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Vier START-StipendiatInnen im Porträt

Seit 2009 vergibt das BMUKK das START-Stipendium, das sich zum Ziel setzt, junge KünstlerInnen finanziell bei ihren ersten Schritten ihrer neuen Selbstständigkeit zu unterstützen. AUSTRIANFASHION.NET hat seit Einrichtung dieses Stipendiums junge Modeschaffende befragt, wie sie diese Berufschance durch den Erhalt von 6.600 € wahrnahmen. Auch heuer standen uns wieder vier START-Stipendiatinnen Rede und Antwort.



„Ich hatte meinen Abschluss gemacht und irgendwie ging nichts weiter“, erzählt Elizaveeta Fateeva von ihrem ersten Jahr nach Studienabschluss an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Die 1983 im russischen Tomsk geborene Modedesignerin hatte von 2003 bis 2010 unter den drei Professoren Raf Simons, Veronique Branquinho und zuletzt unter Bernhard Willhelm studiert. Bei der „Show Angewandte 2010“ bestach sie im grellen Modegekreische der ersten Show unter Bernhard Willhelm durch eine Kollektion voll Sublimität und Understatement. Fateeva erhielt für ihre Diplomkollektion viel Lob und den Swiss Textile Awards. Und dann war fast nichts, fast zwölf Monate lang.


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Graduation Collection 2010
Photos © Gabriel Hyden


Sie feilte an ihrem Portfolio und war schon etwas entmutigt. „Bei den ausgeschriebenen Wettbewerben machte ich schon lange nicht mehr mit“ sagt Fateeva, „Ich hatte das Gefühl, dass ist ein abgekartetes Spiel. Da bekommen ohnehin immer nur die gleichen Leute mit den gleichen Beziehungen die Prämien und Preise zugeschanzt.“ Eliza Fateeva hatte es fast schon aufgegeben, sich noch für etwas zu bewerben, aber eben nur fast.
 „Sich für das START-Stipendium zu bewerben, geschah durch Zufall“, erinnert sie sich, „Meine Freundinnen Astrid Deigner und Christina Steiner hatten in den letzten beiden Jahren jeweils ein START-Stipendium für Mode erhalten und sie rieten mir gut zu. Sie meinten: ‚Bewirb dich dafür, das ist eines der wenigen Stipendien, wo kein Haken dran ist. Du bekommst das Geld hundertprozentig in die Hand, ohne dass du etwas vorfinanzieren musst oder ein Teil vorgeschriebener Weise für das Marketing ausgegeben werde muss.’“
Zu verlieren hatte Fateeva nichts, das Portfolio war inzwischen ohnehin schon fertig. Sie steckte eine Ausgabe samt ausgefüllter Bewerbungsunterlagen in einen Briefumschlag und ging zur Post. Ihr festes Ziel wollte sie nicht aufgegeben: Sie wollte es sich und anderen beweisen, dass sie es auch nach Abschluss des Studiums ohne dem Umfeld der Universität in sich hat, eine eigenständige Designerin zu sein, die eine qualitativ wertvolle Kollektion erstellt. Dann wurde sie für den „Evoque Next Gen 2011 Award“ als Finalistin nominiert.
„Für den Award erstellte ich eine Kollektion und als ich gerade dabei war, bekam ich die Nachricht, dass ich mit dem START-Stipendium ausgezeichnet worden war“, erinnert sich Fateeva, „Es begann eine herrliche Zeit. Ich konnte mich durch diese kräftige finanzielle Unterstützung sechs Wochen lang komplett auf meine Kollektion konzentrieren, ohne dass ich nebenbei von 18 bis 24 Uhr kellnern oder bei sonst welchen Jobs malochen musste. Eine ganze Kollektion mit allem was dazu gehört, lässt sich mit 6.600 € natürlich nicht finanzieren, aber es war eine echte Erleichterung so arbeiten zu können. Das START-Stipendium war ein echter Segen.“


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Collection Fittings


Was dann geschah, beschreibt Fateeva als eine Kettenreaktion. Ihre Kollektion „One, All“ gewann beim Publikumsvoting den „Evoque NextGen 2011“-Award. Fateeva fühlt sich dadurch ermutigt, sich in Wien selbstständig zu machen. Als sie sich mit ihrem ersten Urlaub seit Jahren belohnen will, klingelt das Telefon. Auf der anderen Seite des Hörers ist Raf Simons, ihr ehemaliger Professor von der Angewandten, bei dem sie schon von März 2008 bis Juli 2009 ein intensives Internship gemacht hatte. Seit Juli 2011 arbeitet Eliza Fateeva nun als Assistant of Head Designer Shoes und Creative Consultant an Kollektionen und Präsentationen bei „Jil Sander“.

Sie pendelt zwischen Mailand und Wien und arbeitet an den Kollektionen für das Modehaus und ihrer eigenen Linie, die seit September 2011 im Antwerpener Concept Store „RA“ verkauft wird.




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© Natures of Conflict AW 2012/13


Kathrin Lugbauer studierte wie Eliza Fateeva in der Modeklasse der Universität für angewandte Kunst Wien unter Raf Simons und Veronique Branquinho. Lugbauer machte Praktika bei Wendy & Jim, BLESS und Hussein Chalayan. Im Jahr 2007 machte sie ihren Abschluss und gründete ein Jahr später gemeinsam mit Nora Berger das in Wien ansässige Modelabel „Natures of Conflict“. 2010 waren die beiden Finalistinnen des „Festival International de Mode et de Photographie“ in Hyères. Im letzten Jahr gehörten sie zu den Finalisten des „EVOQUE NextGen Award“, bei dem sie im Publikumsvoting knapp Eliza Fateeva unterlagen. Dafür erhielten sie den Modepreis der Stadt Wien aus den Händen von Stadtrat Mailath-Pokorny.


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© Natures of Conflict AW 2012/13


Natures of Conflict ist bekannt für innovatives Modedesign an ungewöhnlichen Orten. „Nora und mir geht es darum, dass wir uns für jede Kollektion etwas Besonderes ausdenken und es auf die Beine stellen.“, sagt Kathrin Lugbauer, „Weg vom Laufsteg, hin zu einer eigenen narrativen Umgebung, in der wir wirklich präsentieren wollen“, sagt Kathrin Lugbauer. Wir präsentierten  unsere Herbst/Winter- Kollektion entlang der Route der Liliputbahn im Wiener Pratergarten. Dieses Jahr hatten wir eine Show während der L.A. Fashion Week, bei der Bauarbeiterinnen auf einer Baustelle agierten.“
„Übrigens immer bei Schlechtwetter, dafür haben wir ein echtes Händchen“, scherzt Lugbauer, „Für nächstes Jahr planen wir im März 2012 in Paris auf einem Boot unsere Kollektion zu präsentieren, wo auch unser Showroom zu finden sein wird. Bei Schönwetter, wenn geht.“
„Das START-Stipendium wurde für die Show in L.A. aufgewandt“, erzählt Kathrin Lugbauer, „Das war echt eine ganz tolle Unterstützung und mental eine ganz wichtige Ermunterung, weiterzumachen, aber Mode machen ist einfach eine teure Angelegenheit. Mit dem Geld war aber auf alle Fälle ein Start gemacht.“

 „Im Jahr 2010 war ich in L.A. und besuchte dort meinen Bruder Stephan, der ein MAK-Schindler-Stipendium bekommen hatte.“, erzählt Kathrin Lugbauer, „In Beverly Hills lernte ich dann einen Shop-Besitzer kennen, den ich für die Idee begeistern konnte, während der L.A Fashion Week mit ‚Natures of Conflict’ eine Präsentation zu machen. Wir blieben in Kontakt und dann schafften wir es wirklich, die Show in L.A. steigen zu lassen. Wir machen alles auf eigene Faust und geben für uns selbst ein Minimalbudget aus. Wir durften in L.A. sogar bei dem Typen übernachten.“
„Wir werden zukünftig daran arbeiten müssen, dass wir an mehr Einkäufer kommen“, sagt Lugbauer nachdenklich, „In L.A. haben wir das geschafft, da hatten wir eine Einkäuferin und das war gut. Mode ist eben ein hartes Business. Das wussten wir natürlich, aber es war uns während des Studiums nicht so bewusst wie heute. Dass wir spontan sind, eigene Ideen haben, die wir umsetzen können, ist total wichtig, aber es fehlt uns an echter professioneller Pressearbeit. Es kommen einfach zu wenige Einkäufer oder einflussreiche Leute der Szene zu unseren Shows. Das wäre aber wichtig. Für Paris werden wir wohl ein echtes Pressebüro kontaktieren, damit das noch viel besser klappt als bisher.“



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© Diptych

Auch Ali Zedtwitz ist wie Kathrin Lugbauer und Eliza Fateeva Absolventin der Modeklasse der Angewandten und studierte bei Raf Simons und Veronique Branquino. Im November 2009 präsentierte Ali Zedtwitz im Rahmen von „Spot on Wien“ in Tokio ihre Diplomkollektion aus dem Jahr 2008, remixed und neu gestylt von Kathrin Lugbauer. 2009 war ein furioses Jahr für die 1983 in Wien geborene Ali Zedtwitz: Ihre erste Verkaufskollektion für das schwedische Label „Weekday“ kam in Stockholm auf den Markt, während sie in Wien den Modepreis des BMUKK erhielt. In Tokio präsentierte Zedtwitz mit ihrer Diplomkollektion das brandneue Label „Diptych“, das sie seitdem gemeinsam mit Valerie Lange führt.


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Photos © Michael Strasser, Landscapes by Benjamin Tomasi


„Unsere erste Kollektion ‚I'm a victim of this song’ wurde damals in Japan präsentiert“ erzählt Ali Zedtwitz, „Danach blieb ich noch neun Monate in Tokio und arbeitete im Rahmen des BMUKK Praktikumsstipendiums bei ‚writtenafterwards’. Den zweiten Teil des Praktikums verbrachte ich bei einem jungen, kommerziellen Label in Auckland. Zurück in Wien, sollte Diptych konkretisiert werden und zu diesem Anlass bewarb ich mich für das START-Stipendium.“
„Das ist ein wirklich tolles, sehr sinnvolles Stipendium“, sagt Ali Zedtwitz über das START-Stipendium, „Es unterstützt in einer sehr wichtigen und schwierigen Phase, dem Beginn, dem Start eben. Bei Erhalt des Stipendiums im Herbst 2011 entstand die neue Kollektion "Golden Brown", die im November 2011 während des Events "not fashion alone" in Warschau präsentiert wurde. Im Anschluss fand ein Fotoshooting mit den Künstlern Michael Strasser und Benjamin Tomasi statt. Die dabei entstandenen Fotos wurden im April 2012 feierlich präsentiert. Gleichzeitig arbeiteten Zedtwitz und Lange fieberhaft an der Überarbeitung der Homepage und richteten eine Facebook-Seite ein.
Zukünftig wollen Ali Zedtwitz und Valerie Lange weiterhin an der Entwicklung ihres Label tüfteln. „Unser Pop-up-Store im April hat viel Spaß gemacht und ist super gelaufen“, sagt die Designerin,  „Da wird es also bestimmt noch eine zweite Runde geben. Das langfristige Ziel ist jedoch ein eigener Laden in Wien.“



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Photo © Georg Milde


Die in Polen geborene Patrycja Domanska ist in Mode und Industrial Design gleichermaßen gut bewandert. Ihr START-Stipendium erhielt sie in der Sparte Industrial Design. „Nach meinem Diplom, das ich 2009 an der Angewandten in Wien im Bereich Industrial Design machte, habe ich erst einmal ein Jahr in einem Designbüro für visuelle und räumliche Kommunikation gearbeitet.“, erzählt Patrycja Domanska, „Dort wurde mir schnell klar, dass ich einerseits Schwierigkeiten mit Vorgesetzten habe, da ich selbst eine klare Vorstellung vom Endprodukt habe und von dieser nicht ganz abweichen möchte, andererseits hat mir die dritte Dimension gefehlt:
Der Entstehungs- und Realisierungsprozess in diesem Bereich ist letztlich ein viel schnellerer als bei Produkt- oder Möbeldesign. Diese Erfahrung war auf jeden Fall die Initialzündung dafür, dass es für mich keine andere Möglichkeit mehr gab als mich früher oder später selbstständig zu machen. Die Tatsache, dass es das START-Stipendium gibt, hat mir Mut gemacht, ohne große finanzielle Ressourcen das Abenteuer zu wagen und den Grundstein für die Arbeit an eigenen Projekten zu legen.“


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Photo © Georg Milde


Für das START-Stipendium bewarb sie sich mit einem unkonventionellen Projekt. „Der stetig wachsende Wunsch nach charakteristischer Entfaltung, macht auch vor den Friedhofspforten nicht halt“, erklärt die Designerin ihr Projekt, „Die zunehmende Bedeutung einer individuellen Bestattung oder eines persönlich gestalteten Grabes, sind Themen mit denen wir uns alle früher oder später auseinanderzusetzen gezwungen sind.“
 „Mit ‚the last minute’ erstellte ich eine Reihe von funktionalen und symbolischen Objekten, die sich einerseits an der Schnittstelle von Tradition und Ritual bewegen, andererseits ihre moderne Interpretation darstellen“, sagt Domanska, „Die Serie besteht aus vier Objekten, zusammengesetzt aus Urnen und Grabbeigaben, und erzählt die Geschichte der Vergänglichkeit und Erinnerung.“
Mit dem Erhalt des Stipendiums gelang die Realisierung von ‚the last minute’ und die  Ausstellung des Projekts auf der heurigen Ausgabe der bedeutenden internationalen Konsumgütermesse „Tendence“ in Frankfurt. Die Wirkung des Stipendiums hat aber noch weit darüber hinausgereicht, meint die Designerin: „Meine Teilnahme an den Passionswegen der Vienna Design Week und der Beitrag von Felix Gieselmann und mir zum Kaffeehausexperiment im MAK namens “Homage an Karl” wurden dadurch sehr erleichtert.“

Für ihren Weg in die Zukunft bastelt sie mit einer Freundin aus der Designbranche an einem Masterplan. Als Solodesignerin ist sie damit beschäftigt, sich im Laufe der Zeit einen Namen zu machen, geht aber dabei bewusst keinen starren Weg. „Ich plane nicht sehr weit voraus und stresse mich auch nicht mehr so sehr“, sagt Domanska, „Ich mache einfach die Arbeit die ich liebe und aus – was kommt, das kommt und es kommt sowieso immer anders!“



Text: Rainer Hawlik
Alle Bilder beigestellt



Der 2-mal jährlich erscheinende offizielle Newsletter des BMUKK informiert über alle Förderungen und Aktivitäten.
Zur Anmeldung: bmukk-kunst-kultur.at/newsletter


Zum Nachlesen:
Startstipendien 2009
Startstipendien 2010










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