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Vienna-London Round Trip

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Angewandten-Student George Bezhanishvili auf der Graduate Fashion Week



Es ist nicht leicht George Bezhanishvili im vollbesetzten Café Prückel zu finden. Der 21jährige Student der Angewandten wirkt im dezenten Samtblazer und mit zerzausten Locken fast ein bisschen unscheinbar. Zumindest seine Kreationen scheinen aufzufallen: Nach dem Preis des Schweizer Textilverbands im letzten Jahr kann er heuer eine Teilnahme an der Graduate Fashion Week in London verbuchen. George wirkt sehr ruhig, entschuldigt sich für sein Deutsch, fragt, wie man seine Mode findet. „Ich arbeite sehr viel“, bekräftigt er immer wieder. Wenn er seine Outfits beschreibt, schwingt etwas Verträumtes mit. Deshalb ist George Bezhanishvili auch das perfekte Testimonial für seine neue Kollektion Jheronymus: Sie zeigt das Traumhafte, das Surreale, das Chaos. Bunt, asymmetrisch, streng und doch romantisch.


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Portrait George Bezhanishvili


AUSTRIANFASHION.NET: Gratuliere, du fährst als erster Student der Angewandten auf die Graduate Fashion Week nach London. Wie hast du das geschafft?

George Bezhanishvili: Die Projektleiter aus London haben die Einladung an die Angewandte geschickt, unsere Kollektionen für die Fashion Week einzureichen. Nach einiger Zeit kam dann eine E-Mail, dass ich nach London kommen darf, um meine Kollektion zu zeigen. Ich mache aber keine Show, nur einen Showroom, und nehme meine letzte Kollektion und meine neue Kollektion mit. Weil die Angewandte-Show am 10. Juni ist, kann ich auch gar nicht lange bleiben.


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Kollektion Jheronymus, 2009


AF: Wie wird der Showroom aussehen?

GB: In der Mitte wird ein großes Poster hängen, eine farbenfrohe, üppige Kollage, die in der Researchphase entstanden ist. Rechts und links werden meine Kleider und Lookbooks zu finden sein.


AF: Weißt du über das Publikum dieser Fashion Week Bescheid?


GB: Ich hab gestern auf der Website gelesen, dass viele Talente dort entdeckt wurden, wie Hussein Chalayan oder Christopher Bailey. Es ist wohl eine gute Plattform für Leute, die mit der Schule fertig sind. Bestenfalls staubt man dort einen Job ab. Es gibt viel Presse, Preise und Shows.


AF: Die Inspiration deiner letzten Kollektion war Devendra Banhart, zumindest wurde es in einigen Reviews so beschrieben. Ist das eine Zuschreibung oder war das wirklich so?

GB: Das war so, ich habe nur mit Devendra-Images gearbeitet. Die Models waren langhaarige Indie-Typen, ich wollte einen leichten Gypsy-Look kreieren. Die neue Kollektion ist so was wie Part 2 dieser Kollektion. Es ist derselbe Männertyp. Dash Snow, der Fotograf, hat mich inspiriert: Männer mit Bärten; die teuren Stoffe, die ich letztes Jahr gewonnen habe, mit viel Flora drauf. Damit wollte ich das Chaos bei Hieronymus Bosch ausdrücken. Ich habe auch sinnliche Accessories mit Gold und Silber, Taschen aus Pelz und Leder gefertigt. Das wird alles sehr wild: Bärte, teure Stoffe, Leggins, nackte Füße.


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Kollektion Long Haired Child, 2008


AF: Ist das deine Antwort auf die Wirtschaftskrise?

GB: Mir geht die Krise total auf die Nerven. Ja, aber das Chaos gehört wohl auch dazu. Aber die Teile sind sehr teuer, kosten 1000 Euro pro Outfit. Vielleicht ist meine Kollektion eher eine Gegenbewegung zur Krise, wegen der hohen Stoffqualität und dem Luxus.


AF: In London stehen die Graduates verschiedener Hochschulen im Mittelpunkt. Was unterscheidet die Modeklasse der Angewandte von anderen Schulen?

GB: Ich bin ja noch kein Graduate. Aber an der Angewandten geht es sehr persönlich zu. Vielleicht ist das auch nur die Stimmung in der Modeklasse. Auch bei den Shows kannst du sehen: Die Farben und Silhouetten sind ruhig, sehr kommerziell. Das hat auch viel mit Veronique Branquinho zu tun. Ich bin mir sicher, dass nächstes Jahr bei Bernhard Willhelm eine ganz andere Stimmung herrschen wird. Es wird vielleicht total freaky.


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AF: Hast du das Gefühl, dass sich die Studenten so stark an den Professoren orientieren?

GB: Es geht schon um Individualität. Du musst dir halt die besten Sachen rausnehmen und mit deinen eigenen mischen. Veronique macht etwas ganz anderes als ich. Ich finde das aber nicht schlecht. Ich war schon immer ein bisschen anders.


AF: Mit deiner letzten Kollektion hast du ja einiges gewonnen, auch diese Teilnahme. War das nur logisch, weil du so aus deiner Klasse rausstichst?

GB: Ich  arbeite einfach viel. Zuletzt habe ich einen Wettbewerb in Italien gewonnen, mit dem Geld mache ich jetzt auch diese Kollektion. Auch ohne den Schweizer Textilpreis wäre sie so nicht möglich gewesen. Ich freu mich auch über die ganze Presse.


AF: Du hast erzählt, dass du im nächsten Jahr ein Praktikum planst. Wie schwierig ist es bei großen Häusern reinzukommen?

GB: Schon schwierig. Ich würde am liebsten eines bei YSL machen. Da werde ich mal meine Sachen zusammenstellen und einfach hingehen. Mal sehen, ob sie mich nehmen oder nicht. Ich bin jetzt nicht so arrogant und sage: Die nehmen mich sicher. Letztes Jahr hab ich Kuki de Salvertes getroffen, PR-Agent bei Totem in Paris, der war interessiert und sehr nett. Du zeigst halt dein Portfolio herum. Das dauert dann. Jetzt ist es noch komplizierter, gerade braucht niemand Leute.


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AF: Wann bist du nach Wien gekommen?

GB: 2005, mit 18. Ich wusste gar nichts über diese Schule. Eine Freundin hat mir davon erzählt. Aber ich wollte schon immer Mode studieren. Das war ein closed case.


AF: Wie geht deine Familie mit dem Erfolg um?

GB: Die ersten zwei Jahre wussten sie gar nicht, dass ich Mode mache. Sie waren immer dagegen. Ich hab gesagt ich mache Bühnengestaltung.


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AF: Gibt’s in Georgien, wo du herkommst, auch eine Modeszene?


GB: Es gibt eher ein Interesse für Theater, Modeleute arbeiten auch fürs Theater. Aber es gibt auch bekannte Leute von dort. Zum Beispiel Tata-Nake, zwei Schwestern, die haben in St. Martins studiert. In London hat grad ein Georgier den Harrods-Award bekommen, er heißt David Koma. Aber Shows oder Designer findest du in Tiflis keine.


AF:  Wie spricht man deinen Namen eigentlich richtig aus?

GB: Englisch George. Der Nachname ist eher schwierig, Veronique kann ihn heute noch nicht aussprechen: [Beschanschwili]. Auch Freunde von mir haben damit Probleme.


AF: Hast du noch nie über ein Pseudonym, einen Labelnamen, nachgedacht?

GB: Ich hab mir mal gedacht: Warum sollte ich was ändern? Auch wenn ich ein Label hätte, würde ich es lassen. Wenn die Mode gut ist, müssen die Leute den Namen lernen.


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George Bezhanishvili Myspace

„Long Haired Child“ 2008
Fotos © Andreas Waldschütz

Die aktuelle Kollektion von George Bezhanishvili wird im Rahmen der Angewandten Show 2009 am 10. Juni in der Stadthalle, Halle E gezeigt.





Text: Josef Jöchl ist Texter und freier Journalist. Außerdem betreibt er die Homepage Knosef.at.
Das Interview führten Josef Jöchl und die freie Journalistin Anna Neubauer.




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  Comments (2)
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Written by Fan, on 11-06-09 02:02
george, war super show heut abend!! danke!
Written by Christiane Neppel, on 04-07-09 13:01
Welch ein Geschenk eine solche Begabung wie Herrn George Bezhanishvili in Österreich "ausbilden" zu dürfen.Was für ein Aushängeschild für uns. Dieser geniale Kreator/Créateur ist ein ganz Großer.

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