
Der Blick von "zugereisten" Modeexperten auf die österreichische Szene
Das österreichische Modegeschehen lässt sich anhand einer Vielzahl von Festivals, Messen, Ausstellungen und der internationalen Präsenz junger und renommierter Labels umfassend beschreiben: MQ Vienna Fashion Week, festival for fashion and photography, Modepalast brand new expo und nicht zuletzt der Mythos „Helmut Lang" sind einer breiten Masse an modeinteressierten Menschen bekannt. Das durchaus respektable Bild einer aufstrebenden Modeindustrie zeichnet sich ab, doch wie sieht das Geschehen aus internationaler Perspektive aus? Während eine immanente Position im österreichischen Modegeschehen mitunter einer objektiven und damit unvoreingenommenen Perspektive im Weg steht, sind es oft Sichtweisen von außerhalb des Landes, welche die Situation aus anderer Perspektive erschließen und sich zugleich bereichernd auf das aktuelle Modegeschehen auswirken können.
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Adia Trischler/Foto © Luke Beresford
„Before I came here I was definitely aware that Austria had a very unique and strong fashion presence. One that had developed beyond the myth of Lang." Adia Trischler, als professionelle Allrounderin, u.a. als Stylistin und Model, in den unterschiedlichsten Bereichen der Mode international tätig, schätzt die Innovationen und das Potential der österreichischen Modeszene. Gleichzeitig bemerkt sie die schwierige Zugänglichkeit einer sehr kleinen und geschützten Gruppe von Modeschaffenden. „I do however wish that those who were and continue to be prominent in the scene would foster younger talent and dissenting opinions more."
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George Bezhanishvili/Foto © David Elias
Auch für den Georgier George Bezhanishvili, angehender Modedesigner und Student an der Hochschule für angewandte Kunst, macht es die Tatsache, dass er sich als Ausländer integrieren möchte, nicht einfach: „Die Jobs in der Modebranche sind rar gesät - meine Arbeit wird hier zwar publik gemacht, jedoch wird mir eine Arbeitsgenehmigung als Student bisher verweigert." Trotzdem würde George Bezhanishvili gerne in Österreich leben, wenn er es schaffen sollte, sich als selbstständiger Designer zu integrieren. Etabliert hat sich Camille Boyer. Die gleichnamige Boutique, vor etwa eineinhalb Jahren von der gebürtigen Französin eröffnet, bietet eine persönliche Auswahl an international aufstrebenden Designern und Einzelstücken aus kleinen Serien. Camille Boyer schloss schnell Kontakte zur lokalen Modeszene nachdem sie vor ungefähr sieben Jahren nach Wien kam: „Ich vermute, dass meine Nationalität zusammen mit einem Adressbuch, gefüllt mit französischen und internationalen Schlüsselfiguren der Modeszene, einige Türen öffnete." Die österreichische Modeszene war ihr vorher jedoch nicht bekannt. Verglichen mit Fördermitteln in ihrer Heimatstadt Paris, ist sie immer wieder erstaunt über die Unterstützungen für junge Designer. Das zahlt sich aus: „Es gibt eine größere Anzahl interessanter Labels, als es Shops gibt." Sie wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für das aktuelle Geschehen.

Portrait/Skizze © Anne Feldkamp
Anne Feldkamp ist Autorin des unabhängigen Modeblogs Blica und lebt seit einigen Jahren mit Unterbrechungen in Wien. Ihre Berichterstattung geht von Openballdresscodes über die ersten Schritte junger DesignerInnen auf internationalem Parkett auch über die Landesgrenzen hinaus: „Und obwohl Wien doch eher überschaubar ist, empfinde ich das ebenso überschaubare Geschehen als durchaus interessant." Eine Meinung, die auch Nadja Putzi, freie Fotoproduzentin aus Zürich, teilt. Ihr Mann ist der Wiener Fotograf Raphael Just. Durch gemeinsame Produktionen, u.a. eines Editorials über österreichische Designer, ist sie über das modische Geschehen auf dem Laufenden: „Ich denke die Szene ist sehr gut organisiert, schafft sich Plattformen, die auch vom Staat gestützt werden und genießt dadurch ein internationales Ansehen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Angewandte eine sehr gute Modeklasse hat." Denn zahlreiche Modeförderungen und Ausbildungsstätten sind für sie eine gute Grundvoraussetzung und die beste Motivation für Nachwuchsdesigner.

Foto © Raphael Just, Produktion Nadja Putzi (re.) für ACHTUNG Zeitschrift für Mode #11 Felix Austria
Kleid, Marios Schwab
Die Perspektivenvielfalt zeigt, das österreichische Modegeschehen ist heterogen - an Ereignissen, Förderungen und Talent mangelt es nicht. Das internationale Interesse ist vorhanden, Österreich als Modestandort über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Kritisch bemerkt Adia Trischler : „There is an ugly feedback loop between Vienna taking itself too seriously yet being able to base this attitude on factual talent, and at the same time not taking itself seriously at all." Sie erwartet Toleranz gegenüber alternativen Formen von Stil, denn: „Beauty and method come in all forms".
Das Wissen um die Bereicherung durch fremde Einflüsse, ein wenig Offenheit und ein unverkrampfter Umgang mit einem enormen Kreativpotential bilden die Basis für die Zukunft einer pulsierenden Modeindustrie. Die Strukturen für weitere positive Entwicklungen der österreichischen Modeszene und das Potential, darüber sind sich alle einig, sind gegeben.
Text: Carmen Rüter. Sie ist selbst zu Studienzwecken nach Wien "zugereist" und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Architektur, Performancekultur, Fotografie und Mode - alle Aspekte manifestieren sich in ihrem Blog m.e.t.r.o.n.o.m.
Bilder: beigestellt, © wie angegeben. Collage/Startbild Frau Ober.
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