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Nicht auf Schmusekurs

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___fabrics interseason über ihre Pläne für den Modebachelor in Hetzendorf



Ab Oktober übernehmen Wally Salner und Johannes Schweiger als ___fabrics interseason die künstlerische Leitung des Modebakkalauretas der Kunstuniversität Linz in Hetzendorf. Im vorausschauenden Gespräch geben sie Einblick in ihre Absichten für die eigenständige Positionierung des Studiums in der Linzer Expositur. Und erklären, warum Kuschelkurs und progressive Programmgestaltung nicht unbedingt Hand in Hand gehen.


Welches Konzept habt ihr bei den Hearings für den Bakkalaureatstudiengang Mode in Hetzendorf präsentiert? Wie möchtet ihr eure Lehre anlegen?


Johannes Schweiger: Wir haben uns mit ___fabrics interseason als Designlabel im erweiterten Sinn und nicht als bloßes Modelabel vorgestellt, weil wir unsere Professur von Anfang an interdisziplinär anlegen wollen. Für uns war ausschlaggebend, dass wir eine alternative Position zum Modestudium an der Universität für Angewandte Kunst anbieten wollen. Es ist zwar klar, dass man in zwei Jahren, und auf die ist der Vertrag zunächst befristet, nicht gleich Welten ändern kann, aber wir möchten doch einen ernstzunehmenden Gegenpol im Kontext Wien schaffen. Wir haben schon beim Hearing ganz klar ausgesprochen, dass es uns nicht nur um ein Studium geht, in dem man schöne Kleider bzw. Mode der Mode willen macht, sondern dass man Mode auch anders denken kann.


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Aus der retrospektivischen Schau auf 10 Jahre ___fabrics interseason im Jänner 09 in Paris.

Geht es euch also darum, gleichsam das Interdisziplinäre nach Hetzendorf zu holen und die isolierte Position des Instituts für Textiles Gestalten zu kompensieren?


Wally Salner: Wir als ___fabrics interseason stehen ja für Mode im Sinne der erweiterten Schnittstelle in Richtung zeitgenössische Kunst, Design, Performance etc. Es war also auch eine klare Geste von der Kunstuniversität Linz, uns zu engagieren und dadurch unseren Modebegriff zu privilegieren.


Erstmals übernimmt jemand die Professur in Hetzendorf, der für eine künstlerische Leitung steht. Daraus ergibt sich ja gewissermaßen automatisch eine neue Gewichtung.

WS: Wir stehen definitiv für einen alternativen Zugang zu Mode, und es wird darum gehen, dem Bakkalaureatsstudium in Linz/Hetzendorf ein internationales universitäres Profil zu geben. Das ist unsere Vision, mit der wir angetreten sind.

JS: Inwiefern man eine klare Positionierung des Modestudiums abseits der Modeschule Hetzendorf herausarbeiten kann, ist ein anderer Punkt, der uns sehr wichtig ist. Wir werden derzeit selbst andauernd damit konfrontiert, dass wir in Hetzendorf unterrichten, und viele glauben, dass wir an der Modeschule arbeiten. Dabei unterrichten wir natürlich an der Universität Linz und möchten das Studium möglichst genreübergreifend anlegen. Das funktioniert aber anders, weil der Bakkalaureatsstudiengang ja in Hetzendorf angesiedelt ist und die Studierenden dort nicht in Kontakt mit anderen Instituten der Universtität treten können. Das wäre von der Konstellation her natürlich ideal. Das heißt, man muss auch vom Programm her viel progressiver sein, weil man sich vieles von außerhalb holen muss. An der Schule selbst passiert kaum etwas anderes außer Mode und Kleidermachen.


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Sommer 09, Dominant Design, Foto: Maria Ziegelböck

Wird euch zugestanden, dass ihr Gastvortragende nach Hetzendorf holen könnt?

WS: Das wird letztlich Gegenstand von Verhandlungen budgetärer Natur sein, wo es darum geht, ein freieres Programm gestalten zu können. Außerhalb des fixen Studienplanes natürlich, der vorgegeben ist. Das wird sich im Lauf des Jahres zeigen.


Welche Positionen können junge AbsolventInnen des Studiums im Modezirkus einnehmen, ob in Wien oder anderswo?


WS: Ich glaube, diese Frage stellt sich für die AbgängerInnen dahingehend, was sie selbst nach dem Studium machen wollen: Wollen sie in einen Großbetrieb gehen, bauen sie ein eigenes Label auf, wollen sie als StylistInnen arbeiten oder sich verstärkt in modetheoretischen Kontexten einarbeiten. Für uns ist es wichtig, die Studierenden zu führen und ihre Interessen herauszuarbeiten. Zu sagen, vielleicht geht dein Weg eher in Richtung eingenständigen Arbeitens und für dich ist die Arbeit in einem Designbetrieb spannender oder die Arbeit im Kunstkontext. Es geht also darum, die jeweiligen Eigenarten auszuloten und Möglichkeiten aufzuzeigen, den StudentInnen ein starkes Profil zu geben.

JS: Wir werden uns anfangs nur auf den letzten Jahrgang konzentrieren, der aus ungefähr 25 Studierenden besteht, und möchten hier eine sehr individuelle Betreuung anbieten. Wir wünschen uns für die Studierenden, dass sie, auch wenn es sich um ein Bakkalaureatsstudium handelt, beim Abschluss schon wissen, wohin sie gehen wollen. Wir können uns dann ja auch besser auf die Arbeiten einstellen, wenn wir wissen, was die/der Studierende in Zukunft vorhat.


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Ausstellungsansicht von der Manifesta 08, dominantes design, wanderer kommst du nach sparta...

Der Präsentationsmodus am Ende des Studienjahres ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt. Findet ihr die große Hetzendorf-Show in ihrer aktuellen Form, wo die Modeschule und das Bakkalaureat gemeinsam zeigen, zielführend? Oder sollen andere Modalitäten angedacht werden?

WS: Es war definitiv Teil unserer Überlegungen, dass die Abschlusspräsentation des Studiums an einem alternativen Ort stattfinden soll, wie auch immer sie aussehen wird. Ob es eine Performance wird oder eine klassische Modenschau oder eine Mischform, wird sich erst herausstellen. Aber es ist definitiv ein wichtiger Punkt für uns, hier eine Form von Abgrenzung durchzuführen. Damit klar wird, dass die Modeklasse nicht im Gesamtpool „Modeschule Hetzendorf" rezipiert wird.


In den letzten Jahren wurden in Wien sehr viele Labels von Jungdesignern gegründet. Wird eurer Meinung nach diese Euphorie in Anbetracht der gegenwärtigen Situation zurückgehen?

JS: Wir werden die Studierenden ganz bestimmt mit gewissen Realitäten konfrontieren. Natürlich ist niemand davon abzuhalten, sein eigenes Label zu gründen, und Österreich ist da in mancher Hinsicht ziemlich verlockend, weil es viele Fördermöglichkeiten gibt. De facto hängt es immer von den Leuten und von den Labels ab, inwieweit das funktionieren kann und wie lang man durchhält.

WS: Die Gründereuphorie der letzten Jahre hat sich gravierend verändert. Die Quasi-Naivität, mit der wir selbst angefangen haben zu arbeiten, ebenso der unglaubliche Idealismus, der Zeitaufwand und unser Engagement - das macht natürlich total Sinn. Aber eine Garantie für internationalen Erfolg gibt es nicht. Die Überlegung, wie baue ich ein Label auf, ist zu kurzfristig, wenn sie nur auf dem Umstand beruht, dass man in Österreich anfangs vielleicht großzügige Förderungen bekommt.


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Sommer 09, Dominant Design, Foto: Maria Ziegelböck

Werdet ihr also mit euren eigenen Erfahrungen aus zehn Jahren ___fabrics interseason den Studierenden beistehen?


WS: Auf jeden Fall! Wie gesagt, die Erweiterung des Modefelds in ganz viele Richtungen, das Herstellen von Synergien mit anderen Bereichen, all das macht auf jeden Fall Sinn. Ich glaube, es geht weniger darum, ein eigenes Label zu lancieren, als ein eigenes Profil zu entwickeln. Eine starke, reflektiere Positionierung im Modekontext, darum geht es.

JS: Es ist wichtig, Mode nicht als eine homogene Spielwiese zu sehen, sondern als ein Berufsfeld zu begreifen, in dem man unterschiedlich agieren kann. Während des Studiums sollte man die Möglichkeit haben, Dinge auszuloten und auszuprobieren, aber irgendwann muss man dann auch im Leben stehen und Revue passieren lassen, was das Studium gebracht hat... und wo man hin will.

WS: Ein Schmusekurs wird es nicht werden, das ist klar. Es geht um Konfrontation und auch darum, mit einem herkömmlichen Modebegriff, wie er in vielen Köpfen nach wie vor eingenistet ist, zu brechen. Das ist für mich sehr wichtig - und wo soll das sonst passieren können als im Rahmen eines Studiums. Ausprobieren, Dinge und Strukturen in Frage stellen, darum geht es! Und darum, etwas zu entwickeln und gegen Selbstverständlichkeiten zu arbeiten. Ich erwarte mir definitiv Reibung und gute Diskussionen und nicht bloß ein affirmatives "Wow, lässig!" beim Gedanken an eine Kollektionspräsentation in Paris.


Tipp: ___fabrics interseason sind Teil der Gruppenausstellung Provisorisches Yoga, die Ende September im Grazer Kunstverein eröffnet (von 26. 9. bis 19. 12.).



Startbild: (c) ___fabrics interseason

Text: Daniel Kalt

 

 

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