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ModeMedienMache

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Fachsimpeleien mit INDIE-Chefredakteurin Kira Stachowitsch.



Neben vielen anderen Fragen, die man sich hinsichtlich der in jüngerer Vergangenheit sowie auch näherer Zukunft heiter anwachsenden Hochglanzmagazinszene des Landes stellen kann, brennt natürlich eine im Besonderen unter den Fingern: Wieviele Modemagazine braucht das Land, und wieviele verträgt es?
austrianfashion.net hatte letztens Gelegenheit, sich mit Indie und material girl Chefredakteurin Kira Stachowitsch zu unterhalten, die als gewiefte Frau vom Fach mit allerlei Expertisen dankenswerterweise nicht hinter dem Berg hielt. Ein smarter und adretter Kopf mit markantem Bob-Schnitt (und markante Frisuren haben bekanntermaßen Modejournalistinnen höchsten Kalibers noch nie geschadet), plaudert sie aus der Schule des plastic media Verlagsgeschehens.
Da Kira Stachowitsch nämlich obendrein mit der Umsetzung des Austrian Fashion Guide betraut ist, der soeben zum zweiten Mal erschien, war es natürlich auch aufschlussreich, die Meinung der Fachfrau über die österreichische Modeszene und die mögliche Wirkungsbreite einer Trade-Show-Publikation einzuholen.


af: Lass uns zu Anfang über den jüngsten Spross von Plastic Media sprechen: Seit Ende 2007 liegt eure brandneue Publikation material girl auf: die Luxus verwöhnte Schwester von Indie?

Kira Stachowitsch: material girl arbeitet mit den klassischen Frauenmagazinthemen, wie Beauty, Schmuck und Accessoires. Also Dingen, die im Indie praktisch nicht zu finden sind. Und das aber aus einem anderen Blickwinkel als sonst. Unser Anspruch ist es, außergewöhnliche, hochwertige aber gleichzeitig auch schräge Themen zu zeigen – großteils zwar Dinge, die man als Luxusartikel bezeichnen könnte, aber wir präsentieren genauso auch anspruchsvolle, junge Designer.

af: Das heißt, ihr nehmt euch jedenfalls weiterhin die Freiheit heraus, ein Heft nicht ausschließlich auf potenzielle Anzeigenkunden schielend zu komponieren.

KS: Auf jeden Fall. Und eine Mischung aus großen Namen und unbekannten Newcomern ist es ja unter anderem auch, was ein solches Magazin spannend macht.

af: Sowohl die deutsche Ausgabe von Indie wie auch das einstweilen nur auf Deutsch vorliegende material girl werden im gesamten deutschsprachigen Raum vertrieben. Ist es eigentlich schwierig, von Österreich aus den deutschen Markt mitzubedienen?

KS: Nicht, wenn man von einem generell international angelegten Konzept ausgeht. Themen, die in Indie oder material girl gefeaturet werden, müssen in Wien wie in New York relevant sein. Es wäre ganz schwierig bis unmöglich, im Ausland zu reüssieren, wenn man eine rein österreichische Perspektive verfolgen würde.



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af: Mit der englischen Ausgabe von Indie seid ihr quasi Global Player. Der weltweite Vertrieb wird durch die Condé Nast-Tochter Comag sichergestellt. In Paris habe ich das Magazin prominent in Palais de Tokyo und bei Colette gesehen. Ziemlich prominent ist ja auch euer Übersetzer, Robert Rotifer.

KS: Robert ist fantastisch. Er schreibt auch eine Kolumne, die zugleich eine wirklich gute Zusammenfassung dafür ist, wo sich Indie inhaltlich langbewegt. Also er als Musiker, der sich aber sehr viel mit Mode auseinandersetzt. Es ist auch ein Riesensegen für uns, dass er die Übersetzung macht – denn er weiß alles. Wenn man mal einen Joker bei der Millionenshow braucht … Einerseits kennt er sich ganz breit gestreut aus, andererseits hat er auch ein sehr spezielles Wissen. Er ist auch beim Übersetzten noch einmal ein letzter Faktenchecker.

af: Wie ist Indie grundsätzlich angelegt? Ein ausgehend von Mode entworfenes Moodboard der alternativen Gegenwartskultur?

KS: Das Ganze endet doch immer wieder an den vielen Schnittstellen von Mode und Musik. Ganz konkret zum Beispiel: die vielen Modestrecken mit Bands, die wir regelmäßig für das Indie Magazin produzieren. Wir verfolgen mit dem Indie ganz generell ja auch ein sehr spezielles ästhetisches Konzept und gehen auch bei der Auswahl der Themen wirklich äußerst selektiv vor.

af: Mit eurer strengen redaktionellen Linie legt ihr Wert darauf, eure ursprüngliche Idee weiterhin zu verfolgen?

KS: Die Vision ist einfach, vierteljährlich ein auch am riesigen internationalen Modemagazin-Markt unverwechselbares, spannendes Magazin zu machen. Das Drumherum ergibt sich dann im Detail jeweils aus den Persönlichkeiten, die an einer Ausgabe mitarbeiten.



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af: Wie funktioniert Wien als Drehscheibe für eine internationale Publikation? Spielt der Standort eine Rolle?

KS: Wien funktioniert auf jeden Fall. Generell stellt sich auch immer die Frage: Wie mobil arbeitet man; wohin in der Welt schickt man seine Redakteure, um sie Neues entdecken zu lassen. Und wir profitieren natürlich enorm von unserem internationalen Netzwerk: Fotografen speziell, aber auch Autoren. Wenn man die überall auf der Welt platziert hat und jeder seine Inhalte einfließen lässt, dann ergibt sich so eine österreichische Perspektive erstmal gar nicht.

af: Wie nimmst du Wien als Stadt mit einer eigenen Modeszene wahr? Gibt es deiner Einschätzung nach auf internationaler Ebene Aufmerksamkeit für Wien als Creative Pool?

KS: Ich hab mich während der Arbeit an dem Austrian Fashion Guide sehr mit der Frage auseinandergesetzt, ob es in der Mode etwas speziell Österreichisches gibt. Und ich glaube, in Wirklichkeit gibt es das eben nicht – also wenn man es aus einer Gesamtperspektive betrachtet. Es gibt einfach einzelne sehr gute Designer.



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af: Da stehen wohl noch immer die Antwerp Six als Modell im Raum – als ein Modell, das immer wieder gerne genannt wird…

KS: Es kann schon sein, dass wenn man sehr intensiv nach solchen Gemeinsamkeiten sucht, man vielleicht auch irgendwas findet, von dem man behaupten kann, es sei typisch österreichisch. Aber das sind dann eben oft sehr vage Dinge, die man kaum festmachen kann. Ich glaube, der wirkliche Nutzen des Guide ist für die vertretenen Designer, international gesehen zu werden, unabhängig von irgendeiner österreichische Trademark. Und ich bin mir sicher, dass so eine Publikation Aufmerksamkeit weckt. Das allein ist es aber nicht, was letzten Endes über den Erfolg der einzelnen Designer entscheidet.

af: Während der Modewochen gibt es eine stetig steigende Anzahl regional definierter Publikationen: Wie siehst du diese Regionalismus-Tendenz, wie funktionieren diese Mini-Guides?

KS: Derzeit gibt es ja noch nicht so viele Tradeshow-Publikationen. Es ist eine schwierige Frage, wie man so etwas gestaltet. Man muss es dem Publikum jedenfalls einfach machen – so dass die Buyer und Journalisten das Heft ohne Aufwand konsumieren und mitnehmen können. Deshalb auch das kleine Format. Weil es zwar nett ist, ein riesiges Hochglanzmagazin daraus zu machen, aber das wird dann niemand länger als eine Stunde mit sich rumtragen wollen. Da muss man dann den richtigen Kompromiss finden – daraus, Inhalt zu bieten und trotzdem gut verpackt zu sein.

af: Zeitgleich mit der Präsentation des ersten Austrian Fashion Guide wurde im September 2007 auch die Plattform austrianfashion.net lanciert: Was hältst du als Printmagazinmacherin eigentlich vom Internet als Publikationsform? Droht da Gefahr? Gibt es wechselseitige Beeinflussung?

KS: Natürlich stellt das Internet an sich – wenig überraschend – eine wichtige Entwicklung dar. Zugleich glaube ich aber nicht, dass es solchen Magazinen, wie wir sie verlegen, in irgendeiner Weise Angst machen muss. Wenn ich eher in eine Richtung arbeite, die das Magazin als Coffeetable-Objekt positioniert und mich an Liebhaber von Magazinen richte, denen auch die haptische Komponente extrem wichtig ist, oder auch wie das Papier glänzt, quietscht und riecht, dann kommt man sich da nicht in die Quere. Es gibt natürlich viele Möglichkeiten im Online-Publishing, die wir als Printmagazin-Macher nicht bieten können. Andererseits nehmen wir uns auch heraus, weil wir auch nicht anders können und wollen, die Inhalte auszusortieren und zu sichten, was über längere Zeit gesehen mehr Relevanz haben wird. Es gibt auch keine großen Internet-Magazine, die einen ähnlichen Impact haben wie zum Beispiel ein i-D. Zwar existieren branchenspezifische Magazine wie zum Beispiel style.com, ich weiß aber nicht, inwiefern es für den Großteil der Leser interessant ist, wie genau der 30. Look von Burberry aussieht.

af: Das Internet bietet also den Vorteil der Geschwindigkeit, während ein wenig die Gefahr der Wahllosigkeit droht? Super Super wäre ja ein Beispiel für ein Printmagazin, das die Internet-Generation mit ihrem angeblichen Aufmerksamkeits-Defizit bedienen möchte. Funktioniert das?

KS: So wie ich das Magazin kenne, hat es wohl einen ganz eigenen Charme mit diesem NuRave-Hintergrund, der gleicheitig auf die moderne Computerwelt Bezug nimmt. Ich finde Super Super einerseits sehr unterhaltsam, weil sie mit schrecklich lieblosem Trash-Design die gewohnte Magazin-Ästhetik brechen – andererseits finde ich das Magazin aus genau dem selben Grund auch ziemlich scheußlich.

af: Eine Frage an die Frau vom Fach: Wenn man sich die österreichische Lifestyle- und Modemagazinszene ansieht, hat man derzeit den Eindruck, dass an allen Ecken und Enden neue Formate hervorquellen. Überspitzt gefragt: Wieviele Magazine verkraftet das Land?



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KS: Ich glaube, das wird die Zeit zeigen. Vieles davon orientiert sich auch nicht danach, was der Markt noch braucht, sondern daran, was man dem Markt noch zuführen kann. Ein Magazin kann schon relativ lange am Leben erhalten werden – wenn ein Verlag unbedingt ein neues Format pushen möchte, geht das in jedem Fall eine Weile. Und insbesondere im nun so explodierenden Frauenmagazinsegment erfüllen ja sogar wirtschaftlich höchst erfolglose Titel für viele Verlage zumindest noch die Funktion als kleines Abwehrprodukt gegen ähnliche Titel anderer Verlagshäuser. Ich denke also, dass es relativ lange dauern wird, bis es sich wieder lichtet in diesem Segment. Rein redaktionell betrachtet hat natürlich niemand auf den zehnten hochwertigen Lifestyletitel für die moderne Frau gewartet. Insbesondere, da sich in jenen Magazinen ja erst wieder nur der ewig gleiche austauschbare, seichte Inhalt findet. Dabei wären es ja schon ein paar kleinere Dinge, die den Unterschied ausmachen könnten. Man kann ja durchaus ein relativ ähnliches Profil und eine ähnliche Zielgruppe haben und meinetwegen auch dieselben aktuellen Themen behandeln, aber dann kommt es eben darauf an, wie man sich den Themen textlich oder konzeptuell nähert ... oder ob man sich Mühe gibt, auf der Ebene der Bildsprache einmal Mut zu außergewöhnlichen Ideen zu zeigen …

af: material girl ist in dem Zusammenhang natürlich auch ein gutes Beispiel. Wie lange hat eigentlich die Konzeptionsphase des neuen Magazins gedauert?


KS: Wir haben da einen recht gesunden Größenwahn und haben also immer wieder neue Ideen, die sehr schnell wachsen und Form annehmen. Ich würde sagen, Material Girl ist innerhalb eines halben Jahres entstanden. Wenn wir eine Idee haben, können wir sozusagen nicht an uns halten und setzen sie dann sehr schnell um. Ich würde wahnsinnig dabei werden, wenn ich Jahre lang über etwas brüten müsste, aus dem dann vielleicht nichts wird.

af: So ist es also vielleicht nicht auszuschließen, dass das Portfolio von Plastic Media noch weiter anwachsen wird?


KS (nippt versonnen an ihrer heißen Schokolade und antwortet mit blinzelndem Augenaufschlag): Wer weiß…



(DK)

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  Comments (2)
RSS comments
Written by michaela, on 24-02-08 11:54
nettes interview! mich wuerde noch interessieren, sie sich der verlag finanziert und wie frau verlegerin aussieht. das foto wirkt doch ein bisschen schuechtern... ;-) 
 
wuensche weiterhin viel erfolg! 
tschilp.com
Written by Vanessa, on 06-03-08 12:31
Ja macht einen sympatischen Eindruck! 
Mit dem Foto gebe ich dir recht. 
 
Wenn ihr genauso Mode und Fashionverrückt seid wie ich, kann ich euch nur fashionfreax.net ans Herz legen ;) ... 
 
eine wirklich interessante fashion community für alle fashionfreax und -victims wie mich =) ... 
 
luv Vanessa

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