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Mehr als nur Theorie

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Fashion Studies als neuer Zugang der Modeforschung

„Meanings of Fashion“, „Costume and Dress as Style and Form”, “Consumer Culture Theory and Fashion”, “Fashion as an Industry”.
Klingt doch interessant, oder? Das ist eine kleine Auswahl an Kursen und Vorlesungen, die im zweijährigen Master-Programm für Fashion Studies am Centre for Fashion Studies an der Universität Stockholm angeboten werden. Seit der Gründung des Zentrums 2006 gibt es dort den ersten Master-Studiengang in diesem Fach und die Möglichkeit, in einem PhD-Programm zu promovieren. Die schwedische Filmwissenschaftlerin Louise Wallenberg leitet das Zentrum, zum zehnköpfigen wissenschaftlichen Team des Fachbereichs gehören international renommierte Modeforscher/innen wie Caroline Evans vom Londoner Central Saint Martins College, Peter McNeill von der Universität Sydney und Patrizia Calefato von der Universität Bari. Die Lehre wird, wie in skandinavischen Ländern zunehmend üblicher, in englischer Sprache abgehalten, die Student/innen und Doktorand/innen sollen aus der ganzen Welt rekrutiert werden.


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Frescati Campus der Uni Stockholm, in dem das Centre for Fashion Studies beherbergt ist.
© Orasis Foto


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Five Sixty Fashion: Afternoon Show - 12-18 Mai 2011. Modenschau der Parsons School of Fashion mit Arbeiten aus allen Modedisziplinen (Männer-, Frauen- und Kinderbekleidung, Accessories), sowie Branding und editorial multimedia Installationen. Ausgestellt wurden auch Kollaborationen mit u.a. MCM International und Coach.
© Martin Seck




Der zweite Studiengang dieser Art wird seit Herbst 2010 an der School of Art Design History and Theory der Parsons New School for Design in New York angeboten. Er wurde von der deutschen Textilwissenschaftlerin Heike Jenß gemeinsam mit der britischen Designtheoretikerin Hazel Clark konzipiert. Das Curriculum des MA-Studiums schließt eine Ausbildungslücke in der Modeforschung zwischen den lange etablierten MA-Studien „Fashion and Textile Studies: History, Theory, Museum Practice“ am Fashion Institute of Technology und „Costume Studies“ an der New York University.

Es stellen sich hier gleich mehrere Fragen: womit beschäftigen sich die Fashion Studies eigentlich genau? Wie unterscheiden sie sich von den verwandten wissenschaftlichen Disziplinen Modegeschichte, Kostümgeschichte und Textilwissenschaft? Und natürlich: für wen ist die Beschäftigung mit Fashion Studies letztendlich relevant?
Die Fashion Studies verbinden gewissermaßen zwei akademische Zugänge zur Mode. Auf der einen Seite des wissenschaftlichen Modespektrums gibt es die theoretisch anspruchsvolle, von der Modedesign-Ausbildung allerdings relativ isolierte Forschung zu Mode in verschiedenen Disziplinen wie Soziologie, Literaturwissenschaft, Ethnologie, Film und Medienwissenschaft, etc. Auf der anderen Seite stehen die Kostüm- und Textilgeschichte, bzw. die Modegeschichte, die traditionell den „Theorieteil“ der praxisorientierten Lehrpläne im Modedesign-Studium oder in der Textil-Lehrer/innenausbildung abgedeckt haben.

Die „Fashion Studies“ greifen zwar nach wie vor auf das historische Wissen der Mode- und Kostümgeschichte zurück, jedoch nicht ohne dieses Wissen kritisch zu hinterfragen und durch wichtige Ergänzungen zu Themen wie Körper, Identität und Kultur zu kontextualisieren.
Der Plural im Namen lässt schon mal vermuten, dass es sich bei den „Fashion Studies“ um ein fachübergreifendes Forschungsgebiet handelt.


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Moden & Styles, Akademie der Bildenden Künste


Elke Gaugele, Professorin am Fachbereich Moden und Styles der Akademie für Bildenden Künste in Wien, spricht über Fashion und Textile Studies als einem „neuen transdisziplinären Fach- und Forschungsprofil“, das Forscher/innen aus den USA und Großbritannien im Laufe der 1980er Jahre etabliert haben (1). Zunächst in Form von einzelnen Studien und Artikeln in Fachzeitschriften und später in der institutionellen Integration und Gründung von Studiengängen, kristallisierten sich die Fashion Studies allmählich in der Forschungslandschaft als eigenständige Instanz heraus.

Auch wenn es keine einheitliche Definition gibt, kann man zusammenfassen, dass der gemeinsame Nenner der Fashion Studies die Auseinandersetzung mit den kulturellen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen ist, die in die Produktion, die Vermittlung und den Konsum von Mode eingeflochten sind. Daraus ergibt sich eine thematische Vielfalt, die von der körperlichen Erfahrung von Korsetten (2) über die Kleidercodes japanischer Subkulturen (3) bis zum Verhältnis von Mode und Popmusik (4) reicht. Die vielschichtigen soziokulturellen Einflüsse und Praktiken, die Mode zu einem komplexen sozialen Gebilde machen, rücken also ins Zentrum der Analyse.


Die Beschäftigung mit Fashion Studies ist deswegen für viele verschiedene Leute relevant, die sich für Mode interessieren: einerseits wenden sich die Studienangebote an diejenigen, die sich mit der Forschung und Vermittlung von Mode befassen möchten. Auf der Website des Studiengangs an der Parsons heißt es etwa: “The program provides an entryway for students who want to pursue careers in fashion research, including fashion archives, museums, and galleries, media and consulting, as well as teaching and academia.” 

Andererseits kann der Zugang der Fashion Studies zu Mode auch für angehende Modedesigner/innen eine wichtige intellektuelle und kreative Ressource sein. Wenn sie mehr über die Wechselwirkungen Bescheid wissen, die zwischen Mode, Stil und Kultur, zwischen Modeindustrie und Gesellschaft bestehen, wird sich das in einem anderen Bewusstsein für die Produktion von Mode übersetzen. Schließlich birgt Modedesign ja auch die Chance in sich, utopische, ja gar radikale Denkräume zu eröffnen oder gesellschaftspolitische Forderungen zu kommunizieren.



Für Anregungen und Texthinweise danke ich Prof. Elke Gaugele.

Monica Titton ist Soziologin und lebt in Wien. 


_________

(1) Elke Gaugele: “Fashion & Textile Studies, [dt.:] Mode- & textilwissenschaftliche Studien – kulturwissenschaftliche und künstlerische Studien zu Mode und Textilien. Positionen und Perspektiven eines neuen transdisziplinären Fach- und Forschungsprofils.“ Zeitschrift für Geschlechterforschung und Visuelle Kultur, Heft 52, Dezember 2011, S. 17-23.
(2)
Valerie Steele: „The Corset - A Cultural History“, Yale University Press, 2001
(3) Yuniya Kawamura: “Fashioning Japanese Subcultures”, Berg Publishers, 2012
(4) Janice Miller: “Fashion and Music”, Berg Publishers, 2011







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  Comments (1)
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Written by majella reismann, on 10-09-12 16:21
Vielen Dank! Sehr interessant und ich werde diese Info gleich vielfach streuen....,-)

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