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Mode für den Weltfrieden

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Paco de Jaimes über Ziele und Beweggründe der World Fashion Association



Vor kurzem fand im Rahmen der Global Entrepreneurship Week in Wien ein Forum zum Thema "Entering Europe's Design and Fashion Industries" statt. Als Leiter der Paneldiskussion fungierte Paco de Jaimes, der aufgrund seiner Funktion als Mitbegründer der World Fashion Association (WFA) geladen wurde. AUSTRIANFASHION.NET nahm die Gelegenheit war, sich mit dem charismatischen Spanier, der in Miami und Los Angeles lange als Showveranstalter tätig war, über die Hintergründe dieses "Weltmodeverbandes" zu unterhalten - und erfuhr so von der Notwendigkeit einer World Fashion Week, dem Ansinnen, alle Designer dieser Welt zusammenrücken zu lassen, und dem Konzept "Weltfrieden durch Mode". Der Gesamteindruck: Ein Crossover aus UNO, EXPO und olympischen Spielen - mit Modebezug.


Seit wann, und warum, gibt es die World Fashion Association (WFA)?

Wir haben dieses Jahr in Zusammenarbeit mit der World Trade Organization (WTO) und der World Trade Bank angefangen zu arbeiten; und zwar mit dem Ziel, Modedesigner finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Wenn also ein Designer einen eigenen Shop eröffnen will, oder zusätzliches Budget für Marketingaktivitäten braucht, dann wollen wir ihn nicht an irgendein Kreditinstitut vermitteln, das keine Backup-Unterstützung leisten kann, sondern wir möchten die Kreditvergabe an ein Consulting-System koppeln.


Hier geht es also um die Vermittlung zwischen Designern und Kreditinstituten?

Das ist eine unserer Dienstleistungen. Abgesehen davon werden wir 2010 mit Verbänden auf nationaler Ebene zu arbeiten beginnen: Das heißt, wir werden jene Organisationen zur Mitarbeit einladen, die die Modeszene eines Landes am besten repräsentieren, um ihnen eine weltweite Plattform zu geben. So können Designer aus den einzelnen Ländern von unserem Service profitieren.


Jeder nationale Verband wird von einer Modeorganisation des Landes koordiniert?

Unsere Vorgangsweise besteht darin, dass wir zunächst die repräsentativste Organisation eines Landes ausfindig machen. Dann stellen wir ihnen kostenlos ein in der Schweiz entwickeltes Webtool zur Verfügung: Unser wichtigstes Anliegen ist hier, die Modeindustrie zusammenrücken zu lassen und die nationalen Verbände miteinander zu verknüpfen, so dass die einzelnen Communities leichter miteinander in Kontakt treten können - auf der Ebene von Designern, Händlern, Produzenten usw. Wenn ein Designer einen Partner sucht, kann er entweder im Internet auf eigene Faust lange Recherchen anstellen, oder über unsere Networking- Plattform direkt die benötigten Informationen abrufen. Was auf Länderebene funktioniert, kann auch weltweit funktionieren. Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass wir durch unsere Kooperation mit der WTO, der weltgrößten Handelsorganisation, Businessaktivitäten und Logistik erleichtern. Wenn ein Designer aus Österreich in Kontakt mit einem Buyer oder Händler aus Argentinien, Japan oder Malaysia treten will, werden wir nicht nur den Kontakt herstellen, sondern zu einem positiven Geschäftsabschluss beitragen, was auch den Versand, die Versicherung usw. betrifft.

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Man muss bedenken, dass wir durch unsere Kooperation mit der WTO und das globale Netz der World Trade Center auf eine bestehene Logistik zurückgreifen können. Wir bedienen uns dieser Infrastruktur und adaptieren sie für die Bedürfnisse der Modeindustrie. Es gibt mehr als eine Million angeschlossener Unternehmen auf der Welt, und davon arbeiten mehr als 150.000 im Bereich der Mode. Neben Designern betrifft das auch Anwälte, Technologieanbieter, Produktionsstätten, Fotografen usw.


Nun ist ja die Mode eine sehr komplexe, mitunter nicht ganz transparent funktionierende Kreativindustrie: Wie gehen Sie vor, um die nationalen Verbände zu etablieren? Wer hilft ihnen, die Vorgänge und Strukturen eines bestimmten Landes zu verstehen?

Wir arbeiten eng mit den Botschaften der Länder und den Wirtschaftskammern zusammen, die uns dabei helfen, den jeweils besten Ansprechspartner zu identifizieren. Dann kontaktieren wir diese Organisation, teilen ihr mit, wie wir arbeiten, und laden sie ein mitzumachen. Dabei setzen wir auf Nachhaltigkeit: Nach einem oder zwei Jahren möchten wir so weit kommen, dass alle Mitglieder eines Nationalverbandes einen Beitrag bezahlen, der von Land zu Land variiert. Diese Einnahmen können die Nationalverbände behalten und müssen sie nicht an die WFA zurückzahlen, obwohl wir ihnen unser Networking-Webtool zur Verfügung stellen. Jeder nationale Verband wird sich also am Ende selbst finanzieren, und auf globaler Ebene werden wir mit der World Fashion Week ein Event anbieten, bei dem auf nationaler Ebene bereits erfolgreiche Designer vorgestellt werden.


Sprechen wir über die World Fashion Week: Sie soll 2010 im Herbst erstmals in New York stattfinden, aber nicht zeitgleich mit der "eigentlichen" New York Fashion Week?


Wir sehen die World Fashion Week als eine Ergänzung zu den Modewochen auf nationaler Ebene, mit denen wir nicht konkurrieren wollen. So werden auch nur jene Designer zugelassen, die mindestens viermal auf einer nationalen Modewoche ihre Kollektionen gezeigt haben.

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Die Modewoche wird nur Laufstegshows umfassen, oder auch B2B-Showrooms?


Es wird beides geben, Laufstegpräsentationen der Designer und außerdem Länderpavillons mit B2B-Showrooms. Durch das Netzwerk der WTO werden wir Buyer auf das Event bringen; zugleich ist die World Fashion Week ein internationales Marketinginstrument, das es den Designern ermöglichen wird, den Sprung in den amerikanischen, europäischen oder asiatischen Markt zu schaffen.


Sind aber nicht in genau diesem Sinn die wichtigsten Modewochen in Mailand, Paris, New York und London ohnehin "World Fashion Weeks"? Dort geht es doch keineswegs nur um "nationale" Designer...

Ich finde, dass es falsch ist, nur über Mailand, Paris, New York und London zu reden, wenn es um die internationale Modeindustrie geht. Es gibt andere wichtige Modewochen, zum Beispiel in Tokio, Buenos Aires oder Rio de Janeiro.


Dennoch: Eine Laufstegpräsentation in Paris ist natürlich für viele unleistbar, aber eine reine Tradeshowpräsentation nicht. Einige österreichische Modelabels mit internationalem Profil arbeiten so.

Mag sein, aber dann ist man vielleicht der 198. Designer im 200. Showroom, was es schwierig macht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das Konzept der World Fashion Week beruht darauf, dass repräsentative Designer gemeinsam mit Makeup-Artists und Stylisten aus einem Land fast nach dem olympischen Prinzip antreten: So kann man seine Nation zu repräsentieren und sich strategisch günstig auf einem anderen Level positionieren, als das in Mailand oder Paris möglich wäre.


Wieviele Designer aus einem Land werden also bei der World Fashion Week "antreten", und wer wird sie auswählen?

Fürs erste möchten wir einen fix etablierten Topdesigner pro Land und einen aufstrebenden Jungdesigner nach New York bringen. Die Auswahl wird durch eine Parallelstruktur vorgenommen werden, die wir die World Fashion Academy nennen: Wir werden allen Mitgliedern jedes nationalen Verbandes Einladungen schicken, an Designer, Journalisten, Fotografen usw., und sie werden über die Kollektionen abstimmen, die auf der nationalen Modewoche gezeigt werden.

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Paco de Jaimes in Wien


Wenn es aber keine Modewoche gibt? Oder mehr als eine?


Wenn es keine gibt, kann das Land nicht teilnehmen. Und auf der anderen Seite gibt es gibt Länder mit bis zu sieben nationalen Modewochen. Alle Designer, die auf einem dieser Events ihre Kollektionen zeigen, werden berücksichtigt.


Andererseits gibt es Designer, die ihre Kollektionen zwar im Rahmen einer Modewoche präsentieren, aber außerhalb ihres Landes. Was ist mit ihnen?


Alle Designer, die ihre Kollektionen im Rahmen irgendeiner, nicht unbedingt ihrer nationalen, Modewoche zeigen, werden mitberücksichtigt. Wir möchten die Designer aber dazu anhalten, auch in ihrem Land zu zeigen, um die Szene zu unterstützen.


Die WFA will ein Modell in die Gänge bringen, das als Alternative zum auf ein paar wenige Metropolen konzentrierten System funktioniert?

Ja, und dabei geht es um die Tatsache, dass es viele sehr interessante Märkte mit großartigen Ressourcen gibt, wo ständig neue Designer auftauchen. Wenn wir uns der Angelegenheit vonseiten der Innovation nähern, gibt es in der Mode das unleugbare Problem, dass vielerorts sehr talentierte Designer arbeiten, von denen außerhalb ihres Landes niemand weiß. Warum wissen wir nichts über die talentiertesten Designer in, sagen wir, Kenia, Nigeria, Südafrika oder Malaysia? Weil es keine Organisation gibt, die sie an die internationale Szene anbindet. Wir wollen also diese verschiedenen Terrains überall auf der Welt miteinander verbinden, an einem Ort zusammenbringen und für mehr Sichtbarkeit sorgen.


Müssen die Designer ihren Auftritt auf der Modewoche selbst bezahlen?


Nein, das möchten wir vermeiden. Wir gehen auf einzelne Ministerien der jeweiligen Regierungen zu - dabei kann es sich um die Bereiche Kultur, Wirtschaftsentwicklung, internationale Angelegenheiten etc. handeln -, weil wir auch Verständnis dafür erzeugen möchten, wie wichtig es ist, die Modeindustrie eines Landes auf Regierungsebene zu unterstützen. Je mehr Designer es gibt und je größer der Modesektor in einem Land, desto mehr Geld wird umgesetzt, was auch zu den Staatseinnahmen beiträgt. Wir möchten also die Regierungen überreden, die Kosten für die ausgewählten Repräsentanten eines Landes zu übernehmen.

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Wie finanziert sich die WFA selbst?


Aus den Einnahmen aus der World Fashion Week und den World Fashion Awards, die zum ersten Mal im Jänner 2011 in Los Angeles stattfinden werden. Derzeit erhalten wir finanzielle Mittel von der WTO; ohne sie als Partner wäre es in jeder Hinsicht schwierig für uns, und statt fünf Jahren Vorbereitungsarbeit bis zu dem Punkt, wo wir heute stehen, hätte es vielleicht fünfzehn, oder fünfzig Jahre gedauert.


Im Mission Statement der WFA liest man davon, dass sie zu "Frieden und Einheit der Nationen" beitragen will. Ein schönes Ziel, aber wie soll das gehen?


Wir arbeiten mit der Grameen Foundation von Muhammad Yunus zusammen, die auf der Idee der Mikrofinanzierung beruht. Wir sind fest davon überzeugt, dass Armutserleichterung zu Stabilität beiträgt. Die Grameen Foundation holt Menschen aus einer armutsgefährdeten Situation. 94 % der Mikrokredite werden an Frauen vergeben, und die Rendite ist eine der höchsten auf der Welt. Wenn wir also von "Mode für Einheit" sprechen, dann meinen wir damit die Einheit nationaler Modeverbände auf der ganzen Welt. Und "Mode für Frieden" meint Armutsbekämpfung durch die Zusammenarbeit mit der Grameen Foundation. Wir promoten ihre Arbeit, um Bewusstsein für ihre Arbeit und ihr Anliegen zu schaffen, da sie Social Business und gesellschaftliche Verantwortung weltweit auf ein neues Niveau bringt. Wir möchten, dass sie auch außerhalb von Afrika, Mittelamerika und Afrika noch bekannter wird.


Auf den Punkt gebracht: Sichtbarmachung und Unterstützung der weltweit unterrepräsentierten Modeszenen zum Zweck der Armutserleichterung?

Natürlich, und wenn ich zum Beispiel nach Paris fahre und von der WFA oder der World Fashion Week erzähle, dann sagen die Leute dort vielleicht, sie brauchen das nicht, sie sind doch in Paris. Aber es gibt fast 200 Länder auf der Welt, und wir wollen, dass es in jedem einzelnen eine Modewoche gibt. Die Modeindustrie ist bereits einer der größten Wirtschaftszweige auf der Welt, und sie kann noch größer werden. Der textile Sektor und die Mode haben das Potenzial, ein ganzes Land aus der Armut zu holen. Wenn man es richtig angeht, und eine Regierung Einsatz auf diesem Gebiet zeigt, geht es um die Verbesserung der Situation von Millionen von Menschen. Und das ist auch der erste Schritt zu globalem Frieden.



Text: Daniel Kalt
Bilder: beigestellt

 

 

 

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