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Hallo Wien? Ici Paris!

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Auf der Suche nach in Paris lebenden Kreativen mit Österreichbezug


Während der Modewoche ist tout Paris eine Art Babel der internationalen Kreativszene. Wer zählt die Völker, nennt die Namen, kann einem da Schiller in den Sinn kommen. Der Spuk ist freilich so rasch wieder vorbei, wie er gekommen ist.

Und doch und doch… Als echte Weltstadt ist Paris freilich zu jeder Zeit ein Magnet für Kreative aus aller Herren Länder, die ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegen. Dass sich darunter auch der eine oder andere Österreicher oder Designer mit engem Österreichbezug findet, ist nur logisch. austrianfashion.net begab sich auf die Suche, um – siehe oben – mit ein paar Namen aufwarten zu können. Und traf auf fünf ganz besondere Persönlichkeiten.



Peter Mucha
Norbert Schien
Agnès Bernet
Robert Stadler
Michaela Bürger


 

 

Peter Mucha – ein Kreativer im Dienste großer Häuser

Nach dem Universitätsdiplom stellt sich für junge Modeschaffende bekanntermaßen die Frage, welchen Weg sie fürs erste wählen möchten: jenen hin zur Gründung eines eigenen Labels oder doch in die Assistenztätigkeit bei einem größeren Haus. Letzteres freilich erfordert zumeist den Schritt ins Ausland.

Peter Mucha, der 2002 nach Studienjahren in Arnheim und Wien diplomierte, entschied sich für die zweite Option und lebt seit nunmehr fünf Jahren in der französischen Hauptstadt – capitale de la mode, wie man gerne sagt. Dass ausgerechnet Paris zu seiner Wahlheimat wurde, übrigens, habe sich auch durch einen Zufall ergeben, da sich gerade im richtigen Moment eine Wohnmöglichkeit auftat. Bekanntlich tut man bisweilen gut daran, dem einen oder anderen Wink des Schicksals zu vertrauen.

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Photo © Ignaz Cassar

Der Schritt nach Paris bedeutet für Mucha das Erschließen von neuen Horizonten und wertvollen Kontakten: Bereits sein erster Einsatz als Assistenzdesigner katapultiert ihn in den Umkreis der Kreativgiganten. Auf die Maison Martin Margiela folgen Grès, Claude Montana und Nicolas Andreas Taralis. Bei Givenchy wird er aufgenommen, als gerade der junge und vielleicht eine Idee kapriziöse Ricardo Tisci das Ruder übernehmen darf. Hierauf folgen Tätigkeiten für Balmain, das japanische Avantgarde-Label Commuun und zuletzt das Studio des Produktdesigners Ora Ïto. Dort ist Mucha verantwortlich für eine in Entstehung begriffene Kooperation mit einem Modekonzern, über die derzeit noch keine Details an die Öffentlichkeit gehen dürfen.

Mucha, der für seine Diplomkollektion 2001 mit dem Modekreis des Kunstministeriums ausgezeichnet wurde, leistet in Paris erstklassige Kreativarbeit, welche den Ansprüchen der bedeutendsten Häuser zu genügen vermag. Der Parcours durch die Hierarchien der Modelandschaft ist nicht ganz einfach, doch über die Jahre machen sich Beharrlichkeit und ambitionierter Anspruch an das eigene Wirken bezahlt. Paris müsse zwar nicht für immer seine Heimatstadt bleiben, so Peter Mucha, der sich auch vorstellen kann, etwa für eine Maison in Mailand oder Übersee zu arbeiten. Der Schritt zurück nach Wien allerdings komme nach zu langer Gewöhnung an den famosen air de Paris für ihn aber nicht mehr in Frage.

 

 

Norbert Schien – Paris Luxus pur

Für ein rasches Déjeuner mit Norbert Schien während der Arbeitsstunden begebe man sich Rive Gauche, und zwar an eine für Adepten des Produktdesigns und der Innenarchitektur fast legendäre Stätte. Herr Schien nämlich arbeitet im Studio Andrée Putman als projektverantwortlicher Designer. Und ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass man es ruhig wagen kann, sich einer durchaus verehrten Persönlichkeit beherzt als Mitarbeiter anzubieten, so man (zu Recht) an die Qualität der eigenen Arbeit glaubt.

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Noch während seines Studiums, begonnen in Wien doch alsbald nach Hamburg an die Hochschule für bildende Künste verlegt, gelangt er zur Überzeugung, dass Paris einen beruflichen Abstecher wert sei. Seine Bewerbung bei Andrée Putman führt zunächst zu einem befristeten Vertrag, geht alsbald in ein reguläres Anstellungsverhältnis über. So er von seiner Arbeitgeberin erzählt, gerät Schien übrigens ein wenig in – durchaus berechtigtes – Schwärmen, indem er sie als eine der letzten wahren Designlegenden des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

An Paris wie auch der Arbeit im Studio Putman mit seinem sehr anspruchsvollen und wohlhabenden Kundenkreis schätzt Schien die Option eines Experimentierens mit Luxus und die sich aus handwerklichem Können eröffnenden Möglichkeiten. Nirgendwo anders als in der Mutterstadt der Haute Couture sei vielleicht, mutmaßt er, eine derartige Bandbreite an hoch spezialisierten Betrieben erhalten geblieben, auf deren generationenübergreifendes Fachwissen man sich beim Entwerfen von Neuem verlassen könne.

Schiens eigene Arbieiten – sein Diplom erlangte er in Hamburg im Frühsommer 2008 – zeichnen sich durch eine schnörkellose Formensprache aus, die von großer Liebe zum Detail, einer reflektierten Raffinesse der Simplizität, kündet.

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Diplomarbeit, Verborgene Eigenschaften, 2008
Photo © Corinna Bendig

Mit dem Abschluss seines Studiums und nach zwei Jahren in Paris ist es für Norbert Schien nicht ganz klar, ob die Zeit gekommen ist, wieder den Wanderstab in die Hand zu nehmen. Mobilität hat sicher ihr Gutes, ist aber kein Selbstzweck: "Du kannst neu anfangen, du kannst deine Fehler aus einer alten Stadt Revue passieren lassen, du machst neue Fehler – die wichtigste Frage ist, ob man nicht vor etwas wegläuft." Wenn es danach geht, könnte Paris für unbestimmte Zeit seine Wahlheimat bleiben, denn es scheint wahrhaft nicht, als müsse Norbert Schien vor etwas weglaufen. Ganz im Gegenteil.

 

 

Agnès Bernet – anspruchsvolles Arbeiten für erlesene Kunden

Leise und doch bestimmt spricht sie und vermittelt so den Eindruck, sehr genau zu wissen, worum es ihr geht. Ein Eindruck im übrigen, der nicht täuschen dürfte: Agnès Bernet fällt nicht im eigentlichen unter den Oberbegriff "Österreicher in Paris", doch hat die gebürtige Schweizerin an der Universität für Angewandte Kunst unter Castelbajac, Victor & Rolf und Raf Simons Mode studiert. Ohne irgendwelche unangemessenen Zuschreibungen oder Annexionen vorzunehmen, kann man die mittlerweile in Paris lebende Designerin wenigstens in Ausbildungsdingen also mit der heimischen Szene assoziieren.

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Photo © Sébastien Agnetti

Den Schritt in die französische Hauptstadt machte Bernet zunächst als Assistentin von Gaspard Yurkievich, bald erfolgte aber die Gründung eines eigenen Labels Agnès Bernet und damit der Schritt zur kreativen Eigenständigkeit. Seit vier Jahren verfolgt sie in diesem Rahmen die konsequente Weiterentwicklung einer Arbeitsweise am Körper, welche hin zum äußerst Exklusiven, Kleinteiligen, Auserlesenen geht.

Interessanterweise, und der Verfasser dieser Zeilen kann als ehemaliger Paris-Bewohner diese Aussage nur zu gut nachvollziehen, sind es die Atmosphäre und die Lebensbedingungen in Paris, die – so die Designerin – das Ihre dazu beigetragen hätten, dass sie sich von der Kreation ganzer Kollektionen hin zum Einzelstück, häufig mit Schmuck- oder Accessoirecharakter, bewegt habe. Eine große Werkstatt einzurichten, geeignete Arbeitsräume zu schaffen: all dies erweise sich in Paris, wo Mietflächen hoch bepreiste Mangelware sind, als über die Maßen kompliziert. So entspreche das minutiöse, detailverliebte Arbeiten einer Art Abkehr von äußeren Zwängen und habe sich über die Zeit als jener Prozess herausgestellt, welcher ihr ohnehin am meisten behage, meint Agnès Bernet.

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Photo © Sébastien Agnetti

Die einzelnen Teile aus Bernets Linie stehen außerhalb von saisonalen Zusammenhängen und werden über ein ausgesuchtes Netz internationaler Boutiquen oder Concept Stores vertrieben. Die nahezu schon psychologische Dimension einer Auseinandersetzung mit Kunden, die sie oft persönlich kennt, liegt ihr am Herzen, da sie sich obendrein wenig für wechselnde Trends und Moden sowie den unablässigen Konsum eines häufig wenig qualitativen Produktzyklus interessiert. Entschleunigung und Rückbesinnung auf Wesentlichkeiten dominieren das kreative Arbeiten von Agnès Bernet.

Und so ist sie heute an einen Punkt gelangt, an welchem ihr beharrliches Verfolgen eines sehr eigen gearteten Kreationsprozesses jenseits der Konventionen des ungeduldigen Modebetriebes beginnt, Früchte zu tragen und sie zum Anlaufpunkt eines ausgesuchten internationalen Kundenkreises macht. Fraglos ist es einer der Vorteile von Paris, solche Kunden in ganz besonderem Ausmaß anzuziehen.

www.agnesbernet.com

 

 

Robert Stadler – anerkannt und fast schon institutionalisiert

Bei Robert Stadler handelt es sich gewissermaßen um einen bloß zufälligerweise mit österreichischer Staatsbürgerschaft ausgestatteten Pariser, denn der gebürtige Wiener lebt seit den frühen 90ern in der französischen Metropole und ist dort ganz und gar heimisch. Dorthin gelangte er übrigens nach einem in Mailand absolvierten Studium des Produktdesigns.

Monsieur Stadlère, um das Ganze ein wenig auf die Spitze zu treiben, lebt und arbeitet als im Pariserischen völlig anerkannter Kreativer. Nennenswert ist etwa die Gründung einer Gruppe von Industriedesignern RADI, welche Aufträge von internationalen Kunden erhält und, wie man prosaisch sagen könnte, sehr "gut im Geschäft" ist. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit im Kollektiv betreibt Stadler seit 2000 ein Studio unter eigenem Namen, in dem er vielfältigen Aufgaben nachgeht, vom seriellen Design hin zu Kleinstserien mit Kunstcharakter. Ein wenig Modeaffinität ist auch dabei: die Auslagengestaltung für Dior zur Weihnachtssaison 2007 erweitert das übrige Œuvre um eine interessante Facette.

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Dior , Christmas windows 2007, worldwide
Photo © Marc Domage

Der Herbst 2008 lässt sich übrigens gut an für Stadler, der seit kurzem auch von der relativ jungen Londoner Design- und Kunstgalerie Carpenters Workshop Gallery vertreten wird: Eine Einzelausstellung in der renommierten Galerie von Emmanuel Perrotin im Marais unter dem Titel Dissipations stellt zweifellos einen markanten Punkt in Stadlers professionellem Curriculum dar.

Dass der Designer in Frankreich als Teil der heimischen Szene perzipiert wird, verdeutlichen zwei Beispiele: Einerseits schuf er auf Einladung der Organisatoren für die Pariser Nuit Blanche eine viel beachtete Installation in der Kirche Saint-Paul-Saint-Louis mit dem bezeichnenden (und zugleich das Werk beschreibenden Titel) "?".

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?, Light installation at Saint-Paul Saint-Louis church / Nuit Blanche Paris 2007
Photo © Marc Domage

Andererseits wurde er von der Académie des Césars, die bekanntlich den wichtigsten französischen Filmpreis vergibt, eingeladen, die Trophäe für den neu geschaffenen Prix Daniel Toscan du Plantier zu kreieren. (Interessanterweise ist der "César" übrigens nach jenem Bildhauer benannt – César Baldaccini -, der die Preistrophäe schuf. Konsequenterweise könnte sich also die neu inaugurierte Auszeichnung als "le Robert" etablieren. Wer weiß?) Es steht außer Frage, dass man solch ehrenvolle Aufträge nicht in unverdiente Hände gibt. Und auch nicht gerne in fremde. Für die Franzosen ist offenbar Robert Stadler ganz und gar un des leurs – einer der Ihren also.

Robert Stadler ist übrigens auch auf der Vienna Design Week vom 2. bis 12. Oktober präsent und schuf eine künstlerische Intervention in der Loos-Wohnung am Karlsplatz als einen der fixen Programmpunkte.

www.robertstadler.net

 

 

Michaela Bürger – eine arbeitsame vraie Parisienne

Zur Plauderei mit Michaela Bürger trifft man sich zum Beispiel après travail auf einen Aperitiv unweit ihres Studios. Wobei gilt: nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Es scheint, als gebe es für die geradezu im Übermaß energiegeladene Designerin immer etwas zu tun.

Aus Kärnten gebürtig, hat Michaela Bürger in Wien studiert – nämlich gleich zweierlei, wohl um die eigenen Kapazitäten auszuschöpfen. In der Klasse für Bühnenbild an der Universität für Bildende Künste bei Erich Wonder zum einen (Diplom 2003), in der Meisterklasse für Mode an der Angewandten bei Simons und Branquinho zum anderen (Diplom 2006). Da sie bereits ab dem zweiten Studienjahr als Assistentin Wonders für Aufträge an internationalen Bühnen zuständig war, gestaltete sich das zweite Studium – absolviert im Eiltempo – ein wenig kompliziert und energieaufwändig; an Komplikationen und Aufwänden gleich welcher Art scheint Frau Bürger allerdings eher zu wachsen als zu verzweifeln.

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Photos © Anna Dabrowska

Nach dem Modediplom, ihrem zweiten also, packt sie 2006 die Koffer und bricht nach Paris auf, wo sie in den Jahren zuvor als Assistentin von Véronique Leroy erste Kontakte geknüpft hat. Eine logische Entscheidung für jemandem, dem es an Selbstbewusstsein und Können nicht fehlt und der seine Fähigkeiten gerne in medias res überprüfen möchte. Konsequenterweise nimmt Michaela Bürger die Sache in die Hand und erarbeitet sich innerhalb von nur zwei Jahren einen beachtlichen Status. Zunächst natürlich betreibt sie – vorwiegend in Nachtarbeit – ihr eigenes Label Michaela Bürger mit Präsentationen bislang im Showroom Rendez-Vous. Ihre Produktionsstätten sitzen in Frankreich, was sich zwar nicht eben kostensenkend auswirkt – doch Qualität hat ihren Preis. Und Bürgers wachsende Klientèle ist offenbar bereit, diesen zu zahlen.

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Photos © Anna Dabrowska

Ab Herbst 2008 hängen ausgewählte Kreationen im Espace Créateur des Pariser Luxuskaufhauses Le Bon Marché. Eine Kooperation mit der Maison Fabre, einem der anerkanntesten Erzeuger von luxuriösen Handschuhen, ist ebenfalls in Vorbereitung. Der finanzielle Rückhalt für derlei vielfältige Aktivitäten, welche den Bekanntheitsgrad der Designerin in Insiderkreisen rasch steigern werden, wird durch ihre Tätigkeit als Chefdesignerin bei einem kleinen Modelabel geboten. Das Ganze, so Michaela Bürger, mache ihr großen Spaß und sei anders auch gar nicht bewältigbar. Bloß der Tag könnte gut und gerne ein paar Stunden mehr in petto haben…

www.michaelabuerger.com


DK

 

 

 

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