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Die Organisatorinnen der MQ Vienna Fashion Week schielen west- und ostwärts
Der Kalenderwochen gibt es, weiß man aus Volksschultagen, 52, der Modekapitalen mit Gewicht für Einkäufer und internationale Presse 4 bis 5, der Modewochen weltweit um die 300. Wer sich der Arithmetik überantwortet, um die Schnelllebigkeit des Modebusiness mit exakten Zahlen zu untermauern, bemerkt also recht augenfällige Ungereimtheiten. Warum, könnte man zu fragen anheben - und zwar nicht zuletzt anlässlich der heute Abend beginnenden MQ Vienna Fashion Week -, leisten sich Veranstalter an so vielen Orten Events, die, würde man meinen, zu apriorischer Bedeutungslosigkeit verurteilt sind?
Die Antwort ist einfach - und mit schnöden Zahlenspielen alleine nicht zu fassen. Modebusiness ist Showbusiness, Mode ein Teil von Lebenswirklichkeit, und viele Menschen (die sich in ihrer überwiegenden Mehrheit allmorgendlich nicht nur dessetwegen bekleiden, um zufälligerweise nicht nackt in der Straßenbahn stehen zu müssen) freuen sich über die Möglichkeit, über das reine Konsumieren hinaus als interessiertes Publikum möglichst nah an einem stets glamourös anmutenden Modegeschehen teilnehmen dürfen.
Das Trio bestehend aus Elvyra Geyer, Zigi Mueller und Maria Oberfrank hat ausgehend von diesem Wissen der Stadt Wien ihr drittes großes Event nach dem Modepalast und dem Festival für "fashion & photography" (weiland übrigens auch als Vienna Fashion Week gestartet) beschert. Ob man sich in die Quere kommen würde? Schwerlich, winkt Elvyra Geyer ab, die als Verfechterin größtmöglicher Präsenz und Sichtbarkeit von Modeveranstaltungen auftritt. Je mehr, desto besser - scheint der simple Wahlspruch zu lauten: "Denken wir doch nur an Paris, da werden in einer Saison 4.000 Kollektionen präsentiert. Wenn man in Wien alle zusammennimmt, sind es vielleicht 100. Da kann noch mehr passieren."

Terminlich kollidiert man ohnehin nicht mit den anderen beiden Veranstaltungen. Und da ein verbleibendes Quartal bislang überhaupt noch modelos ist, scheint sogar weiteres Potenzial zu bestehen (ungeachtet der Frage, wieviel Mode die Donaumetropole denn wirklich vertrage…). Die MQ Vienna Fashion Week startet voll der Ambitionen: mit einem Showmarathon, einer Verkaufsveranstaltung für Endverbraucher und einem eigenen Showroom für Businesskunden. Die Überlagerung mit der Mailänder Modemesse wird sich wahrscheinlich auf die Positionierung im B2B-Segment ein wenig hinderlich auswirken. Andererseits fand die Madrilener Cibeles Fashion Week bis gestern auch zeitgleich mit der wahnwitzig gut besuchten Jubiläumsmodewoche in London statt. Mögliches Fazit: Die Stücke des Modekuchens, die man in Paris, Mailand, New York und eben London verzehrt, liegen in anderen Städten ohnehin nicht am Serviertablett.
Was dem Wiener Publikum nämlich in erster Linie gezeigt werden sollte, war - endlich - eine Vielzahl von Defilees. So folgten die Organisatorinnen bei der Konzeption ihrer MQ Vienna Fashion Week einer Devise des möglichst regen Catwalking: "Wir sind immer von den Shows ausgegangen, und nach und nach haben dann die Designer gefragt, ob sie nicht auch ausstellen können oder ob Einkäufer eingeladen werden würden", erzählt das ehemalige Model Elvyra Geyer. "Der Modepalast ist zum Beispiel eine reine Verkaufsmesse, so wie die Blickfang auch, und Unit F präsentiert mit ihrem Festival in verschiedenen Locations nur die geförderten Projekte: Das ist ein ganz anderes Konzept. Wir wollen zentralisiert ein Event für Modeschauen bieten." Besagte Zentrale wird nun als generöses Zelt vor dem Wiener Museumsquartier aufgebaut: einem Ort, der - als vielleicht einziger in der Stadt - eine an kreativen Dingen interessierte Laufkundschaft bescheren kann.
Und die bekommt einiges zu sehen, denn um die 70 Aussteller aus Österreich, Italien, Deutschland, Holland und den mittelosteuropäischen Ländern werden zugegen sein, 30 Shows in straffer Abfolge stattfinden. Was die heimische Szene betrifft, so sind seit vielen Saisonen in Paris zeigende Labels wie Claudia Rosa Lukas, Edith A'Gay oder Superated ebenso vertreten wie eher lokal agierende Designer. Was die internationale Beteiligung betrifft, weiß Maria Oberfrank (Pitour): "Wien ist ja auch eine Drehschreibe für Mitteleuropa. Wir haben auch Designer aus Ungarn, aus der Slowakei, aus Kroatien: Überall interessieren sich die Leute dafür, hierher zu kommen." Wie das Konzept sich entwickelt, ist vor dem Start der ersten Vienna Fashion Week kaum abzusehen. Zugleich steht außer Frage, dass eine Orientierung nach Mittelosteuorpa - man hat das schon bei der Wiener Kunstmesse Vienna Fair gesehen - für das Herausarbeiten eines eigenständigen Profils zielführend sein könnte.
Darüber hinaus ist es interessant zu hören, dass die portugiesische Moda Lisboa als eines der möglichen Vorbilder für die Organisatorinnen gedient habe. Das ursprünglich als reine Publikumsveranstaltung angelegte Event konnte sich nach und nach auch im B2B-Bereich etablieren und ist quasi auf die internationale Modelandkarte gerutscht. Der Termin nach Ende der großen Herbstschauen ist freilich ungleich günstiger. Daran ließe sich aber wohl auch in Wien, bei rechtzeitiger Abstimmung mit dem Veranstaltungsort, arbeiten.
In Lissabon übrigens, so viel zu Vorbildwirkung in Modedingen, wird demnächst auch ein (innerstädtisches) Mode- und Designmuseum eröffnet. An einer solchen Institution hapert es in Wien ja bislang. Das Museumsquartier, durch die Fashion Week einmal mehr als Modestandort affirmiert, würde eigentlich ein ganz gutes Setting abgeben. Doch das, hört man hinter den Kulissen die Räderwerke knirschen, ist eine andere Geschichte. Diskussion folgt bestimmt.
Text von Daniel Kalt
Startfoto © Boris Berghammer
Die MQ Vienna Fashion Week eröffnet heute Abend um 21 Uhr mit einem offenen Modeevent und findet bis 27. September statt.
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