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Goldlamé & Polyester

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Von der Brüchigkeit italienischer Modegeschichte



Am 9. Dezember eröffnet im quartier21/Freiraum die Modeausstellung 50 +- anni di moda italiana. Für AUSTRIANFASHION.NET hat Anne Feldkamp sich mit dem Kuratorenduo Angelika Höckner und Gerald Moser unterhalten.


„Die italienische Modeausstellung war eine Wanderausstellung, und die Frage an uns war, ob wir die Gestaltung übernehmen könnten." Angelika Höckner und Gerald Moser sitzen im Freiraum des quartier21 zwischen Laptop, Modebüchern, einem Miniaturmodell der Ausstellung und halb ausgepackten Figurinen und rekapitulieren - immer wieder unterbrochen von Baustellenlärm - die Ausgangssituation der Modeausstellung. Auftraggeber der historisch angelegten Schau: Das Studio Galgano, eine seit 30 Jahren in Rom ansässige Institution, die sich der Förderung italienischer Mode von Pucci bis Prada verschrieben und seit den 1990er Jahren eine ansehnliche Sammlung italienischer Mode zusammengetragen hat. Doch ausschließlich gestaltend für eine bereits konzipierte Ausstellung tätig zu sein, das war den beiden Ausstellungsmachern dann doch zu wenig, wollten sie ihr neuestes Projekt doch nicht nur formal, sondern auch inhaltlich angehen.

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Krizia, Foto courtesy of Studio Galgano

Diese Haltung mag nicht verwundern, haben sich die beiden doch während des Exhibition and Cultural Management-Studienganges an der Wiener Universität für Angewandte Kunst kennengelernt und sich mit dem, was Kuratieren bedeuten kann, intensiv auseinandergesetzt. Schnell haben Angelika Höckner und Gerald Moser dabei festgestellt, dass ihre Vorstellungen sehr ähnlich aussehen. Nach Abschluss des zweijährigen Lehrganges gründeten die zwei den Verein Wunderkammer, gemäß dem Prinzip der Wunderkammer immer die „Lust und die Faszination an den Objekten und deren Anordnung im Raum" im Blick behaltend. Und nachdem die Kuratoren den Freiraum bereits Anfang dieses Jahres mit der zeitgenössischen Modeausstellung Sharp Chic bespielten, setzen sie sich diesmal mit der italienischen Modehistorie der letzten Jahrzehnte auseinander. 

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Antonio Piccirilli, Foto Reed Young

Das ursprüngliche Ausstellungskonzept wurde dabei völlig neu überdacht und vor allem quantitativ zusammengezurrt: „In der Sammlung vom Studio Galgano und somit auch in der Ausstellung fehlen ein paar Highlights der italienischen „Design-Alt-Stars". Somit war dann aber auch kein Druck da, alle Objekte der Sammlung zu zeigen. Bei den bisherigen Präsentationen dieser Wanderausstellung wurde immer die gesamte Sammlung gezeigt. Wir entschlossen uns aber für eine speziellere Auswahl, um den Dialog zwischen den Objekten und die Ausstellung an sich zu schärfen und zu gewichten. Daher haben wir aus über 50 Stücken ca. 30 ausgesucht, und uns aber andererseits dafür entschieden, mit jungen Designern völlig neue Aspekte und unterschiedliche Positionen der italienschen Modeentwicklung zu zeigen." Das Studio Galgano, erfreut über die erfrischende Auseinandersetzung der beiden Kuratoren mit der hauseigenen Sammlung, ließ denn den österreichischen Ausstellungsmachern freie Hand, so dass die beiden auch den Titel der Ausstellung letztlich leicht veränderten in „50+- (plus/minus)", um den Jubiläumscharakter, der bei solchen Ausstellungen mitschwinge, zu unterwandern.

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Antonio Marras, Foto courtesy of Studio Galgano

Gleichzeitig solle der Aspekt des Zukünftigen angesprochen werden, „auch wenn es im Moment noch keinen medienproduzierten Hype um italienische Shootingstars gibt", gibt Moser zu bedenken. Und tatsächlich, junge Modedesigntalente lassen sich vor allem in Antwerpen oder London an den bekannten Kaderschmieden ausbilden, um dort modisch Anschluss zu suchen und dann vielleicht, wie beispielsweise der junge italienische Designer Andrea Cammarosano, der neben seiner eigenen Kollektion bei Walter van Beirendonck für die Schuhlinie zuständig ist, wiederum in Italien produzieren zu lassen. An Beispielen wie diesen, so die beiden Kuratoren, erkenne man, dass auch junge italienische Designer ihrer Heimat verbunden blieben - es gebe in Italien schließlich enorme Ressourcen. Die Positionen der fünf zeitgenössischen Designer, von denen zwei als Artists-in-Residence des quartier21 eine Zeit in Wien weilen, stellen denn einen unabdingbaren Bestandteil der dreigeteilten Präsentation dar.

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Karisia Paponi, Foto Letizia Bica

In ihrer Neuausrichtung der Ausstellung entschieden sich Angelika Höckner und Gerald Moser für einen historischen Teil, der neben dem zeitgenössichen Part um die Präsentation einiger opulenter Abendroben nebst einem Film der Modejournalistin Fiorella Galgano für das Studio Galgano zur italienischen Modehistorie ergänzt wird. Gleichzeitig wird besonders bei der Beschäftigung mit jungen Modedesignern klar, dass quer durch die Historie einige modische Elemente immer wieder auftauchen, dass es keine einfachen linearen Entwicklungen der Mode gibt: „So hat jemand bereits in den 80er Jahren Putten auf ein Kostüm gemalt, was Karisia Paponi 2009 auch wieder macht - aber eben anders", erzählt Angelika Höckner. Auf diese Verbindungen zwischen einzelnen Kleidungsstücken oder kleinen Details werde im Freiraum jedoch nicht plakativ hingewiesen, denn: Auf den vermittelnden Zeigefinger wird in der Ausstellung weitestgehend verzichtet, schließlich „muss diese Lust und Faszination erst einmal für das Objekt da sein und dann passiert beim Besucher eh alles weitere. Er bleibt länger stehen und schaut sich das ganze genauer an oder eben auch nicht." Mal ist es das Material, was einzelne Kleidungsstücke verbindet, dann auch wieder ganz banal die Farbe: „Es gibt beispielsweise sowohl von Max Mara als auch Emilio Schuberth einen goldenen Mantel - diese beiden Stücke können trotz unterschiedlichster Kontexte sehr schön miteinander präsentiert werden und stehen dann im Dialog."

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Gai Mattiolo (Detail), Foto courtesy of Studio Galgano

Hinsichtlich der Präsentation von Mode im Ausstellungskontext wissen Höckner und Moser ganz genau, was sie gut finden und was nicht: So sei es eher abschreckend, „wenn Kleidungsstücke völlig gleichgeschaltet auf Würfeln präsentiert werden. Eine  Ausstellung wie die „Maison Martin Margiela" - Schau im Modemuseum in Antwerpen hingegen sei, so die beiden Ausstellungsmacher, „ganz großartig gewesen - einfach weil Inhaltliches und Optisches bzw. Gestaltetes extrem miteinander verwoben waren." Genau dieses Prinzip wird bei der Konzeption der Ausstellung im „Freiraum" verfolgt, durchgehendes Gestaltungsmittel sind Gipskarton-Platten, deren Materialität ganz bewusst eingesetzt wird: „Im ersten Teil der Ausstellung zeigen wir die historischen Modestücke auf der markanten Silhouette des Italienischen Stiefels, wobei es uns wichtig war, die Ränder dieser Form eher grob abzubrechen. Einerseits um den feinen Stoffen den „Heiligenschein" ihrer Geschichte zu dämpfen, andererseits um damit zu zeigen, dass weder diese Sammlung, noch die Ausstellung einen endgültigen Anspruch auf „50 Jahre italienische Mode" erheben kann. Der zweite zeitgenössische Teil verwendet zwar dasselbe Material, aber mit einer etwas anderen Assoziation. Dort sind die einzelnen Designer eher inselartig präsentiert. Die Gipskartonplatten sind roh belassen, werden nicht weiß gestrichen und die Konstruktion gezeigt.

Der Charakter des „Work-in-Progress" oder „Under-Construction", des gerade sich Formen und Experimentierens der  „Contemporary Designer" wird angedeutet." Wie spannend die Auseinandersetzung mit der italienischen Mode auch für die beiden Kuratoren war, schildert Angelika Höckner: „Durch die direkte Beschäftigung mit einigen Kleidungsstücken haben wir diese teilweise auch erst zu schätzen gelernt: Wenn man bei einem Kleid von Emilio Pucci im ersten Moment denkt, dass das ein typisches Polyesterjerseykleid von der Oma sei, dann bekommt das Stück aber durch die historische Auseinandersetzung mit dem Designer und mit dem Objekt an sich eine ganz andere Bedeutung." Denn Pucci, Begründer der „Alta Moda Pronta", dem italienischen „Pret-à-Porter",  war immerhin einer von denen, die ins Ausland gingen, dort Erfolg hatten, um dann wieder zurückzukehren. Eine Geschichte, die fast so klingt, als wäre sie 2009 geschrieben worden - und zwar nicht nur in Italien.



Info: Die Ausstellung eröffnet am 9. Dezember um 18 Uhr und bleibt von 10. Dezember bis 20. Jänner 2010 (tägl. 10 - 19 h) geöffnet.

Text: Anne Feldkamp, Kunsthistorikerin. Mehr von ihr ist zu lesen auf ihrem Blog Blica.
Startbild: Walter Albini © Studio Galgano, Detail

 

 

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