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Fashionable Technology

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Im Gespräch mit Sabine Seymour - Pionierin der Bekleidungstechnologie.


Sabine Seymour präsentierte in Wien ihr neues Buch "Fashionable Technology".
Die Autorin leitet das Unternehmen "Moondial" und unterrichtet in ihrem Forschungsgebiet der "fashionable wearables" an der Parsons The New School For Design in New York und an der Kunstuniversität Linz.
Im Interview mit AustrianFashion.Net spricht die „interdisziplinäre Rebellin“ über ihren Werdegang, über ihr Buch und erklärt ihren Standpunkt gegenüber der österreichischen Modeszene.



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Sabine Seymour
Photo credit: Katharina Gossow


af: Sie haben in Wien ein Wirtschaftsstudium absolviert. Anschließend studierten Sie Interaktive Telekommunikation in New York. Wann kam die Hinwendung zur Mode?

Sabine Seymour: Die kam schon in meiner Kindheit. Mein Großvater war Schneider, und so bin ich zwischen Dampfbügeleisen und schweren Nähmaschinen aufgewachsen. Meine Mutter hat in ihrer Jugend die Modeschule Hetzendorf besucht, und war daher natürlich sehr modebegeistert, auf gut wienerisch: "modenarrisch". Ich bin in einem Ambiente von Kunst und Design aufgewachsen, in dem es darum ging das Kleidermachen als eine Designdisziplin anzusehen. Für mich war es klar, ich mache hier mit, und habe mir Designstücke aus Magazinen nachschneidern lassen. Jetzt im Nachhinein, war das schon damals ein schöner Prozess von mir, nicht alles selbst zu machen sondern als Creative Director einfach Spezialisten zu beauftragen. Das ist auch heute meine Stärke wirklich konzeptionell zu arbeiten, die ganzen Disziplinen zu verstehen und das erforderliche Know-How zu besitzen.

af: Sie gelten als Pionierin der Bekleidungstechnologie - Wann entstanden die ersten Ideen zu diesem Bereich, und wie sahen diese aus?

Sabine Seymour: Wirklich begonnen hat das schon als Teenager, oder noch jünger. Man hat sich mit Computerspielen beschäftigt, hat versucht ein bisschen was zu verändern oder etwas zu programmieren. Hier wurde schon das Interesse an Technologie geweckt.
Effektiv entstanden ist das Ganze nach meinem Studium der interaktiven Telekommunikation in New York. Zu dieser Zeit war der Internetboom sehr stark, aber das war mir immer alles zu zwei-dimensional. Ich habe dann viele Installationen gemacht, Physical Computing.
Ich habe Fashionshows gesehen, in denen Videoinstallationen mit in die Show integriert wurden. Da ich mich auf "Mobile" spezialisiert hatte, war es für mich klar, ich möchte Kleidung und Technologie miteinander verbinden.
Ich habe damals schon an der New School unterrichtet, und habe dann beschlossen ich will einen Kurs in diesem Bereich einrichten. Das habe ich dann 2001 auch gemacht – "And it´s history!" – und es läuft immer noch.

af: Sie leben nach 15 Jahren in New York wieder in Österreich-Wie nehmen Sie die österreichische Modeszene war bzw. woran liegt es, dass sich diese Szene nur schwer etabliert? Was müsste sich ändern?

Sabine Seymour: Wir haben innerhalb Österreichs anscheinend nicht den richtigen Markt. Wichtig ist, wie können wir die Leute, die in Österreich eigentlich viel für Mode ausgeben dazu bewegen, dass sie sich kein Prada-Kostümchen kaufen sondern dass sie hochwertiges österreichisches Design konsumieren. Die wirklich guten Designer bekomme ich hier ja gar nicht. Die bekomme ich in Tokio, in London, in Paris und manchmal in New York. Hier besteht absoluter Handlungsbedarf. Viele Designer machen sich im Ausland einen guten Namen. Und wenn man einmal das Ausland gewöhnt ist, ich spreche aus eigener Erfahrung, ist es relativ schwer zurückzukehren. Ich glaube es ist notwendig diesen Weltblick nach Österreich zu bringen. Diese Designer sind irrsinnig gut. Wir müssen Plattformen schaffen, die die Kundschaft in Österreich educated. Das heißt, nicht Designer vom Ausland für teures Geld kaufen, sondern qualitativ hochwertige heimische Mode.
Ich komme nach Österreich zurück und sehe, dass sich eine Avantgarde gebildet hat. Es ist auch ganz wichtig, dass sich die Leute in Wien und Österreich sich trauen so etwas zu tragen. Diese Arbeiten haben wirklich internationales Niveau.

af: Im Mai ist Ihr neues Buch "Fashionable Technology - The Intersection of Design, Fashion, Science, and Technology" erschienen – Was erwartet die Leser in diesem Buch?

Sabine Seymour: Das Besondere ist eigentlich, das es eine Enzyklopädie ist. Ich habe Projekte von über 50 Designern, Künstlern, Firmen und Forschern zusammengetragen. Es war mir dabei wichtig eine Timeline zu schaffen. Das war das eine. Das andere war natürlich auch die Einteilung in diese verschiedenen Kategorien. Es ist ein hoher Anteil an Projekten, die als Inspiration gelten sollen. Es ist eine Verbindung von verschiedensten Arbeiten, die es einem ermöglichen sich vorzustellen wie Mode in Kombination mit Technologie sein kann.

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Fashionable Technology, Photo credit: Chris Moore


af: Wie sehen Ihre Zukunftsvisionen in der Bekleidungstechnologie aus?

Sabine Seymour: Es ist so, dass wir momentan sehr viele Möglichkeiten besitzen. Mit unseren Firmen arbeiten wir einerseits an Arbeitsbekleidung, wo wir speziell auf Funktionen eingehen. Das kann zum Beispiel im Bereich der Kommunikationstransfer liegen. Dann gibt es noch den Bereich Sport, der einen höheren Anspruch an Ästhetik und Design hat. Es gibt wirklich eine große Bandbreite an Möglichkeiten denn wir produzieren auch Ausstellungs- und Experiencedesign mit interaktiven Kleidern. Wie ich es in meinem Buch immer beschreibe: "A lot of function – A lot of aesthetics". Genau in dieser Matrix bewegen wir uns.

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Fashionable Technology, Photo credit: Gene Kiegel


af: Was kann man sich unter dem Beispiel der Kommunikationstransfer genauer vorstellen?


Sabine Seymour: Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Das kann einerseits den visuellen Transfer betreffen, das heißt ich kommuniziere über eine visuelle Veränderung der Oberfläche. Andererseits kann über einen auditiven Transfer kommuniziert werden. Beispielsweise können bei einer Begrüßung durch Umarmung schon gewisse Sounds entstehen. Wie gesagt, man kann hier grenzenlos "spinnen".

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Fashionable Technology, Photo credit: Elena Corchero und Kerri Wallace


af: Eine abschließende Frage: Woran arbeiten Sie momentan?

Sabine Seymour: In erster Linie arbeite ich momentan an der Finanzierung eines Unternehmens, dass wir in Österreich aufbauen wollen. Ich habe mich entschieden in Österreich das Headquarter für Europa zu machen. Die Projekte liegen im Bereich Sicherheit, Sport usw. Weiters kuratiere ich Ausstellungen, die nächstes Jahr gezeigt werden und entwickle Installationen. Da kann ich Ihnen aber nicht sagen, was es ist.
Im Herbst möchte ich noch mit österreichischen Designern interaktive Kleidungsstücke erstellen.


(Jasmin Edelbrunner)


ImageCover_Front
Photo credit: Philips Design
Cover_Back
Photo credit: Gene Kiegel




Links:
www.fashionabletechnology.org
www.moondial.com

 

 

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