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Tokyo mon amour
![]() Neun Wiener Modelabels demnächst in Nippon Japan und der Rest der Welt: Für einen Inselstaat, und schimpfe er sich Land des Lächelns, besteht naturgemäß stets die Gefahr der relativen Isolation. In der Vergangenheit war Japan auch tatsächlich lange förmlich abgeschottet, weshalb sich eine sehr spezifische und homogene Nationalkultur ausprägen konnte. Die wiederum inspirierte wiederholt Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle des Okzidents. In den letzten Jahrzehnten kam es wiederum – mögliche Stichworte: Massenmediengesellschaft und Global Village - zu einer fast vorbehaltlos anmutenden Öffnung des Landes. Japanern liegt es augenscheinlich besonders am Herzen, stets am Ball der maßgeblichen Kreativimpulse zu bleiben. In Modedingen nun, wie allseits bekannt sein dürfte, sind sie besonders rege an allem interessiert, was sie von anderswo, und gerne dem fernen Europa, erreicht. Bisweilen hört man gar in Insiderkreisen, dass das Land der aufgehenden Sonne der Überlebensmotor für eine beachtliche Anzahl kleiner Avantgardelabels sei – und das betrifft auch die österreichische Szene. In Anbetracht des großen Wohlwollens, das unabhängigem Modedesign im Land des Lächelns entgegengebracht wird, scheint es logisch, dass eine erste von der Wirtschaftskammer Wien mitorganisierte und mitfinanzierte Unternehmung nach Tokio führt. "Vienna Fashion in Tokyo" lautet der zuletzt proklamierte Titel dieser Reise, die von den Designern Florian Ladstätter und Klaus Mühlbauer in Kooperation mit der Wien Products Division der WKW vor etwa sechs Monaten initiiert wurde. ![]() Mühlbauer, Foto: Bernhard Fuchs Das Ergebnis liegt nun vor, und es ist ein beachtliches: Neun Wiener Labels, die von Kopf bis Fuß mit Taschen, Hüten und Schmuck sowie Damen- und Herrenkonfektion die gesamte Palette des moderelevanten Schaffens abdecken, werden sich am 9. und 10. April in Tokio präsentieren. Das heißt, und darin besteht nun die Besonderheit, man wird sich in professionellem Rahmen und publicityträchtig in Szene setzen: Zunächst im Rahmen einer Modenschau im LaForet Museum, dann in einem Showroom in Omotesando Hills. Um ideale Voraussetzungen zu schaffen, wurde im Vorfeld eine Delegation von fünf japanischen Journalisten zum Lokalaugenschein eingeladen. Befragt nach den Erwartungen, die man in der Wirtschaftskammer der Präsentation in Tokio entgegenbringt, meint WKW-Projektverantwortlicher Viktor Vanecek, dass man "das Interesse an Wiener Mode in Japan noch weiter entwickeln und den Wiener Designern die Möglichkeit bieten will, sich dem interessierten japanischen Publikum zu präsentieren." ![]() Foto courtesy of WKW/Florian Jewelry Mit Anna Aichinger, Edwina Hörl, Florian Jewelry, Hartmann Nordenholz, Ludwig Reiter, Mühlbauer, rosa mosa, Rose Beck und Wilfried Mayer wurde eine wahrhaft würdige Gesandtschaft zusammengestellt. Entsprechend optimistisch gibt sich auch Mitinitiator Klaus Mühlbauer: "Ich denke, dass das eine einmalige Gelegenheit ist, sich an einer 'exotischen' Destination zu präsentieren. Japan zählt zu den wichtigsten Märkten für Modedesign, die Japaner sind die modeinteressiertesten Menschen weltweit. Die Show ist auch für uns Wiener die Chance, neue Kunden zu finden." Die Erwartungen sind also durchaus konkret und zielen auf Acquise bzw. das Schärfen des eigenen Profils in einem Kontext ab, wo die Moden rasch wechseln und favorisierte Designer einander schnell ablösen. Fraglos bedeutet es für die zur Teilnahme an dem Projekt eingeladenen Designer eine wichtige Chance, bereits bestehende Kontakte auszubauen und die im Regelfall zweimal jährlich stattfindenden Zusammentreffen mit japanischen Einkäufern und Journalisten um eine neue Dimension zu erweitern. Eine Art wandernde Modewoche mit Betonung des lokalen Moments. ![]() Foto courtesy of WKW/Rose Beck Ein Anlass für das Projekt bzw. ein guter Grund für den Fokus auf Japan wurde mit dem Österreich-Japan-Jahr 2009 aufgefunden. Dazu weiß die seit langem in Japan ansässige Designerin Edwina Hörl, gleichermaßen eine Lokalmatadorin in doppelter Hinsicht, Aufschlussreiches zu berichten: "Diese 'Länder-Freundschaftsjahre' kommen hier immer ganz gut an und werden von den Medien gerne als Aufhänger oder Anlass genommen, um geballt Spezial-Issues über dieses befreundete Land herauszubringen." Beste Karten also für die "fahrenden" Designer, die sich denn auch voll des Optimismus über die bevorstehende Tour aussprechen. ![]() Edwina Hörl, Foto: Seiji Shibuya Simone Springer und Yuji Mizobuchi (naturgemäß bestens mit Japan vertraut…) sind gemeinsam rosa mosa und verweisen auf die Gelegenheit, das Profil ihres Labels durch die Präsentation vor Ort "atmosphärisch klarer zu machen" und sich bei bestehenden und eventuell hinzukommenden Neukunden durch Show und Showroom besser einzuprägen. ![]() rosa mosa, Foto: Manfred Veigl Männermodemacher Wilfried Mayer gibt sich davon überzeugt, dass sowohl Gelegenheit zu wertvoller Marktrecherche vor Ort bestehen wird, wie er auch auf das Anbahnen wichtiger Pressekontakte setzt. Anna Aichinger setzt auf die Möglichkeit, "in Paris gewonnene Kontakte zu intensivieren und den Einkäufern nochmals die Kollektion nicht nur am Kleiderständer, sondern mit einer Fashionshow zu präsentieren." ![]() Wilfried Mayer, Foto: Georg Eckmayr ![]() Anna Aichinger, Foto: Irina Gavrich Ähnlich beurteilt wird die Situation von Agnes Schorer und Filip Fiska, den Designern von Hartmann Nordenholz, deren Kollektion obendrein bis 8. April in ihrem eigenen Tokioter Showroom gezeigt wird: "Wir können durch die Modenschau, die zeitlich direkt an unseren Showroom in Tokio anschliesst, die Kollektion in professionellem Rahmen adäquat präsentieren und dadurch das Label in Japan besser positionieren." ![]() Foto courtesy of Hartmann Nordenholz Bleibt also nur mehr, dieser erlesenen Designerschar für ihren ehrgeizigen Abstecher nach Japan das Allerbeste - nämlich die Erfüllung ihrer Erwartungen - zu wünschen. Auch, weil hier der Mut gezeigt wird, sich einmal abseits der ausgetretenen Modewochenpfade und Präsentationsmodi zu bewegen und etwas Neues zu versuchen. ![]() Foto courtesy of Ludwig Reiter Vom WKW-Verantwortlichen Viktor Vanicek erfährt man übrigens, dass es sich bei dem Tokioprojekt um keine einmalige Angelegenheit handeln werde: "Es sind auch Präsentationen in den nächsten Jahren geplant. Wie diese aussehen können und wo diese stattfinden, wird noch zu besprechen sein. Die teilnehmenden Designer sind nicht fixiert." Gute Aussichten also für die recht umfassende Riege von heimischen Modemachern mit internationalem Profil, die womöglich (und hoffentlich) reihum zum Zug kommen werden. Wer eine Reise tut, will schließlich gut vorbereitet sein… Show 9.April, 19.00 Uhr LaForet Museum Roppongi Showroom 10.April, 11.00 - 18.00 Uhr Omotesando Hills Links Wien Products Anna Aichinger Edwina Hörl Florian Jewelry Hartmann Nordenholz Ludwig Reiter Mühlbauer rosa mosa Rose Beck Wilfried Mayer (DK)
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