Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
>
NEWSLETTER SIGN UP
CONTRIBUTE
Keep us informed about your current projects in Austria and beyond,
your group initiatives, collaborations, networks and research.
We welcome your contributions!
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
Am Ende war das Ganze irgendwie eine Gala der Gerda Buxbaum. Warum auch nicht? Schließlich hat die scheidende Direktorin der Modeschule Wien, zuletzt obendrein Leiterin des Bakkalaureatsstudiums Mode der Universität Linz, zehn Jahre lang die Geschicke des heimischen Fashion Circus entscheidend mitbeeinflusst. Hetzendorf verdankt ihr einen Fixplatz im Wiener Modetralala dank alljährlichem Défilépomp und internationale Netzwerkaktivitäten beachtlichen Ausmaßes (Aufsehen erregend eine Kooperation mit dem Tokioter Bunka College passend zum Österreich-Japan-Jahr 2009).
Entwürfe von Bunka-Studenten aus österreichischen Stoffen
Folgerichtig war der Festsaal des Wiener Rathauses am 16. und 17. Juni mit Würdenträgern, Adabeis und Journalisten wohl besetzt, von Schülern, Eltern und Lehrern des traditionsreichen Instituts ganz zu schweigen. Alle waren gekommen, um einen mehr als 250 Modelle umfassenden Schaumarathon mitzuverfolgen – und Gerda Buxbaum zum letzten Mal als Dame des Hauses zu erleben. Der Ausklang des Abends erinnerte an ein Wetten dass...? Finale mit Blumensträußen, Tränen der Rührung und Gruppenbildszenario. Geradezu aufschlussreich inmitten aller Danksagungen war die Verleihung eines Jux-Ordens des selbsternannten "Ministry for Foreign Fashion Affairs" (sic!) an Gerda Buxbaum durch Andreas Oberkanins. Letzteres zeugte auf fast drollige Weise von der Selbstwahrnehmung der durch ihn vertretenen Institution.
Ausbildungsschwerpunkt Textildesign
Bei allem Respekt für die "große Gymnastin" Hetzendorfs ("Spagat, Seiltanzen und Bungee Jumping" identifizierte Frau Buxbaum als Schlüssel zum Erfolg einer Modeschulendirektorin) waren die eigentlichen Protagonisten des Abends aber die Schüler und Studenten mit ihren Arbeiten. Abgesehen von den Kollektionen des Maturajahrgangs und des Bakkalaureatsdiploms schickten die meisten Jungdesigner nur ein oder zwei Outfits (oder Hutmodelle, Accessoires) auf den Catwalk: Zu wenig, um individuelles Kreativpotenzial stimmig zu ermessen, repräsentativ jedoch für das Leistungsportfolio der Ausbildungsstätte selbst.
New Era Dandy
Als Anerkennung für einzelne Leistungen wurden Preise und Stipendien vergeben – die Stadt Wien, der Verein der Förderinnen, Chevrolet, Triumph und Gerda Buxbaum selbst als Stifterin des "Director's Award" zeigten sich generös. Finanziell wird hier zwar diesseits der AFA-Liga gespielt, vielleicht wird sich unter neuer kreativer __federführung (man hört von kurz vor Abschluss stehenden Vertragsverhandlungen) aber der eine oder andere Hetzendorf-Bakkalaureus zu auch solchen Ehren emporarbeiten…
2050 - Überstandene Krisen
Unter den Jahrgangsprojekten der Modeschule blieb neben grünwellenbedingt topaktuellen Plastikrecylinglooks zum Beispiel "New Era Dandy" besonders in Erinnerung. Lust auf großes Kostüm war angesagt, wobei ein dandyeskes Strickensemble sich auch in Ascot ziemlich gut machen würde. Darüber hinaus war "2050" eine Aufforderung zum Überwinden krisenbedingter Traumata und katapultierte in visionär-outrierte Partystimmung mit Glitzer, Pelz & Metallschimmerndem: Wir werden Spaß gehabt haben…
Psycho-Logisch, Modelle von Richard Panzenböck
Tiefsinnig gab sich hingegen das Thema "Psycho-Logisch" für Kollektionen des Abschlussjahrganges. Unter anderem gaben sehr unmittelbare
Zwangsjackenzitate Einblicke in jugendlich gequälte Seelenwelten.
Outfits von Catrin Roher (links) und Stefanie Hofer
Irrsinn und Introspektion kehrten als Motive interessanterweise auch in Bakkalaureatskollektionen wieder. So etwa in den Diplomen von Catrin Roher, die sich dekonstruierend am Thema "Nervenkostüm" abarbeitete, und Brigitte Mair, die "The Inner Monster" als Veräußerlichung des Innenlebens anlegte. Einen ziemlich beunruhigenden Einblick in ihre "Essenz des Persönlichen" (Kollektionsthema für das 4. Semester) gab mit einem erstickenden Straightjacket-Jumpsuit Stefanie Hofer.
Projekt Gwau:nd des 2. Semesters Bakk.
Die beiden gelungensten Diplome des Abends wirkten durch reduzierte Klarheit. Milena Leszkowicz übersetzte für "Below 14th Street" die in Manhattans Straßengewirr vorgefundenen graphischen Strukturen in Elemente einer Kollektion, der man – ein großer Verdienst – das Konzept nicht unbedingt ansehen musste.
Milena Leszkowicz, "Below 14th Street"
Auch "Müßiggänger" von Anna Rihl – wiewohl von Bertrand Russell philosophischerweise untermauert und ambitioniert als Verweigerung des Nützlichkeitsprinzips angelegt – beeindruckte mit strengen, reduzierten Silhouetten (Schulterknappheit!). Bisweilen plakativ hinderliche Schlauchärmel zogen sich, ein Indiz für willkommene Variationsfähigkeit, nicht durch die gesamte Kollektion Rihls.
Anna Rihl, "Müßiggänger"
Knappes Résumé eines langen Abends: Hetzendorf hat der künftigen Privatière Gerda Buxbaum vieles zu verdanken, die Zukunft fürchten muss es in Anbetracht dieser geballten Wucht an Modekönnen definitiv nicht.
Alle Bilder: Max Moser
(DK)
Tipp: Mode[BA]exhibit
Absolventinnen des Modestudiums der Kunstuniversität Linz präsentieren im Rahmen einer Ausstellung ihre Kollektionen. Arbeiten von Selena Regenfelder, Brigitte Mair, Marie-Sophie Buxbaum, Diana Hovanakova, Lisa Pek, Milena Leszkowicz, Eszter Oscák, Anna Rihl und Catrin Roher sind zu sehen.
Advanced Minority Artspace
1070, Westbahnstraße 22
1.7. – 11.7. 2009
Vernissage: 1. Juli 2009 ab 19h