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Symbolischer Protest

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"Mode als Befreiung" an der Akademie der bildenden Künste beim Rundgang 2010



An der Wiener Akademie der bildenden Künste nahmen im Oktober 2009 die Uni-Proteste ihren Ausgang: Dort, wo antiquierte Thesen und überholte Bildungsmodelle durch progressive Protestbewegungen aufgeschüttelt und neue Impulse freigesetzt werden, die quer durch alle Lebensbereiche zu wirken beginnen, entsteht fruchtbarer Boden für Innovation und Transformation. Von der fortwährenden Veränderung lebt auch die Mode, sie kann ohne immanente Bewegung keinen gesellschaftlichen Wandlungsprozess generieren.

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Elke Gaugele (links) und Elisabeth Freiß


Wenn gegen das verkrustete Modell von stereotypisierten Rollenbildern und vorgeschriebenen Kleidungscodes gedacht und gearbeitet wird, entstehen Experimentierfelder jenseits der Absatzmärkte des Modegroßhandels. Die Mode-Studierenden der Akademie haben unter der Leitung von Elke Gaugele und Elisabeth Freiß während ihres neunsemestrigen Diplom-/Lehramtsstudiums Moden und Styles die Möglichkeit, sich neben dem Erlernen der praktischen Fertigkeiten zur Modeproduktion auch einen reflexiv-gestalterischen Zugang zu Mode, die Vermittlung und Kommunikation von Mode und den konzeptionellen Ansatz zu Mode und Kunst anzueignen, um sich für das Unterrichten des Lehrfaches Textiles Gestalten an höheren Schulen zu qualifizieren.

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Veronika Schramek, "Take the Line", Rundgang 2010


Studierende und Lehrende arbeiten am Institut für künstlerisches Lehramt der Akademie ganz im Zeichen der neuen Gesellschaftskritik. Dass neuartige Zugänge zu Technologien (new media objects, fashion scans, virtual try-ons, biomechatronics, MIThrill integrated design concept), Techniken (virtual prototyping, virtual sketching) und Materialität (virtual clothes simulation) in der textilen Alltagskultur und kulturwissenschaftlichen Aufarbeitung der Modekultur erforderlich sind, haben auch die beiden Leiterinnen der wissenschaftlichen Modewerkstätte am IKL erkannt.

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Verena Krems, "Bloomer Fetish", Rg. 2010


Elisabeth Freiß und Elke Gaugele arbeiten ganz im Sinne der feministisch-aktivistischen Modetradition des deutschsprachigen Raumes. Das Studium ist auf drei Schwerpunkte ausgerichtet: eine gut ausgelastete Ausbildungsstätte für das Lehramt im Fach Textiles Gestalten, die Tools zur Modeproduktion (Modefotografie, Filmkostüm, Styling Fotografie, Modelabels) und die Forschung (Fashion Studies und Textile Studies). Im eben zu Ende gegangenen Wintersemester leiteten Elisabeth Freiß und Elke Gaugele diverse Lehrveranstaltungen mit dem Ziel, Studierenden die Vermittlung und Kommunikation von Mode mit all ihren sozialen und theoretischen Implikationen zugänglich zu machen.

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Johanna Mark, "Miss", Rg. 2010

2007/08 gründeten Elke Gaugele, Elisabeth Freiß, Verena Kuni (Kunstpädagogin Uni Frankfurt), Elke Zobl und Sonja Eismann (externe Lektorinnen) den Critical Crafting Circle - eine aktivistisch-feministische Arbeitsgruppe, die eine Analyse zur Geschichte der Handarbeit  in ihrer Publikation Craftista! Handarbeit als Aktionismus (Ventil-Verlag) vorstellt (Handarbeitsanleitungen - im 19. Jahrhundert über bürgerliche Journale propagiert - werden zu weiblichen Produktionsstrategien ermächtigt; Begriffe wie „revolutionary knitting", „yarn bombing" oder „squatting knitters" werden aufgegriffen und historisch für den deutschsprachigen Raum beleuchtet).

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Sophia M. Seitz-Rasmusen, "Outside Goes Inside", Rg. 2010


Am IKL unterstützen Lehrende durch Diskussions-Plattformen solidarisch die Proteste und Verbesserungsvorschläge der Studierenden. Die Schnittstelle zu anderen Institutionen bilden verschiedene Wissenschafter, wie zum Beispiel Markus Hausleitner, mit dessen Unterstützung im Rahmen von Projekt Science Fashion die Lehrveranstaltung Styles der Befreiung: Mode und Protest im Teamcoaching initiiert wurde: Das Verhältnis zwischen politischem und symbolischem Protest als symbolische Befreiung der Mode wird näher analysiert. Martin Sulzbacher, der für Jil Sander (Raf Simons) in Mailand arbeitet, unterrichtet am IKL Modezeichnen. Für einen wechselseitigen Austausch mit der Universität für angewandte Kunst Wien sorgt Barbara Putz-Plecko; ebenso wirken Edwina Hörl, Wally Salner (Modeschule Hetzendorf), Martina Egger oder die Modefotografin Mirjana Rukavina im direkten Arbeitsumkreis der Akademie der bildenden Künste aktiv an der Gestaltung diverser interdisziplinärer Projekte am Institut für künstlerisches Lehramt.

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Isabella Maria Bugnits, "Gut, danke", Rg. 2010


Für das Institut stellte der alljährlich stattfindende Rundgang den Höhepunkt des Hochschuljahres dar. Für 2010 haben Mirjana Rukavina und die Studierenden von Moden und Styles in der Lehrveranstaltung Künstlerische Praxis Moden & Modefotografie fotografische Kreationen besonderer Art erarbeitet. Ob die Befreiung von visuellen Tabus und gängigen Vermarktungs- und Präsentations-Konventionen, klassisch-verspielter Umgang mit Accessoires der feministischen Mode-Diskurse oder selbstreflexive Portraits - die Arbeiten bieten einen Überblick von klassischer bis zu zeitgenössischer Modefotografie.
  
Für die Zukunft haben sich die Fashionistas von der Akademie der bildenden Künste Wien viel vorgenommen: Ein ModeKlub im Elektro Gönner und ein Critical Crafting Café sollen als Events im Frühjahr jede Menge Spaß für alle Modebewußten bieten. Elke Gaugele im Interview mit AUSTRIANFASHION.NET: „... was ich in Österreich spannend finde, ist die Schnittstelle an Kunst und Mode; gesellschaftskritischer Zugang ist ein spezifisch österreichisches Phänomen."


Text & Fotos: Tilman Otto Wagner

 

 

 

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