Ihr über die Schließung informiert?

LWD: Wir, die StudierendenvertreterInnen, haben Anfang Sept eine E-Mail bekommen, in der uns von der MA 13 (Magistratsabteilung) nahegelegt wurde, unseren Mitstudierenden in angemessener Weise zu erklären, dass der Studiengang geschlossen wird. Wir waren alle vor den Kopf gestoßen, es hat niemand auch nur annähernd eine Ahnung gehabt, dass es zu Ende gehen wird. Wir konnten die Nachricht dann bereits auf Facebook lesen, weil gleichzeitig eine öffentlichen Pressemitteilung im Standard publiziert wurde.

Daraufhin habt Ihre recht schnell die Petition ins Leben gerufen...


LWD: Zwei Tage später haben wir ein Studierendentreffen gemacht, um zu besprechen, was von unserer Seite im Rahmen des Möglichen liegt. Es folgten ziemlich schnell die Petition, die Webseite für Hetzendorf brennt und die Protest-Party am 10. Dezember 2011.

SK: Wir waren sehr motiviert und dachten, wir reißen das Ruder herum und wir bekommen das wieder hin, aber mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es viel weiter fortgeschritten ist. Und dass wir viel weniger rütteln können, als wir gehofft haben, dass wir rütteln könnten.


Image


Der Studiengang ist an der Modeschule in Wien-Hetzendorf verortet, institutionell jedoch an der Kunstuniversität Linz eingebunden. Wie wurde seitens der Verantwortungsträger der beiden Institutionen auf die Petition reagiert?

SK: Die Begründung für die Schließung des Studiums war von Beginn an recht unkonkret. Von unserer Seite gab es Forderungen zum Dialog, denn wir wollten eine genaue Stellungnahme. Von der Leitung der Modeschule und von der Leitung der Kunstuniversität in Linz haben wir nie ein offizielles Statement bekommen. Bis jetzt nicht.

LWD: Man bezieht sich immer auf die offizielle Pressemitteilung, die besagt, dass der ausschlaggebende Faktor für die Schließung das finanzielle Problem sei und auch das mangelnde Interesse am Studium. Auch die falsche Zielgruppe ist ein Argument.

Es ist bekannt, dass ein durchaus respektables Interesse am Studiengang bestand und noch besteht. Aber was hat es mit der "falschen Zielgruppe" auf sich?

LWD: Die Stadt Wien sagt, dass die Zielgruppe des Studiengangs, nämlich die AbgängerInnen der Modeschule Hetzendorf, das Angebot nicht annimmt, weil bislang lediglich etwa fünf SchulabsolventInnen die weiterführende Ausbildung in Anspuch genommen haben.
Dass zu wenig Interesse am Studium bestanden hat, ist in keiner Weise belegbar.

SK: Der finanzielle Faktor hat wohl seine Berechtigung, dennoch war von wornherein klar, was der Studiengang kosten wird. Wenn man etwaige finanzielle Schwierigkeiten früher verlautbart hätte, hätte man rechtzeitig nach Lösungen suchen können.
Denn auch Akteure der österreichischen Textilindustrie haben kommentiert, dass sie erschüttert sind, weil sie viele Leute aus Hetzendorf beschäftigen - da wären sicher Fördermodelle möglich.

Um welche Betriebe handelt es sich?


SK: Die Firma Getzner ist seit Jahren ein Sponsor, aber es besteht auch eine Nachfrage von sehr kleinen Betrieben. Es gibt außerdem jedes Jahr Kooperationen mit österreichischen Firmen, letztes Jahr war es ein Designprojekt mit der Stickerei Hoferhecht.

LWD: Es gibt viele Besetzungen im Design, aber auch im technischen Bereich, weil wir eben auch handwerklich sehr fundiert ausgebildet werden.
Von der Stricktechnik über Schnittzeichner bis zu Kostümbildnern, die auch international bei Designern arbeiten. Einige AbsolventInnen gehen dann für den Master nach Linz, andere studieren am Central Saint Martins in London, gehen nach Antwerpen oder Eindhoven.


Image


Wie seht ihr die Chancen der Protestinitiative?

LWD: Am Anfang waren wir uns sicher, dass die Initiative etwas bewirkt. Nach mehr und mehr Gesprächen und ausbleibenden Stellungnahmen seitens der Verantwortlichen, verlieren wir die Motivation, weil wir keine Perspektive haben.
Unser Begehren wurde im Keim erstickt. Es gab nicht mal einen Zuspruch für das, was wir machen. Aber wir machen weiter, denn es geht nicht nur um den Mode-Studiengang allein, sondern auch um die Pluralität des österreichischen Bildungssystems.

LINKS:
http://www.hetzendorfbrennt.at
Hetzendorf brennt auf Facebook

 

AbsolventInnen des Bachelor-Studiengangs:

  • Lisa Novak: Graphikstudium in Leeds, jetzt selbstständige Graphikerin (gerade gründet sie ein Magazin "South-East"), in London lebend. http://apollokollektiv.com/
  • Rosa Rendl: Photographie Master Studium in London, Central Saint Martins, jetzt selbstständige Photographin. http://rosarendl.com/
  • Valentina Suvorova: derzeit Praktikum bei Marc Jacobs, New York.
  • Lucia Schneider und Annette Höfer: im Designteam bei Swarovski in Wattens tätig.
  • Ruth Kubyk: studiert jetzt Bühnen-/Kostümbild in Edinburgh.
  • Lisa Pek: weiterführende Ausbildung an der University of the Arts, London.
  • Maria Zwerger: hat Strickdesign studiert an der Trent University, Nottingham, arbeitet bei Julien McDonald, London.
  • Sophie Skach: war mit einer Show in Tokio bei der Fashion Week vertreten, arbeitet momentan für ein Schweizer Design Label. http://www.sophieskach.com/

 

Alle Bilder beigestellt
Text: Carmen Rüter


Bookmark this page!
bookmarks.ag del.icio.us Digg.com Facebook Furl Google Live Slashdot SOFTigg StumbleUpon Technorati Mister Wong Yahoo Yigg



  Comments (1)
RSS comments
Written by The Green Fairy, on 09-03-12 08:47
Nicht nur die Mode sondern auch das Bildungssystem in Wien wird untergehen wenn sie weiter Bildungseinrichtungen von Qualität schließen . 
 
PS: By the way Ruth Kubyk ist nicht Bachelor Absolventin

Write Comment
  • Please keep the topic of messages relevant to the subject of the article.
  • Personal verbal attacks will be deleted.
  • Please don't use comments to plug your web site. Such material will be removed.
  • Just ensure to *Refresh* your browser for a new security code to be displayed prior to clicking on the 'Send' button.
  • Keep in mind that the above process only applies if you simply entered the wrong security code.
Name:
Comment:

Code:* Code