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B2B Drehscheibe Wien?

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Es gibt einiges zu tun, um Wien als B2B-Modestandort zu etablieren



Kürzlich fand im Wiener Museumsquartier seit längerem wieder eine Modeveranstaltung statt, die es selbstbewusst wagte, den Begriff Fashion Week zu führen. Neben einer kleineren Verkaufsmesse bot die MQ Vienna Fashion Week (MQ VFW) vor allem das, was ein breites Publikum damit verbindet: Einen noch nie dagewesenen Show-Marathon mit 31 Schauen im Stundentakt an drei Tagen. Auch wer es bis dahin nicht glauben wollte, weiß nun: In Wien gibt es ein begeistertes und zahlendes - Tageskarten kosteten immerhin 14 Euro - Modepublikum. Den Beweis hat das veranstaltende Trio Elvyra Geyer, Zigi Mueller und Maria Oberfrank grandios erbracht.

Ein weiteres Ziel der MQ VFW bestand in der Installierung eines B2B-Bereiches. Denn während international bedeutende Modewochen wie Paris, Mailand oder New York als Fachmessen für Presse und Einkaufsabteilungen echte Plattformen für den Großhandel darstellen, wurde das Thema bei uns bislang vernachlässigt. Und auch hier hatte man den Mut, jede, vielleicht typisch österreichisch kleinkrämerische, Bescheidenheit abzulegen.  „Wir möchten langfristig eine Drehscheibe für Mitteleuropa" aufbauen, meint Maria Oberfrank, die im Museumsquartier seit 2005 auch das Shop-Studio Combinat betreibt  - wie sie sagt: „bewusst blauäugig". In fünf Jahren möchte sie zumindest eine Verschiebung in Richtung Wien erreicht haben, sodass hiesigen ModemacherInnen nicht mehr nur Paris als großer Joker bleibt, um international weiter zu kommen.

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Die Verteilung der B2C und B2B-Flächen während der MQ VFW


Zum Image der Kulturstadt Wien gehöre ganz einfach auch die gute Qualität vieler heimischer ModedesignerInnen. Aber auch osteuropäische Labels etwa aus Polen, Ungarn,  Rumänien, Bulgarien oder Litauen fühlten sich bei der MQ Vienna Fashion Week gut aufgehoben. So richtete man einen, mit zwölf Order-Kollektionen aus dem In- und Ausland bestückten Showroom ein. Mit Unterstützung der Wirtschaftskammer konnte hier trotz gleichzeitig stattfindender Mailänder Fashion Week zumindest eine Handvoll nationaler und internationaler Kontakte gepflegt werden. An der Terminkollision mit Mailand stießen sich allerdings etliche Brancheninsider.

Ulrike Möslinger, Marketing- und Kommunikationschefin bei den Galeries Lafayette Berlin, sieht darin allerdings kein so gravierendes Problem. Denn die Ordergewohnheiten ändern sich, und „internationale Einkaufsbudgets werden heutzutage übers Jahr verteilt". Von den Kollektionen seien viele sehr tragbar, manche könnten kommerzieller sein. Dem B2B-Showroom gibt sie für die Zukunft gute Chancen, wenn auch mit Raum für Verbesserung wie etwa einer klareren Trennung vom Publikumsbereich. Für kommenden März hat Ulrike Möslinger übrigens erstmals österreichische Labels (Mangelware, Michel Mayer, Superated, alle auch auf der MQ VFW vertreten) ins Labo Mode, einer Verkaufsfläche von Galeries Lafayette für weniger bekannte,  junge Mode eingeladen.

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Impressionen von der Verkaufsmesse, Bild: Carmen Rueter


Auch Wolfgang Olzinger, dessen Knowhow als Einkäufer bereits seit zwölf Jahren hinter dem hochwertigen Sortiment der Wiener Konzeptstore-Kette BR-Fashion steht, ist österreichischen Labels nicht abgeneigt, arbeitet er doch schon seit Jahren mit Niko Fechter . Das Angebot im Showroom hält er für reichhaltig, ob er auch etwas ordern wird? Könnte schon sein. Eventuell Kleinigkeiten wie T-Shirts, aber „größere Kollektionen dieser Art müssten eigentlich früher gezeigt werden, wenn Budgets noch verlagert werden können." Tragbarkeit und Kombinierbarkeit spielen auch für ihn die wesentliche Rolle: „Eine Kollektion sollte easy-going sein mit einigen Highlights, so wie das auch die großen Designer machen. Ich sehe hier teilweise allerdings nur Highlights." Ohne Basics geht also gar nichts. Insgesamt fällt sein Fazit recht positiv aus, die Qualität sei sehr gut und die Preise angemessen.

In punkto Preisgestaltung fällt das Urteil von Pascal Tallec allerdings skeptischer aus. Tallec präsentiert im Pariser Showroom annemarie T ausgesuchte internationale DesignerInnen, kauft für Vitrines Parisiennes ein und arbeitet als Consultant, etwa für die ebenfalls noch junge Fashionweek in Barcelona. Mit wenig bekannten Labels sei es schwierig, denn diese könnten mit bei gleichen Einkaufspreisen ganz einfach nicht mit großen Marken konkurrieren. „Wenn dann ein Stück im Verkauf 500 Euro kostet, nehmen meine Kunden lieber einen bekannten Brand wie etwa Chloé."

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Viel konstruktives Feedback, das von Showroom-Manager Severin Weber-Kippes gerne aufgenommen wird. Für ihn war es wichtig, den B2B-Bereich überhaupt ins Gespräch zu bringen. „Um international attraktiv zu sein, müssen wir den Bereich auf jeden Fall ausbauen."  Es gibt viel zu tun.


Text und Startbild: Michaela Amort. Sie arbeitet als Marketingexpertin und betreibt das unabhängige Blog Tschilp.com.

 

 

 

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