
Eine Medaille mit zwei Seiten
Am Sonntag endete in Berlin nach vier Tagen das aufregendste Modeevent der deutschen Hauptstadt. Vom 17. - 20.07. versuchte Berlin bereits zum dritten Mal aus dem Schatten ihrer großen Schwestern zu treten und das gelang nur teilweise...

Mercedes Benz Fashion Week Zelt am Bebelplatz
Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich besonders in Berlin die Modewelt in zwei Lager zu spalten scheint. Da gibt es zum einen die, die sich ausschließlich auf den Schauenplan des von Mercedes Benz und IMG gesponsorten Großevents konzentrieren, jeden einzelnen Tag herausgeputzt, in mörderisch modischen Stöckelschuhen den roten Teppich vor dem Zelt am Berliner Bebelplatz abschreiten, sich gelegentlich lächelnd vor der Sponsorenwand ablichten lassen, zwischendrinn zu Sekt und Häppchen in der Sponsorenlounge verschwinden, um dann später möglichst frisch ausschauend in der ersten Reihe zur Show den ihnen zugewiesenen Platz einzunehmen.

Michael Michalsky, Foto © Roman von Contzen
Highlights an abgelegenen extra für diese Ereignisse hergerichteten Orten, an die man sich im Mercedes Benz Shuttle chauffieren lässt, sind dann die Präsentationen von Bruno Pieters' neuesten Ideen für HUGO, Dirk Schönbergers aktuellen JOOP! Vorstellungen oder Herrn Michael Michalskys jüngsten Hirngespinsten: Glamour, Glanz und Gloria.

Mercedes Benz Shuttle Busse
Viel Lärm um nichts oder jedenfalls um nichts Spektakuläres - so könnte man meinen - auf der kleinen Schwester der großen Modewochen, die noch so einiges zu lernen hat.
Dazu könnte z.B. gehören, eigene, bestehende Vorzüge vorteilhafter in den Vordergrund zu rücken. So sind es besonders die Begleitveranstaltungen, die diejenigen, die auf der Suche nach Innovation und Avantgarde sind, zur Fashionweek in die deutsche Hauptstadt ziehen. Zählte dazu in den Vorjahren die Independentmesse Ideal im berühmt berüchtigten Café Moskau an der Karl-Marx-Allee, sind das heute mitunter die projekt GALERIE showrooms:

Flyer projektGALERIE
Dieses Mal an fünf Orten locker entlang der Torstraße in Berlins Mitte angeordnet, präsentierten Designer ihre kommenden Kollektionen gemeinsam mit den Arbeiten junger internationaler Künstler in entspannter Atmosphäre. Dass es dabei weniger um Verkäufe gehen würde, war dem Wiener Wilfried Mayer von Beginn an klar. Seine Musterteile, die es in der AB Project Gallery gemeinsam mit Entwürfen von Ute Ploier und Claudia Rosa Lukas zu sehen gab, zeigte er bereits in Paris. Berlin ist für ihn immer wieder, wie für viele seiner Kollegen auch, eine günstige und angenehme Möglichkeit, Konzepte vorzustellen, alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.

AB Project Gallery, Torstraße 96
Mehr um Inhalt als um Verkaufszahlen drehte es sich auch bei Dernier-Cri (aka Anna und Alexander Sova) im Temporary Showroom und bei Flor de Illusion, House of the very Island und Elfenkleid in der Janine Bean Gallery.

Designer Sales & Shopping Boutique, JB Space, Torstraße 230

Temporary Showroom, Kastanien Allee 36a
Weitere schöne zu entdeckende Orte waren die SevenStarGallery, in der LaLaBerlin die kommende Sommerkollektion präsentierte, an demselben Ort, an dem auch die projekt GALERIEsten ihre Veranstaltung musikalisch ausklingen ließen.

SevenStarGallery, Gormannstraße 7
Musik gab es auch bei Metropol Parasol, wo Kunst auf Mode traf. Das Berliner Independentmagazin 032c präsentierte im neuen Adidas Konzeptstore auf der Torstraße das jüngste Projekt des Architekten J. Mayer H. und konnte zu diesem Anlass Apparat zur musikalischen Untermalung gewinnen.

no 74, Torstraße 74
Auf der PREMIUM - nebem dem Modezirkus am Bebelplatz, den projekt GALERIE showrooms und dem Volksfest Wedding Dress die vierte große Stütze der Berlin Fashion Week - ging es unverblümt wirtschaftlich zu. So bildete die reine Einkäufermesse, auf der es weitere österreichische Designer wie Petar Petrov, Lena Hoschek oder Gina Drewes zu entdecken gab, den Gegenpol zu den restlichen Veranstaltungen, die eher dem Schauen und Kontemplieren gewidmet waren, beabsichtigt, oder nicht.

Premium
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Berlin als Modestadt kommt. Wann es da sein wird und was das letztlich heißt, vermag niemand so genau zu prognostizieren. Der richtige Weg jedenfalls ist, aus dem Schatten der großen Schwestern zu treten und eine eigene Linie zu verfolgen. Einige haben das bereits verstanden, andere noch nicht so sehr. Es bleibt zu hoffen!
Mahret Kupka,
freie Modejournalistin in Berlin.
Sie publiziert in diversen deutschen und internationalen Magazinen und Zeitungen. Daneben pflegt sie ihr persönliches Blog F&ART, welches an der Schnittstelle von Mode und Kunst operiert.
Links:
fashion-week-berlin
projektGALERIE
SevenStarGallery
Temporary Showroom
J. Mayer H
032c
Metropol Parasol
no74-berlin
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