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Alle M8 der Kunst?

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Die lange Liste der Ausstellungen während des 8 Festival for Fashion & Photography.

Da es sich zweifellos nicht nur schickt, sondern gar anbietet, Kunst und Mode über ein Diktum wie "Leinwände des Alltags" (Sabine B. Vogel im 8 magazine, offizielles Organ des 8 Festival for Fashion & Photography) miteinander zu verquicken, ist es nur logisch, dass ein auf sich haltendes Modeevent nicht umhin kommt, auch diesem Thema einiges an Raum und Aufmerksamkeit zu widmen.


Nachdem man sich auf Organisatorenseite ohnehin in der Ausrichtung von Themenschwerpunkten gefiel (der Preisverleihungsabend, der Shopnachmittag…), lag es offenbar nahe, einen quer durch die Stadt führenden Kunstparcours auszurichten. Stationen reichten vom tiefen Margareten (contemporary gallery) bis in den entfernten Alsergrund (WUK).

Der im Rahmen des Festivals privilegierte Ansatz - nomen est omen - läuft im wesentlichen auf eine Deklination diverser Positionen aus der Modefotografie hinaus. Letztere nimmt zwar im Treiben des Kunstmarktes eine etwas hybride Stellung ein, wenigstens die größten Vertreter der Zunft sind aber zweifellos als essentielle Impulsgeber für die Populärkultur anerkannt (à propos: noch bis Ende Juni in Wien zu sehen: eine vom Festival interessanterweise nicht annektierte Guy Bourdin-Ausstellung im KunstHaus).
Unlängst adelte übrigens Marion de Beaupré durch die Ausrichtung der Fashion 07 Schau im Kielwasser der Art Basel Miami die Modefotografie als einen durchaus sammelbaren Spross der hohen Kunst (www.artphotoexpo.com). Freilich krankt das Ganze mitunter ein wenig am Beigeschmack des reinen Kommerz. Weshalb man versucht ist zu fragen, ob andere Denkweisen des Mode-Kunst-Komplexes nicht interessanter und zielführender wären. Sei's aber drum, und gerade ein Mode-Fotografie-Festival in einer der beschaulicheren Kapitalen des Globus wird den Lauf der Dinge nicht ändern können.
Ein Résumé des Parcous:


Ein möglicher Beginn des vom 8er Festival angeregten tour de force war die contemporary gallery ( Diehlgasse 51), in welcher das modische gewissermaßen mit einem installativen Moment kurzgeschlossen wurde.
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In einer Installation samt Performance von Hanako Geierhos und Juma Hauser zunächst, die unter Zuhilfenahme von Theoriefragmenten aus der Spieltheorie die Personnage der Pik-Dame re- und dekonstruieren.
Die zur Installation gehörende Performance wird am Finissage-Abend (Freitag 6. Juni, ca. 19h30) erneut dargeboten.
Im Nebenzimmer ergeben Kollektionsteile der frisch gebackenen Modepreis-Trägerin Christiane Gruber (Awareness & Consciousness) nebst Fotografien von Bettina Komenda und skulpturalen Elementen von Alan Cicmak in einem Arrangement von Bert Houbrechts ein leicht heterogenes Ganzes. Jedenfalls sind in der contemporary gallery aber, und dabei handelt es sich gewiss um eine mit Aufmkerksamkeit zu verfolgende Spielstätte der Off-Kunstszene, Mode und Kunst auf eine durchaus bemühte, konzeptuelle und nicht unspannende Weise miteinander verwoben.

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Eher in Richtung Portfolio-Beschau ging die Ausstellung "no disco" im schaulager kunstbuero der Galerie Amer Abbas.
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Dort waren sieben Fotografien von Christoph Pirnbacher zu sehen – entstanden in Kooperation mit dem vortags durch das Vice-Magazine mit Lorbeeren bedachten Männermodemacher P. Petrov. Pirnbacher zeichnet auch als Fotograf des in Vice abgedruckten Editorials, dies der zugedachte Preis, verantwortlich. Der Pressetext ("Boys aus den Straßen von Paris") versprach Bilder, die ein wenig an Hedi Slimanes Berlin-Buch hätten erinnern können. Zu sehen war dann aber eine schlanke Auswahl von in höchstem Maße Lookbook-kompatiblen Studio-Großformaten, in denen nur orakelhafter Weitblick gleich welche Großstadt-Stimmung detektieren hätte lassen. Am ehesten erkennbar war noch ein leichter Anklang an die Atmosphäre der frühesten Dijkstra-Arbeiten.



Irgendwie hatte es auch die Galerie Momentum geschafft, ins Ausstellungsprogramm zu rutschen. Zwar mit einer Schau, die schon seit 4. April läuft – doch gilt die Fotogalerie wohl als insgesamt ausreichend Mode-affin, um unabhängig von Parametern wie Exklusivität und Thematik zum Festival stoßen zu dürfen.
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Ich ist eine andere titelt die Ausstellung, in welcher Positionen von Schweizer und österreichischen Künstlerinnen (man ahnt es wohl: derlei wird in näherer Zukunft vielerorts un-EM-gänglich sein) einander gegenübergestellt werden, dabei einem etwas schwammigen Motto folgend. Auch dürfte Rimbaud mit Je est un autre etwas anderes im Sinne gehabt haben als die Konstruktionsmodalitäten eines modisch manipulierten Selbst, doch in derlei minutiösen Details möge man sich besser nicht verlieren. Übrigens haben auch die ausgestellten Arbeiten mit Mode als vordergründigem Thema nicht allzu viel am Hut (am ehesten noch – mehr am Möbel als am Textil spürbar – eines der Großformate von Chantal Michel, siehe Abb.).



Nächster Programmpunkt mit fragwürdigem Festivalbezug: Unweit der Fotogalerie findet sich der Salon für Kunstbuch, welcher es irgendwie (?) als Eintrag auf die Liste der Veranstaltungsorte geschafft hatte.
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Mit einem platten und dabei pseudo-raffiniert als Selbstparodie angelegten Konzept (Models lesen Theorietexte), das offenbar als Widerlegung eines Klischees der schönen Hirnlosigkeit (bzw. Hirnlosigkeit der Schönen) gedacht war, konnte immerhin eine Handvoll interessierter in die Mondscheingasse gelockt werden. Den schalen Nachgeschmack werden am schnellsten jene vergessen haben, die sich für Strategien der Kunst-PR interessieren: Offenbar lässt sich nämlich auf diese Weise ein Nebenschauplatz des Kulturgeschehens durch Verortung im Programm eines Festivals promoten, welches seinerseits unersättlich nach assoziierbaren Events strebt.





Zum Glück war andernorts Erfreulicheres zu sehen. house of the very island's… bewegte sich ein wenig außerhalb des angestammten Terrains, da nicht im Kunstraum auto installiert wurde, sondern im – tropisch überhitzten – elektro gönner. Was allerdings eine praktische Kohärenz des Kunstparcours gewährleistete, da kein Umweg ins entlegende Landstraßerische anzutreten war. Die Lokalität ist (noch bis 30. Juni) multipel mit Videos und Foto-tapezierungen zu Installationszwecken umgestaltet, und wenn auch der Kunst-Fokus ein wenig entschärft ist, weil die Arbeit sich mitten in den Lokalbetrieb einnisten muss, ergibt sich gerade aus dieser Unruhe des entschärften Fokus ein interessantes Zusammenspiel.



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Der letzte Stopp des Kunstabends war Michael Dürrs Cinéma photographique (unter dem man sich fast etwas wie eine anachronistische Camera Obscura vorstellen hätte wollen) im WUK: die erste Darbietung eines modischen Wanderkinos, das sich als Slideshow von Bildern aus Fashion Editorials mit Musikbegleitung entpuppte, abgespult inmitten einer "rauschenden Modeparty".

Das "cinéma photographique" wird in Zukunft auch open air – Galerien und öffentliche Parks oder Gärten im urbanen Bereich bespielen.



Zusammenfassend ist festzustellen, bei aller Freude über die Möglichkeit eines derart stadtumfassend ausgerichteten Kunstparcours (eine Alternative wäre übrigens, horribile dictu, die zeitgleich stattfindende Lange Nacht der Kirchen gewesen) und bei allem Respekt vor der Leistung der veranstaltenden Institutionen, dass man bei der Gestaltung des Ausstellungsprogrammes womöglich auch etwas weniger auf das Moment der Streuung setzen könnte. So wäre die Ausrichtung einer größeren und aufwändiger kuratierten Ausstellung im Rahmen des Festivals wohl zu überlegen. Damit brächte man sich zwar um ein paar Programmpunkte, doch würde es sich dabei um eine bloß vordergründige Einbuße handeln. Insgesamt täte eine größere Konzentriertheit der Rezipierbarkeit des Themenkomplexes durchaus wohl. Homogenität statt Weitläufigkeit wahrend gemäß einem bewährten Credo: Less is More.


DK


Für eine Übersicht siehe
8 Festival

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  Comments (2)
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Written by jeremiah, on 04-06-08 12:49
sehr interessant , dieser artikel ... eine tolle visuell-verbale übersicht verbunden mit objektiver mode.kritik ... ein novum für wien/österreich ...
Written by wt, on 13-10-08 12:02
danke für dieses conclusio - ohne nur einen part gesehen zu haben - ist meine vorahnung was zu sehen ich nciht versäumt habe hiermit bestätigt. merci - und: sehr charmanter sarkasmus ihrerseits, gefällt!

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